Review: Anahata – Auspicious Atavism

Release: 14.05.2021

Nur wenige Genres haben eine so enge Verknüpfung mit dem Underground wie der Epic Metal! Viele Bands, die selbst für die meisten Metal-Hörer – deren Zahl in den jüngeren Generationen ohnehin schon vergleichsweise niedrig ist – unbekannt sind, werden im Epic Metal mit einer Leidenschaft vergöttert, die wahrlich einzigartig ist. Und dabei ist es nichts Ungewöhnliches, dass viele der Bands entweder nur sehr wenige Releases haben oder noch sehr jung sind. Dies liegt oft einfach daran, dass die Qualität im Epic Metal, was Herzblut, Kreativität, Musikverständnis oder die Lyrics angeht, überdurchschnittlich hoch ist und dank einer einzigartig engangierten und passionierten Community genau die richtigen Ohren findet. Nach diesen Zeilen ist es wahrscheinlich schon klar, wo es lang geht, oder?

Bereits letztes Jahr konnten wir uns über eine unglaublich hohe Zahl an genialen Newcomern wie Fer de Lance oder Possessed Steel freuen und daran soll sich 2021 nichts ändern. Denn mit Anahata (aka. Sol-Anahata) haben wir hier eine Band, die frisch aus Hephaistos‘ Schmiede das Licht der Welt erblickt hat. 2020 wurde sie von Kyle Brickell (Rhythmus-Gitarre, Bass und Drums) gegründet, der zuvor bereits in mehreren, überwiegend Extreme Metal-Bands aktiv war. Mit Ioan Tetlow (Vocals) und Jack Heath (Lead Gitarre) wurde die Band bereits schnell komplettiert. Ende desselben Jahres veröffentlichten sie die ersten Demosongs, um uns nun ihr erstes Album Auspicious Atavism zu präsentieren. Spannend ist hier jedoch, dass sich die Band noch nie in persona gesehen hat, da Brickell und Tetlow in unterschiedlichen Ecken von Kanada wohnen und Heath sogar in Australien lebt. Dennoch kann ich bereits sagen, dass diese Hürde weltmeisterlich übersprungen wurde und sich das Ergebnis mehr als nur sehen lassen kann!

Der Name „Anahata“ geht auf das Herzchakra im Yoga und den Buddhismus zurück und heißt auf Sanskrit sowas wie „unbesiegt“ oder „ungeschlagen“. Die Erweiterung „Sol“ bezieht sich natürlich auf die Sonne, welche als Quelle für jedes Leben für die Band eine große Rolle annimmt und mit der sich auch in den von Tetlow geschriebenen Songtexten auseinandergesetzt wird. Verknüpft wird dies auch mit der Artussage und der niemals endenden Suche nach dem Heiligen Gral, die in einer philosophischen und auch esoterischen Weise auf das echte Leben übertragen wird. Aber auch sonstige Mythologie und natürlich auch Fantasythemen werden in den einzelden Liedern behandelt. Somit kann man sagen, dass man sich auf lyrischer Ebene schonmal ein sehr episches Konstrukt schafft. Wie sieht es dahingegen mit der Musik aus?

Die große Stärke, die bereits beim ersten Hören deutlich wird, ist ganz klar der Abwechslungsreichtum, der geboten wird! So kreieren die Synthsongs am Anfang und Ende des Albums einen Rahmen, der das Album klar als zusammenhängedes Kunstwerk präsentiert und atmosphärisch in das Geschehen einleitet sowie das Abenteuer nicht überhastet ausklingen lässt. Zudem befindet sich auch ein weiterer dritter Synthsong auf dem Album, „Hymn to Leikos“. Doch anders als bei dem Intro und Outro wird hier die Musik durch einen epischen choralen Gesang untermauert, der nicht nur schön mythisch klingt, sondern auch eine immense antike Atmosphäre aufbaut. Die Kombination, die ich bis jetzt relativ selten gehört habe, harmoniert hervorragend miteinander und Tetlows tiefer Gesang wird hier sehr gut in Szene gesetzt, wodurch ein wahres Highlight entsteht! Für den Synthesizer hat man sich Unterstützung von Zack Janson geholt, dessen eigenes Projekt Graal Knyght es sich definitiv auszuchecken lohnt.

