Interview: Gravety

Ich freue mich sehr, dass wir heute Kevin Portz, den Sänger der saarländischen Epic Heavy Metal-Band Gravety, zum Interview begrüßen dürfen.

Kevin, zunächst einmal bedanke ich mich für deine Zeit. Wie erlebst du dieses bizarre Jahr 2020? Ich bin einfach nur froh, wenn es bald endlich vorbei ist.

Kevin Portz: Ich danke dir für dein Interesse. Tja… ich glaube, so hätten wir uns 2020 alle nicht vorgestellt…aber was will man machen… Hoffentlich kommen bald bessere Zeiten. Zähne zusammenbeißen und durch. Never surrender!

Das stimmt! Vor über acht Jahren erschien euer Album Into The Grave. Wie blickst du heute auf diesen Release zurück, der meiner Meinung nach in stilistischer Hinsicht erstaunlich vielseitig und daher spannend ist? Und warum haben wir danach nichts mehr von Gravety gehört? An der Qualität der Platte kann es nicht gelegen haben.

Vielseitig ist die Scheibe. Für meinen Geschmack heute etwas zu vielseitig. Natürlich gibt es einige Dinge, die wir anders machen würden, dafür haben wir uns alle weiterentwickelt. Von der Produktion bis hin zu manchen Arrangements. Aber einige Songs finde ich auch heute noch stark. Unsere Basis war und ist immer noch klassischer Heavy Metal, aber damals hatten wir so viele Einflüsse, die sich alle irgendwie in den Songs wiederfinden – heute sind wir älter und gereifter. Hört sich vielleicht lahm an, aber das ist es absolut nicht. Wir bündeln unsere Einflüsse nun einfach besser und haben unseren Stil verfeinert. Freut mich, dass dir die Platte gefällt. Dass wir „pausiert“ haben, hat diverse Gründe. Unsere Gitarristen gründeten Familien, unser Drummer Lukas spielte mit dem Gedanken, ins Ausland zu gehen und ich zog nach Düsseldorf. Es gab Songs und Ideen, aber irgendwie hatten andere Dinge Vorrang. Da wir alle eng befreundet sind, brach der Kontakt nie ab und spätestens meine Rückkehr an die Saar entfachte dann endgültig wieder die stählerne Flamme. Wir haben alle wieder voll Bock!

Das klingt vielversprechend! In einem Vorgespräch hast du mir bereits erzählt, dass es für euch nun in die epische Richtung geht. Was fasziniert dich am Epic Metal?

Ausschlaggebend für unsere Verfeinerung des Stils dürfte Solstice’s Death’s Crown Is Victory EP aus dem Jahr 2013 bzw. besonders der Titeltrack gewesen sein. Diese rohe Energie, mächtige Riffs, epische Melodien, kraftvoller Gesang, treibende Rhythmen…es lässt dich einfach nur die Faust in die Luft recken, egal ob bei einer Live-Show, im Wohnzimmer, oder auf dem Schlachtfeld. Ich habe diese EP während eines Schottlandurlaubs bei der Fahrt durch die Highlands sowie quer durch England gehört.

Ohne jede Frage eine grandiose Scheibe einer der besten Epic Metal-Bands der Welt!

Im Endeffekt ist Epik natürlich auch subjektiv. Ich erinnere mich daran, als ich vor Jahren einem ehemaligen Arbeitskollegen gegenüber selbstverständlich den Ausdruck „episch“ im Zusammenhang mit Metal erwähnte. Er fragte mich dann, ob da Trompeten dabei sind, wie in einer Arena. Man muss dazu sagen, er ist Italiener… ha ha. Spaß beiseite, Epic Metal kann so unterschiedlich sein… Manilla Road und Manowar haben beide diesen Stil maßgeblich geprägt, sind aber doch vollkommen anders. Epic Metal muss mich packen, Emotionen in mir auslösen, mich aus dem Alltag holen. Da darf gerne ein Conan-Klon triumphierend auf einem Berg stehen, es können aber genauso gut Horror-Themen wie z.B. Poe oder Lovecraft behandelt werden. Das hat oft etwas Erhabenes, Anmutiges, aber auch Kraftvolles, Wildes, Mysteriöses. Das ist das Faszinierende am Epic Metal für mich.

Welche jungen Epic Metal-Bands gefallen dir besonders gut? Hast du vielleicht einen Geheimtipp parat?

Puh, das sind einige! Spontan fallen mir Vendel, Visigoth, Smoulder, Gatekeeper, Legendry, Eternal Champion, Terminus, By Fire and Sword ein. Also nur Bands, die noch relativ wenig veröffentlicht haben… Ein Geheimtipp wird schwierig, da du doch wie ein Trüffelschwein immer auf der Suche bist, ha ha…

Ach, das kann mein Kollege Aidan noch viel besser. Er kennt die Bands vermutlich schon, bevor sie einen Ton aufgenommen haben…

Aber zumindest kann ich dir sagen, was ich mir als Letztes aus dem Genre so zugelegt habe: Megaton Sword, Stygian Crown, Runemaster und die bis vor kurzem vergriffenen ersten beiden Ironsword-Alben.

