Review: Atlantean Kodex – The Annihilation of Vienna

Release: 07.05.2021

Am 5. April 2014 beehrte der mächtige Kodex als Headliner des Springdoom Depression VI-Festivals den Escape Metalcorner in Wien mit seiner Anwesenheit. Wer nicht dabei sein konnte, darf sich nun über eine Live-Aufnahme freuen, die seit dem mutmaßlich letzten Bandcamp Friday kostenfrei erhältlich ist (selbstverständlich sollte jeder, der es sich erlauben kann, ein paar Euro springen lassen).

Markus Beckers einleitende Sätze „Ach, komm, scheiß‘ auf Intro. Wir fangen einfach an!“ fassen die folgenden gut 64 Minuten hervorragend zusammen: Das Quintett aus der Oberpfalz präsentiert seinen Fans eine rohe, unbearbeitete und daher absolute authentische Aufnahme, welche den Hörer bereits nach wenigen Sekunden direkt ins sangesfreudige Publikum beamt. Man riecht den Schweiß und das Bier! Mehr Live-Atmosphäre ist gar nicht denkbar – welch ein Glück, dass Michael Kohsiek sein Privatarchiv geöffnet hat, um die sieben Songs mit der nach Konzerten lechzenden (Epik-)Welt zu teilen.

Technisch läuft nicht alles glatt – gleich zu Beginn verabschiedet sich eine Amp. Ein Umstand, den Markus zurecht mit den Worten „Underground at its purest!“ quittiert. Aber das macht Live-Aufnahmen, die tatsächlich LIVE sind, aus – ansonsten kann man sich auch einfach die Studioalben zu Gemüte führen. Letzteres sollte man beim Kodex ohnehin regelmäßig tun, um sein Seelenheil nicht in Gefahr zu bringen. Allerdings entfaltet die Band erst auf der Bühne, interagierend mit ihren vor Leidenschaft explodierenden Anhängern, ihre volle Wirkung. Wer den Kodex noch nie live erlebt hat, hat ihn noch nicht erlebt. Vor diesem Hintergrund kann es gar nicht genügend Releases wie The Annihilation of Vienna geben. Jedes Kodex-Konzert ist etwas Besonderes, da die Magie, welche dort die Anwesenden in ihren Bann zieht, in unserer Szene meiner Meinung nach einmalig ist.

Die Setlist in Wien bietet nüchtern betrachtet keine Überraschungen, anders als das in Hall aufgenommene The Annihilation of Tyrol, das uns nicht nur das recht selten gespielte „Temple of Katholic Magick“, sondern auch ein tolles Cover des Warlord-Klassikers „Lucifer’s Hammer“ anbietet (RIP Bill Tsamis). Trotzdem ist die Zerstörung der österreichischen Hauptstadt aus den oben genannten Gründen selbstverständlich essenziell – allein die sehr präsenten Fan-Gesänge machen einfach richtig Laune. Hoffentlich stehe ich auch bald wieder mittendrin, um unsterbliche Epic (Doom) Metal-Klassiker wie „Enthroned in Clouds and Fire“, „From Shores Forsaken“, „Sol Invictus“, „Heresiarch“, „Twelve Stars and an Azure Gown“, „The Atlantean Kodex“ und „Pilgrim“ angemessen zu zelebrieren.

Share the madness, the fury and the might

Performance: 80%
Songwriting: 100% 
Creativity: 100% 
Variety: 95%
Entertainment: 95% 
OVERALL: 94% 

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