Review: Jameson Raid – Raiderstronomy

Release: 2021/02/26

Ich nehme an, dass es zahlreiche Metal-Fans auf diesem Planeten gibt, die noch nie in ihrem Leben (bewusst) einen Ton von Jameson Raid gehört haben. Die Band, die 1975 unter dem Namen Notre Dame in Birmingham gegründet wurde, ist bis dato mutmaßlich in erster Linie besonders leidenschaftlichen NWOBHM-Trüffelschweinen ein Begriff. Zum Glück veröffentlichen High Roller Records nun die hochwertige Compilation Raiderstronomy, die den Anhang der Briten vielleicht noch einmal vergrößert.

Aber zuvor noch etwas Geschichte: Jameson Raid haben bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1982 zwei EPs und ein Demo veröffentlicht. Erst nach der Reunion mehr als ein Vierteljahrhundert später folgte im Jahr 2015 der erste Longplayer Uninvited Guests. Darüber hinaus gab es noch fünf weitere offizielle Releases, darunter das Live-Album Live at the O2 Academy. Raiderstronomy fokussiert sich ausschließlich auf die frühen Aufnahmen vor dem Split. Die Platte enthält alle Songs der ersten EP Seven Days of Splendour (1979), der zweiten EP End of Part One (1980) sowie den Track „Hard Lines“, den die Truppe unter dem Namen The Raid zur legendären Compilation Metal for Muthas Volume II (1980) beigesteuert hat.

Nun ist anzumerken, dass schon im Jahr 2010 auf der Compilation Just as the Dust had settled (via Shadow Kingdom Records vertrieben) fast alle der soeben genannten Kompositionen vorzufinden waren. Auf dem aktuellen Output dürfen sich die Fans jedoch über klanglich verbesserte Versionen freuen, die von den Originalbändern neu gemastert wurden. Als zusätzlichen Kaufanreiz gibt es noch eine Bonus-Single, die einen knackigen 2020er-Remix der EP Seven Days of Splendour enthält.

Nun habe ich eingangs die NWOBHM ins Spiel gebracht. Stilistisch waren Jameson Raid auf ihren ersten Releases jedoch recht breit aufgestellt. Allein auf der ersten EP wurde geradlinig und hooklastig gerockt wie auf dem Titeltrack „Seven Days of Splendour“, der eigentlich ebenso bekannt sein müsste wie „Angel Witch“ oder „Running Free“. Gleichzeitig ging es punkig-sozialkritisch angehaucht zur Sache wie auf der zweiten Nummer „It’s a Crime“, ehe man mit dem Rausschmeißer „Catcher in the Rye“, mit fast sieben Minuten ein kleines Epos, sogar dezente Ausflüge in proggige Gefilde wagte. Langweilig wird es hier zu keiner Sekunde!

Das ändert sich erfreulicherweise auch in der Folgezeit nicht: Das rockige „Hard Lines“ weist allen voran durch den verzerrten Gesang eine leicht spacige Note auf, ist jedoch insgesamt betrachtet nicht die stärkste der acht Kompositionen auf Raiderstronomy. Anders sieht dies beim Opener der zweiten EP End of Part One auf: „The Hypnotist“ ist eine ungemein lässige Nummer mit coolem Riffing, tollen, typisch britischen Gitarren-Leads und einfallsreichen Gesangslinien, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Selbiges gilt für die offiziöse Bandhymne „The Raid“, in der man auch ein bisschen etwas über den Jameson Raid im Jahr 1895 erfährt. Die nachfolgenden „Getting Hotter“ und „Straight from the Butchers“ zeigen ebenfalls, dass die Birminghamer in erster Linie eines vorzüglich konnten: Großartige Songs schreiben, die auf den Punkt kommen und jeweils einen eigenen Charakter aufweisen. Das können tatsächlich nicht viele Bands auf diesem Niveau, gerade einige NWOTHM-Acts tun sich diesbezüglich ein bisschen schwer. Mich begeistert vor allem Terry Darks manchmal leicht melancholischer, warmer, niemals aufdringlicher Gesang, der in Kombination mit dem wundervollen Riffing Jameson Raid zu einem echten Geheimtipp unter den Klassikern, die in jede Sammlung gehören, macht.

Kurzum: Für Raiderstronomy gibt es von mir eine ganz klare Kaufempfehlung. Gönnt euch eine der High Roller-Vinylausgaben und macht mit Jameson Raid eine kleine Zeitreise zurück in die ausgesprochen kreativen Anfangstage der NWOBHM. Echte Wohlfühlmusik für Liebhaber!

Jameson Raid, founded in 1975 in Birmingham, undoubtedly deserve much more attention. If you don’t know this band yet, you definitely should check out their latest output Raiderstronomy. It’s a compilation containing their first EP’s Seven Days of Splendour (1979) and End of Part One (1980). Besides, you get the track «Hard Line» that was originally released on the legendary compilation Metal for Muthas Volume II (1980). The songs have been mastered from the original tapes – that’s why this High Roller Records version might be interesting for fans who own these tracks already as well.

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