Review: Coronary – Sinbad

Release: 2021/02/19

Wenn ich eine Promo von Cruz del Sur in die Finger bekomme, bin ich immer ganz besonders neugierig. Das italienische Label steht ohne Frage für Qualität, man denke nur an großartige Epic-Bands wie Fer de Lance, Gatekeeper oder Lunar Shadow. Insofern habe ich bei den Finnen Coronary ohne langes Zögern zugeschlagen, auch wenn mir bewusst war, hier keinen Epic Metal geboten zu bekommen.

Aber was gibt es stattdessen zu hören? Gar nicht leicht zu sagen: Das im Jahr 2017 gegründete Quintett aus Tampere, bei dem im Übrigen Korpiklaanis Jarkko Altonen den Tieftöner bedient, spielt auf seinem Longplayer-Debüt Sinbad eine Mischung aus recht straightem, härteren Rock und klassischem Metal. Allerdings bieten uns Coronary vereinzelt auch Ausflüge in andere Gefilde an – und die gefallen mir (unglücklicherweise!) am besten.

Auf der musikalischen Ebene ist alles grundsolide: Sänger Olli Kärki hat ein raues Organ, das hervorragend zum Songmaterial passt – das Prädikat „überragend“ ist hier jedoch nicht angebracht. Die Gitarrenarbeit ist gut, allerdings über weite Strecken auch recht unspektakulär. Das gilt allen voran für das meist rockig-schnörkellos-lässige Riffing, welches zwar fast jeden Kopf nach kurzer Zeit zum Mitnicken animieren dürfte, aber gleichzeitig nicht sonderlich einprägsam ist. Auch die Leads hauen mich offen gestanden nicht vom Hocker – lediglich auf „Bullet Train“ passt für mich auf dieser Ebene alles.

Leider gibt es auf Sinbad einige Tracks zu hören, die nicht zuletzt aus den oben geschilderten Gründen ein bisschen an mir vorbeirauschen – zu nennen ist hier exemplarisch der Rausschmeißer „Wonders of The World“. Dass Coronary es besser können, beweisen sie in der Mitte des Albums, wo sie ihre stärksten Nummern untergebracht haben. Der „Hit“ auf ihrem Debüt ist in meinen Ohren mit großem Abstand zum Rest „Reflector“: Hier verbreiten die Nordeuropäer, insbesondere in puncto Gesangslinien, formidable AOR-Vibes, die eine willkommene Abwechslung darstellen. Das Riffing ist ebenso überzeugend wie der Chorus, der definitiv im Kopf bleibt und nach Airplay schreit. Höre ich in letzter Zeit etwa zu oft Journey? Zu den Highlights gehören zudem die beiden Songs, die „Reflector“ würdig einrahmen: Das ziemlich melodische „I can feel this Love“ muss sich dabei, in meiner Welt, dem Accept-lastigen „Burnout“ mit seinen dezenten Gangshouts à la Solingen knapp geschlagen geben. Zugegeben, keine der drei genannten Nummern besticht durch Ideen, die nicht schon woanders hundertfach umgesetzt worden sind. Coronary gelingt es in diesen Fällen jedoch, altbekannte Bestandteile gekonnt zusammenzufügen und den Hörer zu fesseln. Schade, dass sie das Niveau nicht auf der kompletten Platte konstant erreichen.

Alles in allem dürften es Coronary nicht leicht haben, aus der Masse an ähnlichen Releases herauszustechen. Ja, ich schreibe das in der Tat häufiger in diesem Segment – aber es ist jedes Mal zutreffend. Die „Reflector“-Coronary würde ich jedem Fan härterer, melodischer Töne wärmstens ans Herz legen. Die straighter rockenden Coronary sind eine perfekte Band am Anfang eines Festivaltages, wenn man voller Vorfreude am ersten Kaltgetränk nippt. Ich bin mir sicher, dass die Truppe bei sieben von zehn Fans ordentlich ankommen würde. Ich wage aber zu behaupten, dass man nach dem zweiten oder dritten Act nicht mehr so ganz genau wüsste, was die fünf Finnen zwei Stunden vorher so gezockt haben. Es sei denn, die Truppe löst live die Handbremsen, die auf Konserve – meines Erachtens – schon ein bisschen angezogen sind.

Nein, eine Kaufempfehlung gebe ich am Ende dieses Textes nicht ab: Gönnt Sinbad mal auf digitalem Wege ein paar Durchläufe und entscheidet, ob die Platte wirklich gut genug ist, um sich in den nächsten Monaten auf eurem Plattenteller behaupten zu können. Ich bin skeptisch, gönne den Jungs aus Tampere aber jeden Fan, bei dem ihr gewiss nicht schwaches Debüt zündet.

Coronary is a quintet from Tampere, Finland, that plays a mix of (hard) rock and traditional metal. In my opinion, it will be quite difficult for this outfit to distinguish itself. The debut longplayer of this Cruz del Sur act contains some convincing songs like «Reflector» – which, unexpectedly, spreads some nice AOR vibes – and «Burnout» – reminding me of Accept – but there are also some rather unspectacular tunes. Concluding, Sinbad is probably no contender for a best of 2021 list. Nevertheless, I suppose Coronary could be a big surprise live on stage – despite my rather critical remarks, I would check them out, for sure!

Ein Kommentar zu „Review: Coronary – Sinbad

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