Review: Velvet Viper – Cosmic Healer

Release: 2021/04/23

Velvet Viper, eines der wohl bestgehütetsten Geheimnisse der deutschen Metalszene (bis vor ein paar Jahren jedenfalls), haut das dritte neue Album binnen dreier Jahre raus, allerdings erst das fünfte seit 1991! Natürlich ist Sängerin und Bandkopf Jutta schon viel länger aktiv, und ihre alte Band Zed Yago dürfte noch mehr Leuten ein Begriff sein als Velvet Viper. Deutscher Heavy Metal der allerersten Güteklasse mit ebenso epischen Texten wie Refrains und stampfenden Gitarren.

Es ist fantastisch, was für ein Tempo Velvet Viper dieser Tage vorlegen, und vor allem welch unglaublich hohe Standards sie hierbei setzen! Die beiden Vorgängeralben (erschienen 2018 und 2019) waren bereits umwerfend. Nicht nur konnte Jutta nahtlos an die fast 30 Jahre zuvor erschienenen Alben anknüpfen, sondern man konnte durch einen druckvollen, zeitgemäßen Sound auch noch mächtige Schritte vorwärts tätigen.

Mit nunmehr 73 (!) Jahren ist Jutta eine der Dienstältesten und erfahrensten Bandleader der gesamten Rocklandschaft. Bevor Corona ihnen einen Strich durch die Rechnung machte, tourten Velvet Viper auch noch immer emsig durch das Land und die Festivalbühnen Deutschlands. Kommen wir nun aber zur neuen Scheibe, denn hier schafft es Jutta, und die gesamte Band, eben diese unbändige Energie und Spielfreude auch genau so aufzunehmen, wie man es von der Bühne kennt!

Cosmic Healer ist ein phänomenales Album geworden, das vom Sound her in eine ähnliche Kerbe schlägt wie die Vorgänger, erneut die typischen lyrischen Themen aufgreift, aber dennoch erfrischend neu und anders klingt. Im Großen und Ganzen ist das Album wesentlich „härter“ ausgefallen, als vielleicht von vielen erwartet. Es wird gerne mal das Tempo angezogen („Voice of an Anarchist“) oder dicke Riffs ausgepackt, die auch Accept oder Dio sehr gut zu Gesicht stünden („Osiris“), und alles wird garniert mit Juttas fantastischer Stimme, die so ziemlich die ganze Konkurrenz in Grund und Boden singt. 

Der ganz große Pluspunkt dieser Platte, der sie ebenfalls von der Konkurrenz abheben dürfte, sind ihre Refrains. Für mich ohnehin eines der wichtigsten Dinge im (Epic) Metal, ein guter Refrain muss den Hörer packen, sich in die Gehörgänge fräsen und nie wieder rauskommen. Platt oder simpel sollte es natürlich auch nicht sein, aber Velvet Viper treffen hier exakt den Nerv, den jeder Liebhaber von Bands wie Iron Maiden, Manowar oder, den ebenfalls aus Hamburg stammenden, Gamma Ray kennt und schätzt. Songs wie „Osiris“ (brillant orientalisch angehauchtes Riffing à la Rainbow und ein Überrefrain), der Titelsong oder auch DIE Hymne an den Heavy Metal, „Let Metal Be Your Master“ sollten jedem Headbanger sofort in die Glieder gehen und beim nächsten (wann auch immer das sein wird) Sommer Open-Air die Fäuste und Haare durch die Luft fliegen lassen. 

Nicht jeder Song zündet sofort oder ist genauso stark wie die genannten, doch gibt es keine totalen Ausfälle zu vermelden, bei jedem Durchlauf gibt es einen neuen Favoriten. Ein sehr kurzweiliges und konstantes Album, das sowohl jugendlichen Charme versprüht, als auch die ganze songschreiberische Erfahrung von 50 Jahren auf der Bühne in tolle, ehrliche Heavy Metal Songs gießt. 


Abgerundet wird das Album (wohl als Vorgeschmack auf ein anstehendes Akustik-Projekt, das Jutta im Interview mit uns vor einigen Wochen angedeutet hat) von einer Akustikversion des Songs „Götterdämmerung“ vom 2019er Album The Pale Man Is Holding A Broken Heart

Schnappt euch die Scheibe – eine der besten, und sträflich unterbewertetsten, deutschen Heavy Metal Bands braucht eure Unterstützung, und ihr braucht DIESES Album, schon jetzt ein Jahreshighlight 2021!

Ride with the wind

Follow the storm

Fly to the rainbow

Where you were born

Let metal be your master on your way

(aus Let Metal Be Your Master)

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