Review: Eternal Champion – Ravening Iron

2016 schlug ein Blitz in die Epic Metal-Szene ein. Eternal Champion aus Texas veröffentlichten ihr Debütalbum The Amor of Ire und schafften es damit, sich sofort an die Speerspitze der neuen Epic Metal-Bewegung zu stellen. Während die Qualität begeistert, lässt die Quantität zu wünschen übrig. So hat man in acht Jahren Bandgeschichte gerade mal neun eigene Lieder, drei Instrumentals und zwei Cover abgeliefert. 2019 veröffentlichte man dann eine weitere Single. Diese lieferte aber nicht das ab, was sich viele erhofft hatten; Terminus Est war nämlich eine reine Dungeon Synth-Veröffentlichung, die einen haben ihre Freude daran, die anderen lässt es kalt. Nun war es also kein Wunder, dass der Nachfolger des überragenden Debüts, mit dem Titel Ravening Iron, im Underground eines der heiß ersehntesten Alben seit langem war. Konnte das Album die Erwartungen erfüllen? Ist es so gut wie der Vorgänger?

Der erste Schock kam für mich bereits recht früh, ein Stichwort: Cover. Nach eigenen Angaben wollte man für das Cover den besten Künstler haben und hat sich somit für Ken Kelly entschieden, unter anderem Schöpfer der folgenden Cover: Kiss Destroyer, Rainbow Rising und Manowar Kings of Metal. Und sagen wir mal so: Künstlerisch sieht es nicht schlecht aus und gegen Brüste habe ich natürlich auch nichts. Die Frage, ob sie aber ein so prägnanter Teil des Covers sein müssen, überlasse ich der Band, aber so viel steht fest, ich werde mir kein Shirt mit dem Artwork kaufen, was aufgrund des coolen Drachens natürlich echt schade ist… (also müsste Smaug die Damen wohl verschlingen, Anm. Blaze Breeg)

No Remorse records 2020

Viel wichtiger ist aber die Musik und wahrscheinlich keinem Leser dieses Blogs muss ich den einzigartigen Sound Eternal Champions beschreiben: Die mächtigen Riffs, die stampfenden Rhythmen, die einerseits indirekten, andererseits eingängigen Melodien sowie die packenden Chorusse haben mittlerweile Legendenstatus und auch sonst verkörpert keine Band den Epic Metal so sehr wie die Formation um Arthur Rizk (Gitarre, Drums, Synths) und Jason Tarpey (Vocals). Auch John Powers (Gitarre) und Brad Raub (Bass) – beide wie Arthur auch bei Sumerlands aktiv – sind wieder an Bord und komplettieren das Line-up.

Inhaltlich hält sich natürlich auch alles sehr episch. Zentraler Bestandteil der Texte ist nämlich die Sword & Sorcery-Thematik. Besonders hier dran ist, dass alle Texte Teil einer von Jason Tarpey geschrieben Geschichte sind, deren zweiter Teil, Godblade, zeitgleich mit dem Album als Buch veröffentlicht wird.

Nun das Album: Hier kam der zweite Schock. Selbst nach mehreren Durchgängen wollte das Album nicht so ganz zünden. Ja, die Lieder klangen schon gut, aber so ganz vom Hocker hauen wollte es mich einfach nicht. Woran liegt das? Sind die Erwartungen zu hoch? Wird es nur ein weiteres Durchschnittsalbum? Nein, ich bin ehrlich, auch wenn ich mittlerweile finde, dass The Amor of Ire eines der besten Epic Metal-Alben aller Zeiten ist, hat es auch nicht sofort gezündet. Und wie beim Vorgänger sollte es sich auch bei Ravening Iron nach dem vierten/fünften Durchgang ändern! (Oder beim 20. wie bei mir, Anm. Blaze Breeg)

Mit „A Face in the Glare“ geht das Album deutlich direkter und zügiger los als der Vorgänger. Im Chorus ist es dann fast schon kontrastiv; hier hat man nämlich eine in Eternal Champion-typischer Manier indirekte Melodie, die einem nicht einfach stumpf vor die Füße geworfen wird, sondern sich unterbewusst einnistet. Zum Ende des Songs wird es dann etwas ruhiger und atmosphärisch, was den darauffolgenden Song und das Highlight des Albums perfekt in Szene setzt!

