Review: Stygian Fair – Equilibrium

Release: 23.04.2021

Wer auf seiner Facebook-Seite mit dem Label „Epic Heavy Metal“ wirbt, landet unweigerlich irgendwann auf diesem Blog. Auch wenn ich mir sicher bin, dass nicht zuletzt mein stets kritischer Co-Chefredakteur Aidan diese stilistische Einordnung mit dem einen oder anderen Fragezeichen versehen dürfte, passen die Schweden Stygian Fair zweifellos in das Beuteschema zahlreicher Epic Metal Blog-Leser. Man sollte bloß keinen kernigen Epic Heavy Metal à la Visigoth erwarten. Gut, eigentlich sollte man gar keinen Epic Metal im klassischen Sinne erwarten…

Bei Stygian Fair handelt es sich um ein Quartett aus Umeå, das in unterschiedlichen Besetzungen seit 2013 „unsigned“ musiziert. Die in digitaler Form vorliegende Platte Equilibrium ist nach Panta Rei (2018) und Nadir (2019) Full-Length Nummer 3. In stilistischer Hinsicht bringt es das Metallum weitgehend auf den Punkt: Dort ist nämlich von Heavy Metal/Hardrock die Rede. Der Zusatz „Epic“ fehlt. Insbesondere die luftigen Hardrock-Vibes kennzeichnen das im Mid-Tempo durchlaufende Equilibrium, welches in meinen Ohren ein hervorragendes Frühlings- bzw. Sommeralbum ist. Wenn ich ein Cabrio hätte, würden Stygian Fair bei meinen imaginären Ausflügen auf die Landstraße wohl einen Stammplatz in meinem Player erringen. Die neun Tracks strahlen eine Wärme aus, die gerade in dieser Zeit enorm guttut…

Glanzlicht sind zweifellos die starken, ziemlich massentauglichen Vocals von Pontus Åkerlund, die über einen recht hohen Wiedererkennungswert verfügen. Seine Gesangslinien gehen meist prima ins Ohr – und man fragt sich, warum man nicht schon viel eher etwas von diesem begnadeten Musiker vernommen hat. Die Rhythmus-Fraktion legt nicht nur ein solides Fundament für die kompakten Songs, sondern setzt in den zirka 38 Minuten auch einige Ausrufezeichen: Man denke zum Beispiel an das wirklich lässige Drumming in „Gorgons Eyes“ oder die spannenden Bass-Linien in „Into the Light“ – kein Prog, aber es lohnt sich fraglos, hier einmal genauer hinzuhören. Gut, dass im Mix alle Instrumente zur Geltung kommen – das ist bekanntermaßen nicht immer der Fall. Auch die sehr songdienliche Gitarrenarbeit gefällt dank zahlreicher cooler Riffs und schöner Leads. Poser-Soli findet man auf Equilibrium nicht, die Scheibe besticht durch klassisches Teamwork.

Um den ersten Gedankengang in diesem Review aufzugreifen: Einen Hauch Epik haben Stygian Fair dann doch im Angebot, wenn man den Begriff nicht allzu orthodox interpretiert – man höre sich nur die mysteriöse Note des starken „Father of Light“ oder die Gitarrenläufe in „Test of Time“ oder „Eulogy“ an. Meines Erachtens gelingt es dem Umeå-Vierer hier besonders gut, die Fantasie anzusprechen und eine Flucht aus dem schnöden Alltag zu ermöglichen.

Fazit: Equilibrium ist kein Album, das sich nachdrücklich in den Vordergrund drängt. Es ist vielmehr ein leiser, ausgeglichener Vertreter, der durch die Hintertür kommt. Die Schweden kreieren Songs, die ein bisschen Zeit benötigen, um sich entfalten zu können. Stygian Fair haben – trotz dieser „Einschränkung“ – ohne Wenn und Aber das Potenzial, eine größere Hörergruppe zu erreichen, die auf entspannte, lebensbejahende Musik von äußerst talentierten Künstlern steht. Meiner Meinung nach passt die Band zu Festivals wie Bang Your Head oder Rock Hard, auf denen sich unterschiedliche Hörergruppen tummeln. Gebt Equilibrium eine Chance – vielleicht entdeckt ihr hier eine Perle, die am Ende des Jahres sogar den Sprung auf eure Bestenliste schafft.

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