Review: Possessed Steel – Possessed Steel (EP)

Release: 14.02.2014

Line-up: Talon Sullivan (Gesang, Gitarre), Phil Labine (Gitarre), Don Bachinski (Bass) sowie Chris Collins (Schlagzeug)

Wer das Album des Jahres vorlegt, hat ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit verdient. Da einige von euch Possessed Steel vermutlich noch nicht so gut kennen oder gerade erst mit Aedris besser kennengelernt haben, schaue ich mit euch in die Vergangenheit des im Jahre 2010 gegründeten Quartetts.

Am 14. Februar 2014 erblickte der erste offizielle Release der Kanadier das Licht der Metal-Welt. Die selbstbetitelte EP bot neben einem reichlich furchterregend ausschauenden schwarzen Einhorn auf dem Cover vier Tracks, auf die ich nun etwas näher eingehen möchte.

Hier ist allerdings bereits die erste Nuance angebracht: Streng genommen haben wir es mit einem Intro und vier vollwertigen Songs zu tun. „Prelude to the Storm“ leitet das Possessed Steel-Debüt mit sanften Klavierklängen ein, die zu einem allmählichen Spannungsaufbau beitragen. Mit „Battle with Neptune“ geht die EP nach anderthalb Minuten ordentlich rockend nach vorne. Die Epic Heavy Metal-Nummer dürfte nicht zuletzt jedem Manilla Road-Anhänger hervorragend schmecken: Wie bei der Legende aus Wichita, Kansas, umschmeichelt ein ausgesprochen eigenständiger Gesang mit einem gesunden Kauz-Faktor unsere Nerd-Ohren. Die harschen Anteile, die auf Aedris in manchen Songs bisweilen recht prominent vertreten sind, spielen hier – wie im Rahmen der drei folgenden Kompositionen – keine dominante Rolle, deuten jedoch schon interessante Variationen an. Auch auf der instrumentalen Ebene können Possessed Steel überzeugen: Mich begeistert allen voran die Rhythmusfraktion, wobei das Drumming von Chris Collins in „Battle with Neptune“ zweifellos das Prädikat „cool“ verdient.

„Valhalla“ ist ebenfalls ziemlich heavy und zeichnet sich durch ein einfallsreiches Riffing sowie tolle Soli aus. Die einprägsamen, außergewöhnlichen Gesangslinien von Talon Sullivan entpuppen sich spätestens während dieses Tracks, der auch auf der nachfolgenden EP Order of the Moon (2017) enthalten sein sollte, als Possessed Steel-Trademark.

Die Bandhymne „Possessed Steel“ unterscheidet sich in stilistischer Hinsicht nicht wesentlich von den ersten beiden Songs: Sie lädt zum zünftigen Abrocken oder zum beherzten Ritt in die Schlacht ein – das Potenzial, zu einem kernigen Underground-Hit zu mutieren, ist hier ohne jede Frage vorhanden.

In „Horn of the Black Unicorn“ taucht, sozusagen, das eingangs beschriebene Cover-Motiv auf. Auffällig ist der recht ruhige Mittelteil, den das Quartett aus Toronto gekonnt für den Aufbau von Atmosphäre nutzt – man darf konstatieren, dass sich in Song Nummer vier eine der ganz großen Stärken des Meisterwerkes Aedris ankündigt. Weniger gelungen ist das Fade-out am Ende, da hätten sich die Jungs wirklich einen würdigeren Abschluss ausdenken können.

Alles in allem ist Possessed Steel ein vielversprechendes Debüt, das sich jeder Fan härterer, kauzig-epischer Klänge zu Gemüte führen sollte. Der Sound ist recht roh, aber das stört mich offen gestanden überhaupt nicht. Auch wenn das Songwriting zahlreiche gute Ideen und einige Überraschungsmomente aufweist, spielt das sechseinhalb Jahre später veröffentlichte Aedris in einer ganz anderen Liga. Auf Possessed Steel fehlen zudem die erhabenen New Dark Age-Momente, die den ersten Longplayer in den Epic Metal-Olymp befördern. Nichtsdestotrotz deuteten die Kanadier anno 2014 bereits an, was in ihnen steckt. Für jeden Epic Metal-Fan spreche ich daher eine klare Kaufempfehlung aus.

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