Review: Atom Smasher – The Age of Ice

Wenn sich eine Band Atom Smasher nennt, rennt sie bei mir gleich sperrangelweit offene Türen ein. Gibt es einen Epic Metal-Fan auf diesem Planeten, der nicht auf Cirith Ungols King of the Dead steht? Eben… Erfreulicherweise verspricht der Name nicht zu viel, denn das Duo aus Remscheid, bestehend aus Gordon Overkill und The Judge, wildert über weite Strecken in kauzig-epischen Gefilden. Mit anderen Worten: Anhänger der oben angeführten Legende aus Ventura sowie von Brocas Helm, Slough Feg und Manilla Road sollten auf jeden Fall ein Nerd-Ohr riskieren. Aber nicht nur die, doch dazu gleich mehr.

Eine große Überraschung sind Gordons starke Vocals: Da er bis dato nicht nachdrücklich als Sänger in Erscheinung getreten ist – außer im Publikum bei Atlantean Kodex und Co. -, musste ich mich zweimal vergewissern, ob ich auf The Age of Ice tatsächlich den Basser der Speed Metal-Truppe Messerschmitt höre. Klar, wir haben es hier nicht mit einem zweiten Eric Adams oder J.D. Kimball zu tun, aber Gordon hat eine Stimme mit hohem Wiedererkennungswert.

Laut eigener Aussage möchten Atom Smasher „die ungezügelte Wildheit von frühen Jaguar mit der Epik und dem charmanten Kauz-Faktor von Bands wie Manilla Road und Slough Feg […] verbinden“ (Zitat Gordon Overkill aus dem Deaf Forever Forum). Der Titeltrack dürfte vor allem Anhänger der erstgenannten NWOBHM-Pioniere aus Bristol begeistern – „The Age of Ice“ geht gut nach vorne, bietet einen eingängigen Mitgröl-Refrain und lebt in erster Linie von seiner spritzigen, durch und durch britischen Gitarrenarbeit. Man wähnt sich wieder im Jahr 1982 oder 1983. Die Nummer verfügt ohne Frage über Underground-Hitpotenzial und hätte auch auf Jaguars Power Games eine ziemlich gute Figur gemacht! „There lives a Beast within this Cave“ schielt hingegen eindeutig Richtung Manilla Road und Slough Feg – ein Fest für jeden Epiker, der sämtlichen kommerziell-orientierten Absichten stolz den Stinkefinger entgegenstreckt. Auch hier gefällt mir die leidenschaftliche Gitarrenarbeit extrem gut, die Leads gehen ins Ohr und vor allem ins Herz. Mark Shelton, anyone? Erwähnenswert sind jedoch auch die Gesangslinien, die sehr einfallsreich sind – ich habe, als exzessiver Musikhörer, zu keiner Sekunde das Gefühl, sie in dieser Art und Weise schon einmal woanders gehört zu haben. Das ist, meiner Meinung nach, eine saubere Leistung. Das Outro mit seinen akustischen Gitarren sorgt für einen würdigen, stimmungsvollen Abschluss, der uns rasch die Repeat-Taste betätigen lässt.

Abgerundet wird das in musikalischer Hinsicht gelungene Debüt zwischen NWOBHM und Epic Metal von einem außergewöhnlich geschmackvollen Artwork – hier waren, ganz offensichtlich, Profis am Werk, denen es gelungen ist, die Atmosphäre der Songs hervorragend einzufangen. Das ist Champions League!

Alles in allem bietet The Age of Ice in der Tat auf allen Ebenen „music for maniacs“ (Zitat von der Bandcamp-Seite), die wir demnächst hoffentlich einmal live bei zwei, drei, vier Kaltgetränken erleben dürfen. Der erste Atom Smasher-Longplayer ist somit offiziell einer meiner größten Wünsche für die nahe Zukunft. Damit die Jungs diesbezüglich motiviert werden, kauft fleißig den ersten Output, nun digital für faire 4 Euro, später als schnieke 7″, die am 19. Februar 2021 in einer 400er-Auflage bei Gates of Hell Records erscheinen wird.

Fazit: Kaufempfehlung

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