Review: George Tsalikis – Return to Power

Release: 2021/03/26

George Tsalikis dürfte den meisten Lesern vermutlich als Sänger der Heavy/Power Metal-Band Zandelle ein Begriff sein, die er im Jahr 1996 nach seinem Ausscheiden bei Gothic Knights ins Leben rief. Mit Return to Power präsentiert uns der Musiker aus New York nun sein zweites Soloalbum, fünf Jahre nach seinem Debüt The Sacrifice.

In stilistischer Hinsicht bekommen wir eine Mischung aus eher europäischem, aber recht kernigem Power Metal und klassischem Metal geboten. Nun, davon gibt es bereits reichlich, warum sollte man sich das selbstbewusst betitelte Return to Power überhaupt zu Gemüte führen? Tja, Tsalikis verspricht auf seinem Pure Steel Records-Einstand nicht zu viel, denn sein neuer Longplayer ist mit Sicherheit keine belanglose Stangenware, hinter der man nach zwei, drei Durchgängen gähnend ein Häkchen macht. Das liegt in erster Linie an seinen äußerst markanten Vocals, die gerade in den (vereinzelt eingestreuten) King Diamond-ähnlichen Höhen gewiss nicht jedermanns Sache sind. Allerdings ist Tsalikis, objektiv betrachtet, ein ausgesprochen variabler Sänger, der sich offenkundig in allerlei Tonlagen zu Hause fühlt. Der Wiedererkennungswert ist enorm hoch, sodass sich Return to Power schon allein deshalb von zahlreichen Mitbewerbern auf dem übervollen Markt abhebt.

In puncto Songwriting bewegen wir uns ebenfalls auf einem beachtlichen Niveau. Ich muss zugeben, dass ich den Opener „Live to Ride“ auch nach mehrmaligem Hören als etwas chaotisch und sogar anstrengend empfinde. Danach habe ich jedoch nicht wirklich viel zu klagen. Tsalikis, der abgesehen von den Drums alle (!) Instrumente selbst spielt, serviert uns einige Nummern, die auf den letzten HammerFall– und Helloween-Alben zu den Highlights gezählt hätten – man höre exemplarisch das ebenfalls passend betitelte „Together we Rise“, das mit einem unverschämt eingängigen Chorus aufwartet. Ein Highlight ist zweifellos „In Memory“, in dem nach einem netten Piano-Intro ganz viel Herzblut vergossen wird – hier denke ich mitunter sogar an spätere Savatage, die in der letztgenannten Kategorie stets Großmeister waren. Wer an dieser Stelle Angst vor einem Zuckerschock hat, darf sich gleich wieder entspannen: Ja, Return to Power ist durchaus massenkompatibel, aber – wie schon bei Sacred Outcry oder Warrior Path – wird es zu keinem Zeitpunkt klebrig-kitschig. Das Riffing ist kraftvoll, wenn auch an manchen Stellen recht generisch – ein Umstand, der mich nicht allzu sehr stört, aber natürlich Höchstwertungen verhindert. Um das Etikett „Jahreshighlight“ zu erhalten, müsste auch auf dieser Ebene mehr geboten werden. Soli wie auf „Stand my Ground“ dürften ebenfalls keinen Progger vom Hocker hauen, sind aber solide Genre-Kost. Traditionalisten werden mutmaßlich den Sound kritisch ins Visier nehmen, da Return to Power schon recht modern aus den Boxen ballert. Ja, auch ich bevorzuge eher organische Produktionen, aber im Genre-Mix, den Tsalikis anbietet, kann ich damit durchaus leben. Kopfschmerzen habe ich auch noch keine bekommen…

Fazit: George TsalikisReturn to Power ist ein gutes Power/Heavy Metal-Album, das mit den bereits oben erwähnten Griechen Sacred Outcry und Warrior Path alles in allem nicht mithalten kann. Epische Elemente bzw. erhabene Momente wie auf „Dehumanized“, das ich der Epic Metal Blog-Kernklientel ans Herz legen möchte, sind leider zu rar gesät. Nichtsdestotrotz unterhält der US-Amerikaner seine Fans fast eine Stunde lang mit einer hochprofessionellen Platte, die eine Kaufempfehlung für alle bekommt, die sich vom Opener nicht irritieren lassen und generell auf Tsalikis‘ Vocals stehen.

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