Manilla Road Special (17): Kevin Portz (Gravety)

Den nächsten Abschnitt unseres großen Manilla Road Specials eröffnet Kevin Portz (Gravety), den ihr vielleicht schon von anderen Beiträgen auf unserem Blog kennt. Ein gern gesehener „Stammgast“, der immer viel zu sagen hat und mit seiner eigenen Band aktuell an einem epischen Album arbeitet. Viel Spaß beim Lesen!

Würdest du Manilla Road als eine wichtige Inspirationsquelle für deine Musik einstufen?

Auf jeden Fall! Manilla Road haben das Genre mehr oder weniger erfunden, da ist es schwierig, nicht von ihnen beeinflusst zu sein. Auf unserem Debütalbum Into The Grave haben wir unseren Heavy Metal mit Ausbrüchen in melodischen Thrash und epischen Doom Metal gespielt. Das haben Manilla Road bereits auf Out of the Abyss getan. Quasi „Thrash‘n‘Doom“. Alleine die Lyrics, die Art, wie Mark Geschichten erzählt hat, sind unheimlich packend und inspirierend. 

Kannst du einen speziellen Moment benennen, den du mit Manilla Road erlebt hast?

Als Musiker definitiv, als Mark mir schrieb, dass er unser Debütalbum gerne gehört hat, weil er es wirklich mochte und die Fusion der Stile cool fand. Das vom Godfather des Epic Metal zu hören war wie ein Ritterschlag für mich! Aus Sicht als Fan: Wir unterhielten uns lange über seine lyrischen Einflüsse wie Poe, Lovecraft und Howard, alles war komplett unkompliziert und Mark war einer der nettesten Musiker, die ich je getroffen habe. Selbstkritisch, verständnisvoll und kumpelhaft. Die anderen Bandmitglieder, mit denen ich Kontakt hatte, also Neudi, Bryan, Rick, Phil, Randy und Josh, sind auch immer total locker drauf. 
Ebenfalls gut in Erinnerung und sehr berührend war ein langes Gespräch, dass ich mit Bryan auf einer Riot-Show in Mannheim kurz nach Marks Tod geführt habe. 

Mark war einer der nettesten Musiker, die ich je getroffen habe. Selbstkritisch, verständnisvoll und kumpelhaft.

Kevin über den Shark.

Was macht Manilla Road deiner Meinung nach besonders?

Sie sind ein Unikat. Ähnlich wie Motörhead, die unzählige Bands beeinflussen, es gibt aber keine, die so klingt. Ironsword kommen noch am nächsten ran, sind aber nie ein Abklatsch. Wie oben bereits erwähnt, liebe ich die Atmosphäre, die Manilla Roads Musik innewohnt. Sie entführt dich in eine andere Welt. Dort kann es mal ruppig und barbarisch zugehen, aber auch verträumt, geheimnisvoll oder oft sehr emotional. Kein Album hört sich gleich an, worauf Mark auch keine Lust hatte, wie er mir mal erzählt hat. Für mich ist Mark der wohl unterbewertetste Gitarrist im Heavy Metal. Sein Spiel erinnert mich oft an eine metallische Version von Hendrix. Das kann in einem Moment virtuos, dann wieder bretthart, oder einfach nur episch sein. Seine Stimme ist ebenfalls einzigartig. Speziell und herrlich kauzig. Ich mag auch alle Phasen mit allen Mitgliedern gern. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, Manilla Road in der jeweiligen Phase zu prägen.

Was sind deine drei liebsten Manilla Road-Alben?

  • Open The Gates
  • Crystal Logic
  • The Deluge, gefolgt von Mystification.

Was ist deiner Meinung nach das unterbewertetste Manilla Road-Album?

The Courts Of Chaos. Die Synthesizer sind einfach Wahnsinn! Allerdings ist The Circus Maximus ebenfalls sehr stark. Auch wenn es untypisch bzw. ja eigentlich ein Nebenprojekt von Shark gewesen ist. Ebenfalls wunderschön ist Obsidian Dreams – Marks Soloalbum. 

