Review: Sandstorm – Desert Warrior

Release: 2021/02/26

Der NWOTHM haben wir es zu verdanken, dass immer mehr junge Bands hervorkommen, die den Sound von Legenden der 80er aufleben lassen. Hierbei hat sich besonders Kanada als Juwelenmine erwiesen, so tauchen doch jedes Jahr aufregende neue Bands auf unserem Radar auf, die es schaffen, sich einen Namen zu machen, der auch noch in den kommenden Jahren fest in der Szene verankert sein wird. Während die Stärke meiner Meinung nach in der Epik-Szene liegt, man siehe die Alben von Gatekeeper (2018), Smoulder (2019) oder erst kürzlich Possessed Steel (2020), hat man auch im klassischeren Bereich einiges zu bieten, zu nennen sind hier natürlich die Erben Judas Priests, Traveler und Riot City. Seit 2019 mischen auch Sandstorm aus Vancouver aktiv mit und auch hier können wir uns auf ein Worshipping der 80er gefasst machen.

Nachdem die Band 2017 von den schwedischen Brüdern Reptile Anderson (Vocals, Bass) und Steve „Broke“ Whiteless (Vocals, Gitarre) sowie der kanadischen Drummerin P.J. „The Butcher“ La Griffe gegründet worden war, veröffentlichten sie 2019 in Eigenregie ihr Debütalbum Time to Strike, welches Anfang des letzten Jahres dann nochmal von Dying Victims Productions auf den Markt gebracht wurde. Und abermals hatte dieses Label einen guten Riecher, denn Sandstorm spielen von der schwedischen Undergroundszene und besonders der NWOBHM inspirierten Heavy Metal, der vor allem durch seine lässig-lockere und heitere Spielweise sowie einen leicht mystischen Hauch zum Glänzen gebracht wird. Nun will man mit der neuen EP Desert Warrior den nächsten Sprung wagen. Ob das gelingt?

Man macht direkt da weiter, wo man auf dem Debüt gut vorgelegt hat. Und zwar legt man mit dem Titletrack atmosphärisch und melodisch los. Inhaltlich fokussiert man sich in den 21 Minuten auf Science Fiction aus den späten 60ern und frühen 70ern und man schafft es wahrlich, diese mystische Stimmung in der Musik widerzuspiegeln. Zentral ist hierbei, neben dem mitreißenden Riffing, die Eingängigkeit, welche auch im nächsten Song „Eat Me Alive“ hervorsticht. Mit „Evil Wins“ sorgt man dann für etwas Abwechslung, denn der Song wird mit einem episch-atmosphärischen Intro à la Manowar eingeleitet, was mir wirklich gut gefällt. Jedoch verfällt man im restlichen Song wieder sehr in den klassischen, fast schon rockigen Sound, bei diesem Song lässt man leider etwas liegen, da der Chorus zwar wieder eingängig, aber sehr antiklimatisch ist. Den Schlusstrack „Power of the Pyramids“ finde ich persönlich am stärksten. Hier schafft man es im Unterscheid zu den anderen Liedern, die Atmosphäre mit der Melodik und dem eingängigen Chorus zu verknüpfen, sodass es dem Song gelingt, einen mitzureißen. Besonders hervorzuheben ist hier auch das tolle Solo, das einen gewissen orientalischen Klang hat (die Soli sind sowieso auf der ganzen Platte echt gut).

Fazit: Sandstorm hat viel Potenzial. Die Platte macht Spaß und auch nach mehrfachem Hören ist die Energie des Trios immer noch spürbar. Man merkt auch, dass die Band Spaß hat, man klingt die ganze Zeit authentisch und wirkt echt sympathisch. Außerdem macht die lässig-coole Art echt Lust darauf, sie mal live zu sehen! Die große Stärke sehe ich in der Bildung von Atmosphäre und der Melodieführung, man baut die Songs gut auf, kreiert Spannung, erreicht dann im Chorus aber nicht den Höhepunkt, sondern lässt ab, wodurch man die Chance verpasst, die Songs wirklich mitreißend zu gestalten. Die Chorusse sind mir zu einfach und eintönig, weswegen ich mir etwas mehr Mut wünschen würde, zumal man bewiesen hat, dass man es durchaus schafft, episch zu klingen. Dennoch kann ich das Trio Fans von klassischem Heavy Metal ans Herz legen und die Band ist es durchaus wert, dass man in der Zukunft ein Auge auf sie hat!

Kommentar verfassen