Jonas Wikstrand: AOR-Worshipping, Teil 2

Release: 01.12.2020

Seien wir ehrlich: Auch Epic Metal-Fans hören mal etwas anderes. Enforcer zum Beispiel. Die Schweden zählten vor ein paar Jahren ohne Zweifel zur Speerspitze der New Wave Of Traditional Heavy Metal (NWOTHM). Mit ihrem letzten Longplayer, Zenith (2019), haben die Wikstrand-Brüder allerdings den einen oder anderen Fan vergrault, der mit den bisweilen arg eingängigen und manchmal zum Bombast neigenden Klängen nicht sonderlich viel anfangen konnte. Dass sich Classic Rock-Jünger Joseph Tholl schon vor den Aufnahmen (endgültig) verabschiedet hatte, war demnach nur folgerichtig. Nun, ich fand Studioalbum Nummer fünf nicht schlecht und hätte mit ein bisschen guten Willen wohl noch eine „Kaufempfehlung“ ausgesprochen, aber die beste Wikstrand-Scheibe des Jahres 2019 war eindeutig das selbstbetitelte Forever-Debüt, auf dem Schlagzeuger Jonas seine Liebe zum Adult Orientated Rock (AOR) auslebte. Wenn ihr auf der Suche nach einer Gute-Laune-Platte seid, die einen Hit nach dem anderen anbietet, erwartet euch eine Goldgrube.

Erfreulicherweise erscheint im nächsten Jahr ein Nachfolger des formidablen Einstandes. Als Appetithäppchen gibt es nun die Single „Fire’s burning hot“, die stilistisch nahtlos an Forever anknüpft. Wer auf die großen AOR-Helden Journey, Foreigner oder Survivor steht, dürfte den Song, der uns tief in die 80er zurückkatapultiert, in sein Herz schließen. „Corona? Wer ist Corona? Ich gucke jetzt erst mal Magnum und Miami Vice!“, mag mancher rufen, der dank Forever eine längst vergessene Unbeschwertheit spürt. Klar, Jonas erfindet auch hier gar nix neu, aber er versteht es, gute, eingängige Tracks zu schreiben, die nach Airplay schreien. Qualitativ ist das Ganze selbstverständlich zehn Klassen besser als der Kram, der in der Regel im Formatradio unsere Gehörgänge malträtiert.

Auf der 7″ gibt es neben „Fire’s burning hot“ noch eine Akustikversion von „Anywhere you’ve gone“. Das Original war die erste Single, die aus dem Debütalbum ausgekoppelt wurde. In der neuen Version ist sie mir jedoch nicht bekannt, da das Promopaket lediglich die erstgenannte Nummer enthält. Alles in allem freut es mich, wieder ein musikalisches Lebenszeichen von Jonas zu vernehmen – wenn der Rest des zweiten Longplayers eine ähnliche Güteklasse wie dieser Appetizer aufweist, werden die Epic Metal-Schlachten im Jahr 2021 sicherlich das eine oder andere Mal von ausgiebigen AOR-Parties (auf dem heimischen Sofa…) unterbrochen.

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