Was sind deine fünf liebsten Manilla Road-Songs?

Boa… das ist wirklich schwer. „Dreams Of Eschaton“ ist meine absolute Nummer eins, die restlichen ohne Reihenfolge: „Metalström“, „Road Of Kings“, „The Veils Of Negative Existence“, „Divine Victim“.

Was ist deiner Meinung nach der unterbewertetste Manilla Road-Song?

Das sind so einige… vielleicht „The Battle of Bonchester Bridge“ oder „Lux Aeterna“, aber auch „Falling“ ist der Hammer.

Welcher Manilla Road-Song berührt dich emotional am meisten?

Das ist stimmungsabhängig… nach Marks Tod eigentlich alle…vermutlich „Dreams Of Eschaton“. Den hatte ich mir bei unserem ersten Gespräch nämlich gewünscht, als er fragte, was ich gerne mal live hören möchte. Damals meinte er noch, dass der Song ja so lang und schwer zu singen sei. Beim nächsten Gig, als ich sie sah, spielten sie aber die komplette Crystal Logic mit Rick Fisher. Den Abend werde ich nie vergessen. Das war episch! Drei (!!!) fucking Stunden Manilla Road

Was ist dein liebstes Solo/dein liebster Lead von Mark Shelton?

„Dreams Of Eschaton“. Was Mark da in den knapp vier Minuten abzieht und auch live immer variierte… das ist schon ‘ne Hausnummer. Technik und – noch wichtiger – Gefühl verschmelzen da zu einer wunderbaren Einheit. 

Im Prinzip ist Epic Metal  für mich am ehesten: erhaben, von Pathos erfüllt, kraftstrotzend, ehrlich und gefühlvoll. Kurzum, die Musik muss mich packen.

Kevin über Epic Metal.

Wie würdest du den Begriff Epic Metal definieren?

Das ist eine schwierige Frage…wenn mich Epic Metal packt, dann will ich unweigerlich die Faust in die Luft strecken. Es entführt mich aus dem Alltag und versetzt mich in eine erhabene, wohlige Stimmung. Dabei können Fantasiegestalten eine Rolle spielen, oder auch einfach nur die rohe Gewalt der Natur thematisiert werden. Als wichtigste Bandbeispiele würde ich Manilla Road und Manowar nennen. Dann Solstice, Cirith Ungol, Bathory und While Heaven Wept, gefolgt von unzähligen anderen. Dann gibt es natürlich Trademarks wie einen treibenden Rhythmus, Triolen und stehende Akkorde… aber im Prinzip ist Epic Metal  für mich am ehesten: erhaben, von Pathos erfüllt, kraftstrotzend, ehrlich und gefühlvoll. Kurzum, die Musik muss mich packen.

Gibt es junge, von Manilla Road inspirierte Bands, die du magst?

Welche denn nicht? Haha… Es gibt so viele… Visigoth, Possessed Steel, Gatekeeper und Smoulder fallen mir da spontan ein.  

Was denkst du generell über das Erbe Manilla Roads und die gegenwärtige Epic Metal-Szene?

Ich denke, Manilla Road haben zwar schon deutlich mehr Fans und Zuspruch als früher, hauptsächlich im Underground. Das Erbe, was sie uns hinterlassen haben, ist riesig und wir können uns alle daran erfreuen. Im Mainstream-Metal sind sie immer noch zu unbekannt. Ob sich das ändern wird, weiß ich nicht. Verdient hätten sie es. Andererseits gibt es die Band ja eh nicht mehr und bei den Leuten, die den Epic Metal lieben, sind Manilla Road tief im Herzen verankert. Die Epic Metal-Szene ist lebendiger denn je und Manilla Roads Einfluss kommt immer mehr zum Vorschein, weil sich viele Bands auf sie berufen. Auch wir hatten das Bedürfnis, einen Song für Mark zu schreiben. Dieser wird sich auf unserem kommenden Output befinden. Vielleicht erratet ihr ja, welcher es ist (lacht). In diesem Sinne: Heavy Metal to the world!

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