Eine unvermeidliche Frage: Welches Manowar-Album ist das beste? Ich verehre vor allem Hail to England.

He he, Hail to England zählt auch zu meinen Favoriten. Vor allem wegen „Bridge of Death“. Aber ihre beste Platte ist für mich Into Glory Ride. Mit „Gloves Of Metal“ ist einer der brachialsten Metalsongs überhaupt darauf vertreten und „Secret Of Steel“ atmet mehr Robert E. Howard-Spirit als jeder andere Song.

Kannst du unseren Lesern etwas über die Metalszene im Saarland erzählen? Die meisten von uns denken vermutlich zuerst an Powerwolf, mir fallen auch sofort Godslave ein, weil ich Bernie mal für ein Buch interviewen durfte. Gibt es dort für Bands wie Gravety ein zufriedenstellendes Angebot an Auftrittsmöglichkeiten?

Momentan steht ja sowieso alles still, aber als wir uns 2013 in die Pause begaben, gab es doch eine recht große Szene. Besonders im Nordsaarland, dem Dunstkreis der „Celtic Warriors Otzenhausen“, entsprangen viele Bands. Mit Powerwolf haben wir auch bereits die Bühne geteilt. Godslave sind alte Kumpels, mit denen wir schon einige lustige Shows gespielt haben. Ansonsten wird momentan eher wenig Metal im Saarland gespielt. Auftrittsmöglichkeiten gibt es außerhalb von Saarbrücken eigentlich kaum noch. Da wären die Garage / Kleiner Klub, das Studio 30, der Devil’s Place Rock Club, das JUZ Saarlouis und die „Celtic Warriors Otzenhausen“ zu nennen, die regelmäßig Konzerte veranstalten.

Wie beurteilst du generell den gegenwärtigen Zustand des Undergrounds in Deutschland? Was gefällt dir an der Szene und worüber schüttelst du ab und zu mal den Kopf?

Unser Underground ist gut aufgestellt. Wir haben viele starke Bands, die international konkurrenzfähig sind und durchaus mit beispielsweise Skandinavien oder den USA mithalten können. Ich mag an der Szene, dass man relativ schnell in den „Kreis“ aufgenommen wird, wenn man wirklich Interesse an der Musik zeigt. Jeder hat mal angefangen und vor Anspieltipps kann man sich manchmal gar nicht retten. Unnötig finde ich, wenn zu sehr in Schubladen gedacht wird bzw. nur „ausgewählte“ Sachen „erlaubt“ sind. Über Geschmack lässt sich nun mal diskutieren und wenn sachlich argumentiert wird, kann das auch interessant sein. So hab ich z.B. kein Problem damit, mir Chris Isaak und im Anschluss Asphyx aufzulegen.

Auf welchen Festivals würdest du gerne einmal mit Gravety spielen?

Mein größter Traum ist es, auf dem Keep It True Festival zu spielen, weil ich nirgendwo sonst so viel Leidenschaft auf einem Haufen erlebt habe wie jährlich dort. Auch bei Openern kann die Halle schon Kopf stehen und das ist einfach immer ein bzw. DAS Highlight. Passend zu unserer Musik wäre das Amphitheater in Gelsenkirchen bzw. das Rock Hard Festival natürlich eine vortreffliche Umgebung. Die Posthalle Würzburg hat mir schon so viele geniale Momente beschert, da wäre es natürlich klasse, dort auch mal zu spielen. Sei es auf dem Metal Assault oder dem Hammer Of Doom. Das Up The Hammers in Athen, sowie das Headbangers Open Air haben ebenfalls eine super lockere Atmosphäre, aber passionierte Fans, die sich vollkommen der Musik hingeben. Generell kann es überall ein geiler Auftritt werden, wenn sich das Publikum mitreißen lässt, ganz egal, ob fünf oder 1000 Leute vor der Bühne stehen.

Das sehe ich auch so! Wie es in unserer heutigen Zeit nicht ganz unüblich ist, haben wir uns auf Instagram kennengelernt. Wie stehst du im Allgemeinen zu Social Media?

Social Media ist ein zweischneidiges Schwert: Du kannst dort klasse Erfahrungen, Begegnungen machen und tolle Unterhaltungen führen, eventuell auch mit Personen, die du niemals in echt treffen würdest. Allerdings kann es auch anstrengend sein, sich gewisse Posts oder Kommentare durchzulesen, besonders wenn manche Leute sich in der „Anonymität“ stärker fühlen und meinen, rumtrollen zu müssen. Aber generell bringt Social Media für eine Band nur Vorteile, da sie umsonst auf sich aufmerksam machen kann. Wenn man sich gegenseitig unterstützt statt einander schlecht zu machen, hat am Ende jeder mehr davon und die Szene wird gestärkt.

Ein exzellentes Schlusswort! Kevin, danke für das Gespräch! Ich sage mal: Wenn wir auf dem Epic Metal Blog eure neue Scheibe rezensiert haben, sprechen wir uns wieder. Einverstanden?

Sehr gerne! Bis dahin haltet Augen und Ohren offen!

Zum Beispiel auf der GravetyBandcamp-Seite.

2 Kommentare zu „Interview: Gravety

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