Review: Crystal Winds – Return to the Dark Age

Release: 09.04.2021

Einige Bands hauen bereits in den ersten drei Jahren ihres Bestehens fleißig Demo, EP und LP heraus. Andere Bands brauchen ein bisschen länger, um in die Gänge zu kommen. Zur zweiten Kategorie zählen fraglos die Griechen Crystal Winds: Obwohl die Formation aus Athen noch vor der Jahrtausendwende gegründet wurde, liegt uns mit Return to the Dark Age erst jetzt ihr Debütalbum vor. Davor veröffentlichte man lediglich das Demo Scepters of Eternity (2004) und eine selbstbetitelte EP (2016).

In stilistischer Hinsicht sind Crystal Winds gar nicht so leicht einzuordnen. Ich könnte es mir ganz leicht machen und einfach „Metal“ schreiben – oder auf die Facebook-Seite des Quartetts verweisen, auf welcher „Greek Heavy Metal Band“ steht. Return to the Dark Age ist jedoch erstaunlich facettenreich: In erster Linie hören wir traditionellen Stahl, der sich vor allem im Midtempo bewegt und auch an einigen Stellen den klassischen Maiden-Galopp im Angebot hat (zum Beispiel „Still There“). Manche Riffs sind aber auch ein wenig doomig – hier ist allen voran an „Mean Queen“ zu denken. In „Gods of Rock ‚N‘ Roll“ gibt es obendrein – wen wundert’s bei dem Titel? – ein paar Motörhead-Riffs auf die Ohren. Doch damit nicht genug: „Dream Queen“ verdient das Label „balladesk“, der rockige Abschluss sorgt für weitere Abwechslung. „Your Time Has Come“ ist wohl die Nummer, die als besonders Epic Metal Blog-kompatibel einzustufen ist, weil sie einen ausgeprägten Epic Heavy Metal-Touch aufweist. Hierbei handelt es sich zugleich um meinen Anspieltipp! Auch der Schlusstrack „The Dark Age“ besticht durch eine Melodieführung und Heroik, die unserer Kernleserschaft sehr gut munden dürfte.

Neben diesem Facettenreichtum stellen die Vocals einen Pluspunkt dar: Andrew Kouratoras ist objektiv betrachtet nicht der großartigste Sänger unter dem griechischen Metal-Himmel. Allerdings passt dessen recht raue, rockige Stimme, die auch in den Höhen niemals Eierkneif-Niveau erreicht, hervorragend zur Musik. Einen recht hohen Wiedererkennungswert kann man ihr auch nicht absprechen – und mir fällt gerade auf, dass ich das so auch nahezu 1:1 über Lemmy hätte schreiben können… Die Instrumentalfraktion, namentlich Gitarrist Giannis Vrontis, Bassist Michael Karagiannis und Drummer Nick Teteris, macht einen prima Job, der auf jeden Fall das Etikett „Geheimtipp“ rechtfertigt. Allen voran die abwechslungsreiche, gefühlvolle Gitarrenarbeit zwischen Metal und (Heavy) Rock gefällt mir ausgesprochen gut!

Gibt es auch Schwachstellen? Grundsätzlich prangere ich – wie so oft – die mitunter eingesetzten Fadeouts an. In meinen Ohren eine Unsitte, weil ich mich stets frage, ob der Band wirklich kein besserer Ausklang eingefallen ist. Aber gut, auch die Riesen in unserem Genre haben sich diesbezüglich bereits das eine oder andere Mal versündigt. Einen Mini-Punktabzug in der Kategorie Songwriting gibt es trotzdem… Ansonsten kann man angesichts der stilistischen Vielfalt behaupten, dass bisweilen der rote Faden ein bisschen fehlt – gerade „Dream Queen“ wirkt für meinen Geschmack etwas orientierungslos – aber vielleicht erschließt sich mir diese Nummer noch in der Zukunft. Return to the Dark Age ist ohnehin ein Album, das mutmaßlich mehrere Durchgänge benötigt. Das ist keine Schwachstelle, aber ein Grund, warum die ungeduldige Spotify-Generation letztendlich vielleicht nicht zur primären Käuferschaft gehören wird.

Fazit: Crystal Winds machen insgesamt betrachtet Musik für echte Liebhaber. Man schert sich weder um Schubladen noch um Trends – das finde ich prinzipiell sehr sympathisch. Ein paar kleinere Unzulänglichkeiten im Bereich Songwriting machen die Griechen durch ihre Leidenschaft locker wett. Kurzum: Kein Kandidat für einen der Spitzenplätze im Jahrespoll – wie es zum Beispiel bei den Landsleuten Warrior Path der Fall ist -, aber ohne Wenn und Aber grundsolider, ehrlicher Metal from Hellas, der Spaß macht. Darauf ein kühles Mythos!

Performance: 75%
Songwriting: 74%
Creativity: 75%
Variety: 80%
Entertainment: 80%

OVERALL: 77%

Conclusion: All in all, Crystal Winds make music for real lovers. They don’t care about stereotypes or trends – I find that very likeable in principle. The Greeks easily compensate for a few minor imperfections in songwriting with their passion. In short: Not a candidate for one of the top spots in the annual poll – as is the case with their compatriots Warrior Path, for example – but without any ifs and buts, rock-solid, honest Metal from Hellas that is fun to listen to. Have a cold Mythos on it!

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