Review: Kramp – Wield Revenge

Release: 13.10.2016

Ich muss zugeben, dass es in den zurückliegenden Jahren nicht viele spanische Metal-Bands in meine Plattensammlung geschafft haben. Dies sagt jedoch nichts über die Qualität der dortigen Künstler aus, sondern dokumentiert eher meine starke Fokussierung auf den angelsächsischen Raum, insbesondere auf Nordamerika. Dank Kramp lege ich meine Scheuklappen ganz gewiss ab und schenke der iberischen Halbinsel die Aufmerksamkeit, die sie objektiv betrachtet auch verdient.

Die Truppe um die Geschwister Mina Walkure (Gesang) und Lap (Bass) existiert bereits seit 2010. Dem Metallum ist zu entnehmen, dass es in der vergangenen Dekade einige Line-up-Veränderungen gegeben hat: Schlagzeuger und vor allem Gitarristen gaben sich, wenn man den dortigen Angaben trauen darf – wovon ich ausgehe – überspitzt formuliert geradezu die Klinke in die Hand. Allerdings ist dies bei jungen Bands auch nicht ungewöhnlich.

Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass Kramp erst im Jahr 2016 ihren ersten offiziellen Release unter die Leute brachten. Die EP Wield Revenge enthält fünf Songs, von denen kein einziger die Drei-Minuten-Marke unter- oder überschreitet. Da wird jede Pop-Band neidisch! Nur haben wir es auf dem Debüt mit einem vollkommen anderen Genre zu tun. Klar, die SpanierInnen spielen Metal, jedoch die kauzige Variante, mit welcher man selbst im Sektor der härteren Stromgitarrenmusik nur ein recht kleine Gruppe bedient – Nerds, die sich unter anderem auf dem Epic Metal Blog tummeln, als LeserInnen oder Redakteure.

Los geht es mit dem herrlich klischeehaft betitelten „Leather Warrior“, der mit einem coolen, einprägsamen Riffing, einem guten Chorus und Minas starken Vocals punktet. Das folgende „Tale of Revenge“ lebt vor allem von ungewöhnlichen Gesangslinien, die den Kauz-Faktor in die Höhe schrauben. Die Gitarrenarbeit von Sara C (immer noch an Bord) und Juanjo Negrete (2017 ausgestiegen) erinnert mich an vielen Stellen an die US-Amerikaner Legendry, die in der Regel zwar weniger flott zu Werke gehen, aber ebenso ausdrucksstarke Leads in petto haben. Bei „Legend“ handelt es sich um eine wunderbare, kämpferische Epic Metal-Hymne, in deren Verlauf mich Mina oftmals an Sarah von Smoulder erinnert. In den knapp vier Minuten möchte man dauerhaft die Fäuste ballen, das Schwert schwingen und den Feind einen Kopf kürzer machen. Wield Revenge erreicht spätestens an dieser Stelle ein bemerkenswert hohes Niveau – und ich schäme mich für meine bisherige Ignoranz, Kramp hatten nämlich schon 2016 einiges drauf! Ihren Status als Hoffnungsträger untermauern die SüdeuropäerInnen mit dem abwechslungsreichen „Dare to face Fear“: In unsere Gehörgänge schleichen sich erneut grandiose Gesangslinien und formidabel tönende Gitarrenleads bzw. Soli, die jeden Epiker zwischen Madrid und Vancouver glücklich machen dürften. Das abschließende „Assault“ ist abermals eine astreine Schlachtenhymne, die live keine Wünsche offen lassen dürfte. Nicht unerwähnt bleiben soll eine Kuriosität: Auf der EP trommelt niemand Geringeres als Àngel Sasso – offenbar ein kleiner Scherz von Running Wild-Fan Mina. Wie auch immer: Das Schlagzeugspiel fällt im Vergleich zum Rest deutlich ab, ohne letztendlich gravierende Abzüge in der B-Note zu rechtfertigen.

Kunst muss authentisch sein und die Konsumenten berühren. Bei Kramp ist alles echt – daher ist Wield Revenge ein Pflichtkauf für jeden Epiker. Nach über vier Jahren habe ich das auch erkannt.

Tja, manchmal braucht man etwas länger…

Die größte Stärke der Band besteht insgesamt betrachtet darin, kompakte Songs zu komponieren, in denen sehr viele Ideen stecken. Andere Formationen würden Nummern wie „Dare to face Fear“ vermutlich reichlich in die Länge ziehen. Kramp widerstehen dieser Versuchung, offenbar sogar dauerhaft, weil der erste, frisch erschienene Longplayer, Gods of Death, die Vier-Minuten-Marke auch nur zwei Mal knackt. Ansonsten bezaubern Mina, Lap und Co. mit literweise Herzblut. Klar, das Quartett erfindet hier nichts neu, es orientiert sich überdeutlich an den Genre-Vätern Manilla Road und Manowar, sogar in puncto Sound, der Lichtjahre von Plastik-Geballer entfernt ist und an Werke wie Into Glory Ride denken lässt. Aber welche Epic Metal-Band tut das alles nicht? Und was ist falsch daran? Eben, gar nichts. Kunst muss authentisch sein und die Konsumenten berühren. Bei Kramp ist alles echt – daher ist Wield Revenge ein Pflichtkauf für jeden Epiker. Nach über vier Jahren habe ich das auch erkannt. Muchas gracias!

Fazit: Kaufempfehlung (dringend!)

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