Review: MP – Bursting Out (The Beast Became Human) (Reissue)

Release: 2021/03/26

Über das neue Sublabel Relics from the Crypt bringen Dying Victims die ersten beiden MP-Scheiben neu heraus. In diesem Text geht es jedoch nur um das Debüt Bursting Out (The Beast Became Human), das ursprünglich im Jahr 1986 bei Steps Records erschienen ist. Da ich mir denke, dass einige Leser diese Formation nicht kennen, zunächst ein paar Eckdaten: MP stammen aus Witten, nahe Dortmund, und gründeten sich interessanterweise auch erst im oben genannten Jahr 1986, dem ersten Longplayer gingen weder ein Demo noch eine EP vorab. Bis zum heutigen Tag hat die Heavy/Speed Metal-Truppe vier Alben herausgebracht, das letzte mit dem Titel Melting Point, der damals gleichzeitig als neuer Bandname fungierte, 1992. Hinzu gesellen sich zwei Live-Alben, eine Compilation und ein CD-Boxed Set (2015, GS Productions, enthält alle Studioalben). Dank Dying Victims liegen die ersten beiden Scheiben nun erstmals wieder auf Vinyl vor, sodass Nostalgiker aufhorchen dürften.

Aber was haben uns MP musikalisch zu bieten? Nun, wie es das unten stehende Band-Pic bereits suggeriert, hat das Trio vor allem eine Menge Spaß im Gepäck. Der Opener und (Quasi-)Titeltrack Bursting Out verdient das Etikett „kultig“, wenn man es gut mit MP meint: Spätestens nach der gefühlt 87. Wiederholung des namensgebenden Schlachtrufes dürften manche Hörer entnervt abschalten. Thinking Man’s Metal ist das gewiss nicht, die enorm geradlinige Musik schreit nach einem Sixpack Billigbier und einer Wagenladung Discounter-Chips, die mit dem besten Kumpel vernichtet werden wollen. Die augenzwinkernde Bandhymne „MP (Metal Priests)“ steht textlich und kompositorisch exemplarisch für alle anderen Fistraising- und Headbanging-Knaller auf Bursting Out (The Beast Became Human).

See the blade is burning
Now it can brush
We are the metal priests
We are the first
See the blade is burning
It kill the rats
We are the metal priests
And we cleave your heads

„MP (Metal Priests)“

Nein, MP nehmen sich und ihre Tracks nicht zu ernst. Wenn ich der Platte, die mir vor diesem Review gänzlich unbekannt war, lausche, bekomme ich tatsächlich prompt gute Laune. Das liegt mit Sicherheit auch an dem Umstand, dass ich durchaus auf klischeebeladenen Metal stehe, der auf den Punkt kommt und mit Nummern wie „Paromania“ einen hohen Mitgrölfaktor aufweist. Wenn MP eine der zahllosen NWOTHM-Kapellen wären, würden vermutlich einige jüngere KIT-Gänger mit 80er-Pornobalken im Gesicht dezent ausflippen.

Fazit: MP haben niemals den großen Durchbruch geschafft. Nicht zuletzt im eigenen Land war die Konkurrenz Mitte der 80er zu groß, als Platten wie Branded and Exiled, Metal Heart und Walls of Jericho (alle 1985) das Licht der Bonner Republik erblickten. Qualitativ konnten MP mit den genannten Werken – bei aller Sympathie – einfach nicht mithalten, sodass man weitgehend ein Schattendasein fristete und heute als Geheimtipp fungiert, der folgerichtig via Relics from the Crypt veröffentlicht wird. Eine Kaufempfehlung bekommen von mir daher in erster Linie diejenigen, die sich für die Geschichte des traditionellen Stahls made in Germany interessieren und dabei auch Material aus der zweiten Reihe berücksichtigen möchten.

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2 Kommentare zu „Review: MP – Bursting Out (The Beast Became Human) (Reissue)

  1. Lieber Blaze, ich danke Dir für diese Zeilen. Ich finde es generell auch unnötig, dass man 30 Jahre nach der ersten Veröffentlichung diese Platte in die Tonne tritt! Damals wussten wir es nicht besser! Heute würde ich sowas nicht mehr machen logisch! Deshalb waren Deine Zeilen einfach angemessen! Wir hatten damals sehr viele Fans und es war eine tolle Zeit! In Witten war unser Produzentenduo Zuhause. Die Band selbst ist in Süddeutschland bei Freiburg Daheim. Das wird komischerweise immer falsch angegeben. Aber egal ! Danke für Deine Arbeit, Thomas (Zeller) – Sänger und Bassist von MP 🙂

    1. Lieber Thomas, danke für deinen Kommentar – und den Hinweis bezüglich eurer Heimat. Daran sieht man, dass man sich auch auf das Metallum nicht immer verlassen kann. „Bursting Out“ macht auch heute noch Spaß, ich habe mir das Album gerne angehört – ich bin mir sicher, dass hier jeder, der keinen Stock im Allerwertesten hat, auf seine Kosten kommt. Und darauf kommt es doch auch an, im traditionellen Metal. Gruß, André

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