Auch wenn es im Epic Metal eine enge Freundschaft zu Synthesizern gibt, wird uns zum Glück auch noch einiges an Edelstahl geboten, wofür es dank einer Laufzeit von knapp einer Stunde auch genügend Zeit gibt. Und auch hier wird es nicht langweilig. So spielt man zwar hauptsächlich stark episch angehauchten Heavy Metal, baut des Öfteren aber auch Black Metal-Elemente ein, die aufgrund der sonstigen musikalischen Tätigkeit der Bandmitglieder ebenfalls sehr hochwertig klingen. Besonders erwähnenswert ist hier „Hierophany“, das dank seines aggressiven, barbarischen, aber trotzdem epischen Klangs, des Verknüpfens von Klargesang und Growls sowie des Tremolo-Pickings den Gedanken an Bands wie Possessed Steel und vor allem die Briten Forefather aufkommen lässt. Erstere haben auf ihrem letzten Album ebenfalls kreativ Growls und Klargesang in einem Epic Heavy Metal-Gerüst miteinander verknüpft und letztere haben die Symbiose aus Epic Metal und Black Metal schon lange als ihr Markenzeichen ausgemacht.

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Es überrascht, wie gut die Songs klingen, wenn man bedenkt, dass man sich nicht getroffen hat, um die Songs gemeinsam im Studio aufzunhemen. Brickell hat zwar das Grundgerüst aller Songs geschrieben, dann aber Tetlow und Heath viel Spielraum gelassen, was sich vollends ausgezahlt hat! Tetlows Stimme ist kraftvoll, fühlt sich sowohl in den Tiefen als auch den mittleren Höhen sehr wohl – Screams kommen eher selten vor – und ist ebenso in der Lage, Emotionen gut zu übertragen, was besonders in der Powerballade „Forefathers“ hervorsticht. Vom Klang her erinnert sie mich an eine Mischung von Jason Tarpey (Eternal Champion, Graven Rite) und dem Klargesang von Wulfstan (Forefather, Athelstan). Aber vor allem Heath weiß mit seinem fantastisches Gitarrenspiel zu überzeugen. Ihm werden viele Situationen geboten, sich in Szene zu setzen, und jedes mal weiß er, mit melodiösen und zugleich emotionalen Soli, die sich sehr gut in die Songs integrieren, zu begeistern.

Fazit: Die Band liefert eine grandiose Performance ab; es lassen sich keine Schwachstellen ausmachen. Ganz im Gegenteil, alle drei Mitglieder setzen starke Akzente! Songs wie „Imperium“ oder „Son of Fate“ sind Epic Metal-Hymnen à la Eternal Champion oder Virgin Steele, die trotz Ähnlichkeiten einen eigenständigen Klang entwickeln. Anahata machen das, auf was sie Lust haben und so schleicht sich mit „Zero (Beneath the Mountain)“ auch mal ein klassischer NWoTHM Song, den man eher von Bands wie Screamer erwarten würde, auf die Platte. Doch auch das macht man sehr gut. Eingängige Chorusse zum Mitgrölen, packende, energiegeladene Riffs und emotionale Soli sowie eine epische Atmosphäre und ein spannendes Konzept lassen die Faszination aufleben. Genau das ist das, was junge Bands wie Visigoth, Gatekeeper oder Eternal Champion an die Spitze der Bewegung stellt. Sollte man zukünftig genau an dieses Niveau anknüpfen und auch live die Qualität halten können, ist Anahata ein Platz zwischen den oben genannten Namen sicher. Im Jahresvergleich sind sie auf alle Fälle schon ein Anwärter auf den Thron!

Performance: 89%
Songwriting: 91% 
Creativity: 91% 
Variety: 100%
Entertainment: 94% 
OVERALL: 93% 

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