Review: The Lone Madman – Let the Night come

Release: 2021/02/28 (Vinyl, Journey’s End)

The Lone Madman dürften selbst vielen Doom-Freaks bis dato kein Begriff sein. Das sollte sich jedoch in naher Zukunft ändern, denn das im Jahr 2014 gegründete Quartett aus Helsinki hebt sich von zahlreichen Genre-Kollegen gekonnt ab und bietet sich als künftiger Gast auf dem renommierten Hammer of Doom Festival in Würbzurg an. Und das nicht „nur“ als Opener.

Ihr Debüt Let the Night come erschien bereits im Oktober 2019, ist aber erst jetzt dank des deutschen Labels Journey’s End in einer streng limitierten Vinyl-Version (schwarz und grün) erhältlich. Hier kommt das atemberaubend schöne, mystisch-makabre Artwork des viel zu früh verstorbenen Künstlers Timo Ketolo perfekt zur Geltung. Die Musik hat diese würdige Aufmachung selbstverständlich ebenfalls verdient: The Lone Madman sind in stilistischer Hinsicht den altbekannten Genre-Größen verpflichtet. Allerdings ist ihre erste Full Length erstaunlich abwechslungsreich.

Klar, im Mittelpunkt stehen die genretypischen, schweren Riffs, die sich bereits Tony Iommi aus dem Ärmel geschüttelt hat und die Reverend Bizarre im 21. Jahrhundert perfektioniert haben. The Lone Madman gehen dabei jedoch nicht allzu repetitiv zu Werke: Die vier Songs zeichnen sich durch allerlei Tempovariationen und optimal platzierte Gitarren-Leads aus, die mich oft an Khemmis erinnern und so breit grinsen lassen wie Kimi Kärki während einer Lord Vicar-Show – großes Kino! Selbiges gilt zum Glück auch für die Vocals, die den höchsten Ansprüchen genügen: Turkka Inkilä, der auch einen der Sechssaiter bedient, klingt nicht wie die 674. Ozzy-Kopie – stattdessen verfügt sein variables, ausdrucksstarkes Organ über einen hohen Wiedererkennungswert. Egal ob wehklagend, erhaben oder kämpferisch, auf der vorliegenden Scheibe gibt es die gesamte Palette, im Schlusstrack sogar einen gelungenen Ausflug ins Sakrale (mit Unterstützung, versteht sich). Lobenswert ist obendrein der Sound: Alle Instrumente kommen exzellent zur Geltung – und ich reviewe hier nur eine MP3, wie mag das alles erst auf dem schwarzen (oder grünen) Gold klingen?

Wenn ich einen Anspieltipp nennen müsste, wäre ich beim recht kompakten Song Nummer 3, Häxan, der als einziger im einstelligen Minuten-Bereich verharrt. Hier zeigen The Lone Madman auf allen Ebenen, was in ihnen steckt. In einem qua Grundgerüst klassisch strukturierten Doom-Song Flötenklänge à la Psychotic Waltz mit Death/Doom-Geschrei zu verbinden, ist nun wahrlich nicht alltäglich. Nichtsdestotrotz haben wir es hier mit einem Album zu tun, das nur als Einheit funktioniert. Die vier FinnInnen haben so viel zu sagen, das passt einfach nicht in einen Track, egal, wie lang er ist.

Kurzum: The Lone Madman sind eine Bereicherung für die Doom-Szene und sollten sowohl alte Hasen als auch Anhänger vorwiegend jüngerer Combos ansprechen. Aufgrund des oben genannten Variantenreichtums dürften auch viele Metal-Fans, die eher selten Doom-Platten auflegen, Let the Night come zu schätzen wissen. Vor diesem Hintergrund gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung – und gratis dazu den Tipp, das Label Journey’s End ab sofort gut im Auge zu behalten.

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