Eine Reise durch den Underground?

Der oben genannte Slogan, der unseren Blog ziert, bedarf auf dem ersten Blick keiner Erklärung. Nichtsdestotrotz möchte ich diesen erfreulichen Tag, an dem wir unseren 100. Instagram-Follower begrüßen durften, mit ein paar grundsätzlichen Gedanken flankieren.

Kein Fan hat seine Reise durch den Metal-Kosmos im Underground begonnen. Selbst unser Redakteur Aidan nicht, aber das erzählt er sicherlich demnächst selbst einmal auf dieser Plattform. Typische Einstiegsbands für Freunde eher klassischer Töne sind Iron Maiden, HammerFall und – ob man sie nun mag oder nicht – Sabaton. Es ist völlig in Ordnung, dauerhaft auf dieser Ebene zu verweilen. Ich behaupte jedoch, dass die meisten Fans, die einen großen Teil ihres Lebens dem Metal widmen, irgendwann schmale, oftmals düstere Nebenstraßen betreten, um noch weitaus tiefer in die Materie einzusteigen.

Auf dieser Expedition ins Ungewisse war Atlantean Kodex die wichtigste Band, die meinen Weg kreuzte. Nach „The Golden Bough“ und „The White Goddess“ war nichts mehr wie zuvor. Gar nix. Da die Epic-Götter aus Vilseck jedoch ein eigenes Special auf unserem Epic Metal Blog verdienen, gehe ich an dieser Stelle nicht weiter ins Detail. Nur so viel: Die beiden genannten Alben offenbarten eine musikalische und lyrische Tiefe, gepaart mit einer atemberaubenden Emotionalität, die man auf klassischen Mainstream-Platten nur sehr, sehr selten findet. Wir haben es hier mit Überzeugungstätern zu tun, die nicht den nächsten Platten-Deal oder Verkaufszahlen im Hinterkopf haben, sondern Kunstwerke kreieren, die für sich stehen und Menschen herausfordern. Sie richten sich an Zuhörer, nicht an Konsumenten.

Auch im Underground gibt es gegenwärtig Entwicklungen, die das Etikett „Kommerzialisierung“ verdienen, man denke nur an zweifelhafte Merch-Produkte, völlig überteuerte Bundles beziehungsweise Special Editions oder Releases, die in elf Vinyl-Farben erhältlich sind. Nichtsdestotrotz wird man als Metal-Musiker, der Epic Metal à la Atlantean Kodex, Solstice oder Gatekeeper spielt, nicht reich. Eher im Gegenteil… Auf der Bühne stehen in der Regel vielmehr Fans, die Songs für andere Fans darbieten. Und gerade an dieser Stelle ist meine Faszination für den klassischen, den wahren Underground zu verorten. Was gibt es Schöneres, als am Rande eines Konzertes oder Festivals mit Musikern entspannt am Merch-Stand über die letzte Cirith Ungol-Platte zu philosophieren? Was gibt es Schöneres, als in der ersten Reihe neben Jake Rogers von Visigoth „Cimmerian Codex“ zu zelebrieren? Und was gibt es im Allgemeinen Schöneres, als Künstler zu sehen, die wie Felipe Kutzbach (unter anderem Procession und Scald) oder Sarah Kitteringham (Smoulder) ihre Leidenschaft mit jeder Faser ihres Körpers ausleben?

Doch der Underground braucht uns. Uns Fans. Fans, die sich ebenfalls als Überzeugungstäter definieren. Wir sind als Konzertbesucher und Plattenkäufer gefragt, aber auch als Menschen, die unabhängig agierenden Bands Plattformen bieten, auf denen sie sich präsentieren können. Unsere Rolle als Multiplikator ist nicht zu unterschätzen – ich selbst habe durch begeisterte Posts auf Instagram bereits zahllose grandiose Scheiben entdeckt. Wenn unser Epic Metal Blog euch ebenfalls regelmäßig die Geldbörse zücken lässt, um Kreativität und Authentizität zu belohnen, ja überhaupt erst dauerhaft zu ermöglich, haben wir eines unserer primären Ziele erreicht – da spreche ich auch im Namen meiner Kollegen Aidan und Tim.

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