Review: Significant Point – Into the Storm

Release: 2021/02/26

Significant Point sind zweifellos eine besondere Band, die aus unterschiedlichen Gründen aus der Veröffentlichungsflut im klassischen Segment herausragt. Klar, inzwischen gibt es recht viele renommierte Acts aus Japan, aber alltäglich ist es weiterhin nicht, Weltklasse-Stahl aus der Heimat von Loudness, Sabbat und Metalucifer reviewen zu dürfen. Die Heavy-/Speed Metal-Truppe aus Tokio, um die es in diesem Text geht, musiziert in unterschiedlichen Line-ups bereits seit dem Jahr 2011, präsentiert uns mit Into the Storm jedoch nun erst ihren ersten Longplayer. Bis dato standen lediglich ein Demo (Attacker!, 2014), nota bene ein sechs Nummern umfassendes Live-Album (Live at Tokyo, 2017), auf dem man den Titeltrack des ersten Outputs offenbar gleich zwei Mal gespielt hat, sowie eine Single (wieder mal ein Attacker, 2018) auf der Habenseite. Aus welchen Gründen der kreative Prozess bei Significant Point so schleppend verläuft, ist mir leider nicht bekannt.

Auf Into the Storm treten die Japaner als Quintett in Erscheinung: Gou Takeuchi und Kazuki Kuwagaki bedienen die Sechssaiter, Kazuhiro Watanabe den Tieftöner und Itormentor (wenn das nicht vielversprechend klingt!) sitzt hinter dem Drumkit. Diese vier Musiker gehören zur festen Besetzung. Da wir es hier aber nicht mit einem Instrumental-Album zu tun haben, fehlt natürlich noch jemand: George Itoh, der auch für Military Shadow (Speed Metal/Punk) und Risingfall (Heavy Metal) aktiv ist, fungiert als Gastsänger. So viel zu den Personalia.

Ich bin mir bereits jetzt sicher, dass sich Significant Point mit ihrem Debütalbum in zahlreiche Best of 2021-Listen katapultieren werden. Into the Storm bietet nämlich für jeden Heavy und allen voran Speed Metal-Fan allerfeinste Kost. Herausragend ist die Gitarrenarbeit der oben genannten Sportsfreunde Gou und Kazuki – die pfeilschnellen, hochmelodischen Leads sind schlichtweg atemberaubend. Selbst wenn Into the Storm tatsächlich ohne Vocals aufgenommen worden wäre, hätte die Platte vor diesem Hintergrund ihre Daseinsberechtigung. Bereits im passend betitelten Opener „Attacker“, der in unterschiedlichen Versionen auf allen bisherigen Significant Point-Releases aufzutauchen scheint, brennt der Bonsai lichterloh (okay, dieses Klischee wäre schon mal abgehakt). Dass man den zweiten Song „Heavy Attack“ getauft hat, ist bestimmt kein Zufall, weil man bereits jetzt im positiven Sinne dank Dauer-Headbanging nassgeschwitzt ist. Funeral Doom ist das hier beileibe nicht… Wer vielleicht Probleme hat, sich für den nächsten Workout zu motivieren, sollte sich einfach von diesen Japanern zu Höchstleistungen antreiben lassen. „You’ve got the Power“, Track Nummer 3, gibt die Marschroute diesbezüglich auch lyrisch vor (auch wenn das Tempo hier erstmals ein bisschen gedrosselt wird).

Erfreulicherweise bewegt sich George am Mikro auf einem ähnlich hohen Niveau. Nun ist es so, dass mich Speed Metal-Barden mit ihren meist durchgängig arg schrillen Organen ziemlich schnell nerven – erst recht, wenn das Ganze eine etwas hysterische Note aufweist. Auf Into the Storm ist aus meiner subjektiven Perspektive alles im grünen Bereich, was vielleicht auch an dem Umstand liegt, keinen klassischen Speed-Output à la Agent Steel zu hören zu bekommen. George begeistert mit einer mitreißenden Darbietung, die das Trommelfell zu keiner Sekunde malträtiert und ihn in die 1. Metal-Liga befördert. Der Japaner erinnert mich im Übrigen stark an Riley, den begnadeten Frontmann der viel zu früh aufgelösten Schweden Steelwing. Wer es nicht glaubt, höre nur mal in deren fulminanten Zweitling Zone of Alienation (2012) rein.

Habe ich mich eigentlich schon vor Drummer Itormentor verbeugt? Ich glaube nicht – und dabei ist das mehr als angemessen. Der Herr, der auch in der Black/Thrash-Metal Combo Evil und Death Metal/Grindcore-Formation Lurking Fear aktiv ist, treibt seine Truppen gnadenlos voran und liefert ohne Frage wie seine Kollegen einen Top-Job ab. Das Schauspiel würde ich zu gerne einmal live erleben – ich hoffe in solch einem Fall, dass ein Sauerstoffzelt in Reichweite ist. Für die Zuschauer, versteht sich…

Da sich das Songmaterial mit der bereits gepriesenen exzellenten Gitarrenarbeit und haufenweise Hooks durchweg auf einem hohen Niveau bewegt, ist es schwierig, ein Highlight herauszugreifen. „Night of the Axe“ könnte ich exemplarisch nennen, weil die Asiaten das Fuß vom Gaspedal nehmen und einige Tempovariationen einbauen. Damit keine Missverständnisse auftreten: Torpedos wie das süchtigmachende „Deathrider“ machen richtig Laune, aber allzu gleichförmig darf die ganze Angelegenheit natürlich auch nicht werden, um wirklich nachhaltig begeistern zu können.

Loben möchte ich abschließend die Spieldauer: Knapp 44 Minuten sind genau richtig für eine kräftige Adrenalinzufuhr. Danach ist auch alles gesagt. Einen Überhit, der sofort herausragt, alles überstrahlt und mit Sicherheit reihenweise die Playlists nach dem Release Ende Februar erobern wird, hat der Longplayer aus meiner Sicht nicht zu bieten. Am ehesten fiele mir hier für die „Full Speed Or No Speed“-Fraktion das soeben erwähnte „Deathrider“ ein. Dennoch spreche ich ohne Frage eine klare Kaufempfehlung aus. Dying Victims haben einmal mehr ein gutes Näschen bewiesen! Ob Into the Storm am Ende des Jahres auch in meiner persönlichen Best of-Liste auftauchen wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt selbstverständlich noch nicht sagen. Aber ich drücke derzeit so häufig automatisch die Repeat-Taste, dass die Chance auf eine Nennung gewiss nicht klein ist.

Significant Point is a Japanese heavy/speed metal band that presents to us its debut album – ten years after forming. This outfit captivates genre fans with outstanding guitar work, energetic high speed drumming and amazing vocals – strongly reminding me of Steelwing’s Riley, by the way. Due to countless nice hooks it‘s nearly impossible to point out a clear highlight but you definitely should check out «Deathrider». Into the Storm is undoubtedly a high quality release which will enter a whole bunch of best of lists at the end of this year. Hopefully, Significant Point won’t need such a long time again for composing and recording a follow-up.

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