Ich spreche vom bereits im Voraus veröffentlichten Titletrack „Ravening Iron“. Diese energiegeladene, packende Nummer zwingt einen, seine Fäuste gen Himmel zu richten, völlig abzugehen und verschwitzt aus vollem Hals mitzugrölen. Ich rate es schonmal allen: Nehmt zum nächsten Eternal Champion-Konzert Wechselunterwäsche mit!

„Skullseeker“ dahingegen ist für mich eine Enttäuschung. Der Song will einfach nicht. Für mich persönlich ist er leider etwas belanglos. Stampfend und verspielt, aber irgendwie kommt letztendlich nichts dabei raus. Schade, aber dafür soll es danach wieder richtig gut weitergehen!

2013 veröffentlichte man ein Demo-Tape mit zwei Liedern: Das erste, „The Last King of Pictdom“, befindet sich bereits auf dem Debütalbum und ist mit seinem rohen, emotional melodischen Sound eines der besten Lieder der Texaner. Das zweite hört auf einen fast genauso epischen Namen und befindet sich nun auf dem zweiten Album der Band. „War at the Edge of the End“ hat einen ebenso rohen Sound, ist ebenso eingängig und ebenso melodiös. All das wird in der höchst epischen Koda zum Ende des Songs gebündelt und mit geballter Kraft dem Hörer eingehämmert!

Mystisch, episch geht es dann mit „Coward’s Keep“ weiter. Auch hier ist die Melodie wieder etwas versteckter. Dabei ist die Nummer eher ruhiger und sanfter mit einem deutlich größeren Fokus auf einer mächtigen Atmosphäre. Dazu trägt auch bei, dass man sich Jake Rogers für diesen Song mit an Bord geholt hat. Schade ist es jedoch, dass seine Teilnahme eher untergeht und man ohne Vorwissen nicht erahnen würde, dass er auch mitsingt. Da hatte ich mir mehr erhofft.

„Worms of the Earth“ stellt zumindest vom Riffing her einen Kontrast dar, klingt es doch deutlich kantiger und treibender. Hier gefällt mir die Gitarrenarbeit besonders und – wie mein geschätzter Kollege MrMetalsson es mal ansprach – das Ganze ist sehr verspielt und deswegen fast schon progressiv. Die Mischung passt!

Zum Abschluss wird es mit „Banners of Arhai“ nochmal ziemlich atmosphärisch und mächtig. Eingeleitet durch das Synth-Instrumental „Godblade“ überkommt der düstere Sound einen langsam und schleppend. Gegenüber dem fast doomigen Sound sticht hier der Gesang Tarpeys unglaublich hervor. Durch Screams und abwechslungsreiche Gesangspassagen wirkt es, als würde er verzweifelt gegen die sich bedrohlich nähernde Düsterheit ankämpfen. Ein Hammer-Song, der aber auch seine Zeit braucht, um sich vollends zu entfalten.

Fazit: Die wesentliche Frage ist jetzt natürlich, ob Ravening Iron so gut ist wie der renommierte Vorgänger. Am einfachsten kann ich diese Frage wahrscheinlich beantworten, wenn ich sage: „nein, noch nicht“. Meiner Meinung nach hat der Vorgänger in allen Belangen die Nase vorn, jedoch bin ich hier sicherlich etwas voreingenommen, da ich erst dieses Jahr noch das Glück hatte, die Lieder des ersten Albums live zu hören, was die Lieder nochmal auf eine ganz andere emotionale Ebene hebt. Allein aus diesem Grund will ich mit meinem finalen Urteil abwarten, zumal sich bereits jetzt ein großes Wachstum der Lieder feststellen lässt. Andere Fragen lassen sich derzeitig besser beantworten. Ist das Album eine Enttäuschung? Nein, auf keinen lassen Fall! Ist das Album ein ebenbürtiger Nachfolger? Ja, definitiv! Werden diejenigen, die das Debüt mochten, Ravening Iron auch mögen? Ja, zweifelsohne! Die Kaufempfehlung bekommt das Album von mir auf jeden Fall und mittlerweile würde ich es auch ein Jahreshighlight in einem, Epic Metal-technisch, wirklich sehr starken Jahr nennen. Eternal Champion untermauern mit diesem Album ihren Anspruch auf den Thron der jungen Epic Metal-Bewegung und verstärken meine Sehnsucht auf Konzerte nur noch umso mehr.

Fazit: Jahreshighlight (mit Potenzial für mehr)

4 Kommentare zu „Review: Eternal Champion – Ravening Iron

Kommentar verfassen