Review: Gladius Dei – The King is Dead (EP)

Release: 23.04.2021

Es ist nicht lange her, dass Chris Blackwood der Öffentlichkeit das Debütalbum/-demo Long Gone Ghost seines Projektes Gladius Dei präsentierte und damit in unserer Crew, vor allem bei meinem geschätzten Kollegen Blaze Breeg und mir, großen Anklang fand. Düstere Atmosphären, berührende Melodien, eine Menge Leidenschaft sowie eine riesige Portion des in unserem Genre so geliebten Kauz‘ ließen Gladius Dei trotz starker Konkurrenz nicht in Vergessenheit geraten und bescherten dem Künstler ganz im Gegenteil ordentlich Hörzeit. So war die Vorfreude groß, als Mr. Blackwood uns mitteilte, dass seine EP The King is Dead nun fertiggestellt sei.

Auf einer für eine EP wirklich hervorragenden Länge von 22 Minuten werden uns diesmal drei Lieder geboten, von denen zwei bereits aus der Schaffensphase der ersten Veröffentlichung stammen und eines ein Cover ist – uhhh spannend (der Autor)! Dass sich Gladius Dei nicht so einfach in eine Schublade stecken lässt, wurde in unserem Interview mit Chris bereits eifrig diskutiert. Dennoch lässt sich in seiner Musik eigentlich überall ein epischer Kern ausmachen, der meistens auf einem doomigen bis klassischen Gerüst ruht. Was Gladius Dei aber zusätzlich auszeichnet, sind die ziemlich rauen und punkigen Soundelemente, die vor allem auf frühere Tätigkeiten des Urhebers zurückzuführen sind. Hauptkritikpunkt des Debüts – und auch wieder hinsichtlich dieser EP – ist natürlich der Klang, wobei der Gesang besonders hervorsticht. Bedenkt man allerdings, dass sich Chris laut eigenen Angaben erst seit knapp zwei Jahren mit Homerecording auseinandersetzt, alle Instrumente eingespielt und die Vocals eingesungen hat, sehe ich den Klang, der meiner Meinung nach an der Qualität der Essenz der Musik sowieso nichts ändert, wenig kritisch, ich finde ihn sogar bemerkenswert. Hier gilt zu bedenken, dass beide Veröffentlichungen kostenlos auf Bandcamp angehört und runtergeladen werden können! Chris sieht sich an erster Stelle vor allem als Gitarrist und Songwriter und genau da sehe ich auch seine Stärken, was er auf dem Debüt bereits vielfach unter Beweis gestellt hat; sei es auf epischen Longtracks mit emotional-düsterer Atmosphäre wie „In My Coffin (Part I+II)“ oder „Totem (Childhood, Loss And Death)“ oder mitreißenden Klassiknummern mit ordentlich Power wie „Wolves Eating Wolves“ und „Forlorn Man“(!).

Ihr könnt euch das starke Debüt hier kostenlos runterladen!

Die EP startet mit „Red Nails“, welches die gleichnamige Conan-Story behandelt, und ich muss zugeben, dass es eine schwierige Nummer ist, sehr punkig und roh, dadurch aber leider auch durcheinander und irritierend. Episch wird es, neben den Lyrics, die wie gewohnt sehr stark und mitreißend geschrieben sind, eher selten, da die thrashig-punkigen Riffs Melodie größtenteils unterdrücken. Im Vergleich dazu gefielen mir die punkigen Nummern der ersten Veröffentlichung, wie das bereits oben genannte „Wolves Eating Wolves“, deutlich besser, in denen das Epische durchaus zum Vorschein kam.

Darauf folgt das Cover, welches mein Herz sofort hat höher schlagen lassen! Iron Voids „Lancelot of the Lake“ ist einer der genialsten Epic Doom-Tracks der letzten Jahre und dass Chris diesen Track ausgesucht hat, zeugt für seine Leidenschaft für den Underground! Auch wenn das Level des Originals nicht erreicht wird, macht es Spaß, diese Nummer mal mit einem etwas anderem Ansatz – rauer, verspielter und besonders zum Schluss hin atmosphärischer – zu hören.

Mit dem zehn-minütigen Titletrack setzt man thematisch am Cover an. Der Song behandelt den letzten Kampf von König Artus sowie dessen anstehenden Tod. Aber war die Vision des so großen Königs überhaupt realistisch? Und hätte Britannien unter seiner Herrschaft überhaupt bestehen können? Nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch stellt dieser Song einen Höhepunkt dar! Nach einem mystischen, an Manilla Road erinnernden Intro geht es doomig-stampfend weiter und gipfelt in einem epischen Chorus, der dazu animiert, mitgrölend die Fäuste in die Luft zu recken, ehe es in der Mitte des Songs zu einem Bruch kommt. Nach einem erst ruhig-melancholischen und dann klimaktisch-energetischer werdenden akustischen Interludium nimmt die Nummer ordentlich an Fahrt auf. Besonders die Gitarren, aber auch die Atmosphäre und der epische Klang treten hier in den Vordergrund. Dieser Teil des Liedes erinnert mich besonders an die Frühwerke der Briten Dark Forest, welche sich zur damaligen Zeit nicht nur durch ihre melodische Gitarrenarbeit, welche sie beibehalten sollten, sondern auch durch ihren mystisch-kauzigen Klang auszeichneten.

Fazit: Nach der wirklich starken Demo aus dem Januar legt Gladius Dei mit The King is Dead ordentlich nach! Während die EP eher schwierig anfängt, liefert sie mit dem Titletrack, dem Herzstück der EP, ein wahres Highlight ab. Punkig-rohe Elemente auf der einen Seite und episch-doomige auf der anderen ergänzen sich wider Erwarten echt gut und kreieren somit einen ganz eigenständig-kauzigen Klang. Während ich für das Debüt überwiegend Bathory als Vergleich herangezogen hätte, kommen mir hier eher die roheren Lieder Lunar Shadows in den Sinn. Auch wenn der Klang auf dem ersten Song sowie generell der Gesang abschreckend wirken könnten – für mich war es kein Problem -, sollte man der EP definitiv eine Chance geben, da man in Sachen Songwriting, Atmosphäre und Epik viel zu bieten hat. Was zukünftige Veröffentlichungen angeht, bin ich sehr optimistisch gestimmt, denn Gladius Dei befindet sich erst am Anfang einer fantastischen Reise!

Performance: 65%
Songwriting: 95%
Creativity: 85%
Variety: 85%
Entertainment: 75%

OVERALL: 81%

Ein Kommentar zu „Review: Gladius Dei – The King is Dead (EP)

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