Review: Witchseeker – Scene of the Wild

Release: 2021/03/26

Bei einer Band wie Witchseeker gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder lässt man sich auf das exzessive 80er-Worshipping, das wir bereits von zahllosen anderen Truppen im traditionellen Metal-Bereich kennen, ein, oder man ergreift rasch die Flucht. Selbstverständlich vertrete ich die Ansicht, dass das im Jahr 2012 gegründete Quartett aus Singapur eure Aufmerksamkeit verdient.

Scene of the Wild ist der zweite Longplayer, allerdings Scheibe Nummer 1 im unten abgebildeten Line-up. Der Vorgänger, When the Clock strikes (2017), wurde einzig von Sheikh Spitfire (Gesang, Bass, Schlagzeug) und Brandon Brandy bzw. heute Speedranger (Gitarren) eingespielt. Auf dem aktuellen Output haben die beiden Musiker Verstärkung von Nick Stormbringer (Gitarren) sowie Aip Sinner (Schlagzeug) erhalten.

Wer sich die Titelliste durchliest, weiß sofort, was ihn im Laufe der folgenden knapp 38 Minuten erwartet: „Scene of the Wild“, „Rock this Night away“, „Be Quick or be Dead“, „Break away“ etc., Heavy Metal is still alive! Witchseeker lieben Klischees, ohne Frage, aber zum Glück vertonen sie ihre 80er-Visionen auch recht gekonnt. Die vier Asiaten haben fraglos Pfeffer im Allerwertesten und gehen ordentlich voran. Dabei erinnern sie stilistisch häufig an die frühen Enforcer mit ihrem Mix aus Heavy und Speed Metal. Wie die Schweden auf zum Beispiel Into the Night (2008) variieren Witchseeker das Tempo kaum, das Gaspedal ist meist kräftig durchgedrückt. Das ist mir offen gestanden nach drei, vier Songs ein bisschen zu eindimensional – ich brauche hier doch mehr Abwechslung. Aber gut, zum Glück sind Geschmäcker verschieden…

Auch im Bereich der Vocals gibt es Ähnlichkeiten mit Enforcer: Sheikh erinnert mich stark an Olof Wikstrand, ohne dessen Höhen zu erreichen. Alles in allem eine gute, jedoch keine überragende Leistung des Bandgründers. Letzteres trifft meines Erachtens ebenfalls auf die Gitarrenarbeit von Brandon und Nick zu. Klar, die Soli und Leads machen durchaus Laune, aber es bleibt letztendlich nicht allzu viel hängen. Ein grandioses Riff, das man noch Tage später vor sich her summt, höre ich auf Scene of the Wild leider nicht.

In puncto Songwriting gibt es auf der Platte, ihr ahnt es bereits, nichts, das wir nicht schon mehrfach woanders gehört hätten. Der Fistraising-Faktor von feinen Nummern wie „Rock this Night away“ ist hoch, der Wiedererkennungswert hingegen eher gering. Nichtsdestotrotz hatte ich bei der Arbeit mit der vorliegenden Promo definitiv meinen Spaß: Einmal am Tag sehne ich mich nämlich einfach nach einer Retro-Vollbedienung von Typen, die leidenschaftlich bei der Sache sind und den Spirit der damaligen Zeit komplett verinnerlicht haben. Schweißtreibende, simple Tracks wie „Be Quick or be Dead“ sollten wohl jedem, der auf traditionellen Metal steht, ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubern. Über die Frage, wie lange dieser Effekt wegen der gänzlich fehlenden Überraschungsmomente anhält, kann man streiten.

Eine Kaufempfehlung gibt es von mir nur für diejenigen, die Retro-Klängen gegenüber bis zum heutigen Tage nahezu ohne Einschränkung aufgeschlossen sind. Ich fürchte, dass die Platte bei mir relativ rasch im Schrank Staub ansetzen würde, weil es in diesem Segment alljährlich so viele großartige Veröffentlichungen gibt. Witchseeker mischen mit Scene of the Wild bei diesem Kampf um die Gunst der „klassischen“ Hörerschaft kräftig mit, müssen sich aber bereits jetzt einer Band wie Significant Point, im Übrigen ebenfalls bei Dying Victims unter Vertrag, klar geschlagen geben.

Witchseeker from Singapore, founded in 2012, is another traditional metal band who passionately celebrates the golden era of this genre. Both their performance and song material are undoubtedly quite good, but not mind-blowing. Nevertheless, Scene of the Wild is an entertaining fun record that deserves the attention of retro fans who can’t get enough of outfits like early Enforcer.

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