Review: Blitzkrieg – A Time of Changes

Release: 2021/02/26

Bei Blitzkrieg handelt es sich um eine Band, die man keinem Anhänger der NWOBHM vorstellen muss. Auch wenn es nie für den großen kommerziellen Erfolg gereicht hat, konnten sich die Herren um Brian Ross eine treue und hingebungsvolle Fanschar erspielen, die sich bis zum heutigen Tag über jeden Release der Briten freut. In diesem Fall macht High Roller Records die Feinschmecker mit einer edlen Neuauflage des zeitlosen Genre-Klassikers A Time of Changes glücklich.

Das Album, das zweifellos in jede NWOBHM-Sammlung gehört, erschien im Jahr 1985 bei Neat Records – fünf Jahre nach dem ersten Demo. Dieser bemerkenswerte Umstand ist in erster Linie mit dem oben bereits erwähnten Brian Ross zu erklären, der Blitzkrieg 1981 verließ und von 1983 und 1984 bei Satan anheuerte, um dort deren legendäres Debüt Court in the Act einzusingen. Es sei erwähnt, dass diese Platte, auf dem auch der spätere Blitzkrieg-Drummer Sean Taylor zu hören ist, in qualitativer Hinsicht auf Augenhöhe mit A Time of Changes agiert – auch stilistisch gibt es einige Schnittmengen. Das führt sogar so weit, dass sich auf dem letztgenannten Output eine Coverversion der Nummer „Pull the Trigger“ befindet, die ursprünglich auf dem Satan-Demo Into the Fire (1982) erschienen ist.

Warum A Time of Changes von zahlreichen Kritikern als Meisterwerk eingestuft wird, ist schon nach dem passend betitelten „Inferno“ klar: Blitzkrieg haben mit Brian Ross einen Sänger, der über eine einzigartige, ausdrucksstarke Stimme verfügt, die man aus Tausenden heraushören kann. Im September 2019 durfte ich mich im Rahmen des Satan-Gigs auf dem Deaf Forever Birthday Bash in der Hamburger Markthalle zuletzt persönlich von der Tatsache überzeugen, dass der gute Mann auch mit (damals) Mitte 60 nichts von seiner Magie eingebüßt hat. Aber es wäre natürlich vollkommen falsch, Blitzkrieg auf Ross zu reduzieren: Auf ihrem Debüt brilliert allen voran das Gitarren-Duo Mick Procter/Jim Sirotto mit einprägsamen, energiegeladenen Riffs und herrlichen, typisch britischen, hochmelodischen (Twin-)Leads, die ein Genuss für jeden NWOBHM-Anhänger sind. Dazu gesellt sich das gut hörbare Bass-Spiel Mick Moores, das mit dem herrlich organisch tönenden Drumming Matt Grahams eine perfekte Basis für Ross und die beiden Sechssaiter bildet. Obendrein stimmt das Songmaterial einfach: Die Nummern haben Punch, sind dabei aber gleichzeitig recht filigran und im Ganzen gesehen sehr abwechslungsreich.

Was haben High Roller Records nun, anno 2021, denjenigen zu bieten, die – beneidenswerterweise – bereits das Original oder eine der zahlreichen andere Versionen dieses Albums besitzen? Das Blitzkrieg-Debüt wurde von Patrick W. Engel im Sommer 2020 gemastert und laut Promo-Zettel „zum Teil restauriert“. Man darf also behaupten, dass der vorliegende Klassiker niemals besser geklungen hat. Einen weiteren (kleinen) Kaufanreiz stellt der Song „Take a look around“ dar, den es auf dem Original nicht zu hören gab, eingefleischten Fans jedoch vom Demo Blitzed Alive (1981), der zweiten Full-Length Unholy Trinity (1995) oder zum Beispiel der A Time of Changes – 30th Anniversary Edition, ebenfalls High Roller Records, bekannt sein dürfte. Darüber hinaus gibt es auf einer 10″ drei (weitere) Bonustracks, die mir als Rezensenten allerdings nicht vorliegen. Zwei davon – „Blitzkrieg“ und „Inferno“ – sind, in mutmaßlich anderen Versionen, jedoch ohnehin auf der 12″enthalten. Vinyl-Freunde haben mal wieder die Qual der Wahl: Es gibt unterschiedliche Farben bzw. Farbkombinationen, von denen eine besser ausschaut als die andere. Ob man das braucht, muss jeder für sich selbst entscheiden – ich freue mich in erster Linie für Blitzkrieg, dass ihr erster Longplayer (noch immer) angemessen gewürdigt wird und nun für jeden Liebhaber in wunderbarer Aufmachung erhältlich ist. Klare Kaufempfehlung für NWOBHM-Jünger und alle, die es werden wollen.

German label High Roller Records presents to us another version of Blitzkrieg’s legendary debut A Time of Changes which is probably a must-have for audiophiles due to Patrick W. Engel’s great mastering. If you don’t own a copy of this often overlooked NWOBHM gem yet, you should definitely open your wallet right now. A timeless masterpiece, with Satan’s Brian Ross on vocals and typically British twin guitar magic!

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