Review: Early Moods – Spellbound

Es steht außer Frage, dass das Essener Label Dying Victims seit Jahren ein Synonym für Qualität ist. Erst in diesem Jahr servierten uns die Underground-Trüffelschweine mit Soulcaster und Megaton Sword zwei echte Kracher, die jedem Epiker mit Geschmack eine Menge Freude bereiten. Daher werden wir euch auf dem Epic Metal Blog – wie gestern bereits mein Kollege Aidan – ab sofort regelmäßig Releases aus dem Herzen des Ruhrgebietes vorstellen, darunter auch Non-Epic Stuff.

Early Moods aus Los Angeles gehören dieser Kategorie an. Wir haben es hier nicht mit Epic Metal zu tun, sondern mit Doom Metal, der – so mein Empfinden – allerdings ein paar Elemente aufweist, welche die Debüt-EP Spellbound auch für uns ganz besonders interessant machen. Das Quartett aus Kalifornien musiziert seit 2015 und besteht aus Albert (Gesang, Bass, Keyboards), Eddie, Oscar Hernandez (beide Gitarre) sowie Chris Flores (Schlagzeug). Im Metallum könnt ihr nachlesen, dass wir es keineswegs mit Grünschnäbeln zu tun haben, sondern mit gestandenen Künstlern, die wissen, worauf es ankommt.

Der Opener, gleichzeitig der Titeltrack, baut eine unheimliche Stimmung auf, ehe die harten, schweren Doom-Riffs à la Black Sabbath einsetzen, welche die gesamte EP kennzeichnen. Durch zahlreiche Tempowechsel ist „Spellbound“ sehr abwechslungsreich und auch für Nicht-Doom-Fans attraktiv. Die eher an Heavy Metal erinnernden flotten Gitarrenleads gefallen mir auf dem vorliegenden Einstand durchweg ausgesprochen gut. Auf dem Hammer of Doom dürften sich Eddie und Oscar viele Freunde machen!

Einprägsam sind die durchaus originellen Gesangslinien von Albert, der sich auf dem gesamten Output als ein talentierter Zeremonienmeister entpuppt. „Starless“ als Epic Doom-Nummer zu bezeichnen, würde aufgrund der klassischen Ausrichtung gehörig in die Irre führen, aber die Vocals, d.h. diese Melodien, hätten in dieser Form auch auf einer Candlemass– oder Solitude Aeturnus-Scheibe alles andere als deplatziert gewirkt (dies gilt im Übrigen unter anderem auch für das darauffolgende „Isolated“, das ein besonders gelungenes, geradezu hypnotisierendes Main-Riff in petto hat). Ihr seht, hier verorte ich das epische Element und eine erhöhte Epic Metal Blog-Relevanz. Es würde mich im Übrigen interessieren, ob ihr das auch so wahrnehmt. Manchmal haben Rezensenten bekanntermaßen komische Ohren…

„Desire“ fängt auf jeden Fall mysteriös-düster an und setzt das Kopfkino dementsprechend in Gang: Ein Horrorfilm? Ein nächtlicher Ausflug auf den Friedhof? Die kernigen Doom-Riffs nach gut einer Minute reißen uns aus unseren Gedanken – der Kopf wippt wieder im typischen Genre-Takt, und Albert, ihr ahnt es bereits, beschwört seine Zuhörerschaft abermals eindringlich. Ja, der EP-Titel ist wirklich passend gewählt. Mit Spellbound darf man abtauchen, der sehr organische, recht rohe Vintage-Sound versetzt uns in die Vergangenheit, als Plastikproduktionen noch ein Fremdwort waren. Wenn wir es auf diesem Release mit der „Living Hell“ zu tun haben, verweile ich dort doch ganz gerne. Einen besseren November-Soundtrack kann es kaum geben.

Wenn ich das Haar in der Suppe suche, kommt mir eine gewisse Gleichförmigkeit in den Sinn. Nein, die Songs sind – wie oben in Bezug auf den Opener angedeutet – für sich genommen keineswegs monoton oder langatmig. Aber im Ganzen gesehen könnte die EP etwas mehr Variationen gebrauchen, um auf der gesamten Linie überzeugen zu können. Dass Early Moods ein vielversprechender Neuling im Genre sind, ist nicht zu bestreiten. Spellbound zeigt ihr Potenzial überdeutlich auf – ich bleibe deshalb zweifellos am Ball und freue mich auf künftige Outputs. Zwei, drei nennenswerte Aha-Effekte sollte ein erster Longplayer jedoch zu bieten haben – ansonsten könnte sich solch eine Platte trotz starker, charismatischer Vocals, toller Gitarrenleads und hochwertigen Songwritings ein bisschen ziehen.

Fazit: Vielversprechend (für Doom-Fans eine klare Kaufempfehlung)

Release: 20.04.2020

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