Interview: Wheel (Teil 1)

In einigen Wochen werden wir auf dem Epic Metal Blog unsere „Halbjahres-Bestenlisten“ veröffentlichen. Eine Platte, die dort weit oben stehen wird, ist Wheels Meisterstück Preserved in Time. Schon seit einiger Zeit hatten wir vor diesem Hintergrund geplant, Gitarrist Benjamin Homberger zu interviewen, um ihn über seine Doom-Band aus Dortmund auszufragen. Es entwickelte sich via Zoom ein lebendiges Gespräch zwischen ihm und Aidan sowie André, das aufgrund seiner Ergiebigkeit in zwei Teile aufgesplittet wird, ihr kennt das vermutlich bereits von unserem Gespräch mit Servants to the Tide. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!

Okay, die Dame hat sich nicht geäußert, aber sie hatte alles stets streng im Blick.

André: Benjamin, grüß dich. Danke dir für deine Zeit. Es gibt vermutlich ein paar Leser, die Wheel vor eurem aktuellen Album Preserved in Time gar nicht kannten.

Benjamin: Oh, davon gab es sogar einige!

André: Fangen wir daher mal bei den Basics an: Wie seid ihr eigentlich auf euren Bandnamen gekommen?

Benjamin: Bis 2009 hießen wir noch Etherial Sleep. Noch heute findet man davon im Netz sehr viele witzige Schreibweisen, wie zum Beispiel „Eternal Sleep“. Das konnte sich einfach keine Sau merken, geschweige denn schreiben und aussprechen. Darauf hatten wir irgendwann keinen Bock mehr. Cazy, unser Schlagzeuger, kam dann irgendwann mit Wheel um die Ecke. Das fanden wir gut, auch weil wir schon den Song „Mills of God“, veröffentlicht auf unserem ersten Album, hatten – dort gibt es ja dieses mahlende Mühlrad im Intro. Wenn man sich das bildlich vorstellt, ist das schon eine sehr doomige Angelegenheit. Daher dachten wir, Wheel ist eine Supersache!

André: Wenn wir mal bei eurer Bandgeschichte bleiben, fällt der große zeitliche Abstand zwischen Icarus (2013) und Preserved in Time (2021) auf. Wie ist das zu erklären?

Benjamin: Da sind mehrere Faktoren zu nennen. Rückblickend betrachtet hätten wir auf Icarus gerne ein paar Sachen anders gmeacht. Das ganze Album hätte etwas stimmiger ausfallen können – darauf sind ja schon viele verschiedene Sachen zu hören. Im Albumkontext gefällt uns heute nicht mehr alles so gut, was man dort vorfindet. Daher hatten wir uns gesagt, dass wir uns in der Zukunft grundsätzlich mehr Zeit nehmen möchten, unter anderem für eine Vorproduktion. Von Icarus gab es nur einen Proberaummitschnitt als Demo, aber sonst nichts. Eine andere Geschiche, die eine Rolle spielte: Wir hatten ein halbes Jahr lang keinen Proberaum – da mussten wir auch erst einmal etwas anderes auftreiben. Dann haben sich bei uns Jobwechsel angebahnt, ich bin als erster von uns Vater geworden, die anderen haben dann nachgezogen. Das sind alles Punkte, die das Ganze verlangsamten. Zudem ist Arkadius 2018 noch ausgestiegen, für ein Jahr quasi. Wir hatten daraufhin probiert, mit Micha Baum von Midnight Rider neu zu starten, das hat aber nicht geklappt. Irgendwann ist man dann an dem Punkt, dass man sagt: Hey, die neuen Songs, die wir nun haben, die spielen wir schon so lange – die Tatsache, dass wir sie immer noch nicht aus dem Set geworfen haben, zeigt, dass wir Bock darauf haben und sie albumtauglich sind. Nachdem wir die Nummern aufgenommen hatten, haben wir uns erst einmal zusammengesetzt und überlegt, wer das nun am besten für uns machen könnte. Wir haben daraufhin unterschiedliche Produzenten ausprobiert – bis wir dann zu Dennis Koehne zurückgekehrt sind, der schon den Bonustrack von unserem Debütalbum gemacht hat, „Night of the Vampire“. Und das hat mit ihm gleich super geklappt.

André: Live wart ihr zwischen Icarus und Preserved in Time aber noch recht aktiv? Wie oft seid ihr aufgetreten?

Benjamin: Das kann ich schlecht abschätzen. Wir spielen generell nicht so oft live – auch weil es nicht viele Bühnen für Doom-Bands wie uns gibt. Wir haben aber schon ein paar Mal live gespielt, vermutlich waren das so zehn bis zwanzig Auftritte. Manchmal gibt es ja auch einfach ein Billing, wo das alles nicht so passt. Wir haben uns eh gesagt, dass wir nicht an jeder Steckdose spielen wollen, zum Beispiel in einem Jugendzentrum vor einer Hardcore Punk-Band, das ist echt Quatsch. Um das Hammer of Doom 2013 herum gab es schon ein paar Auftritte, da war gerade das Interesse an uns vorhanden, wir hatten ja auch ein neues Album mit Icarus. Dann ebbte das ab: Wenn du kein aktuelles Material dabei hast, bucht dich keiner so gerne.

Aidan: Wenn man nach Lieblingsliedern fragt, gibt es viele unterschiedliche Antworten. André nennt „Aeon of Darkness“, ich bin da eher beim Opener „At Night They Came Upon Us“. Was ist denn dein Lieblingstrack?

Benjamin: Lieblingstrack ist bei mir wohl auch „At Night They Came Upon Us“. Das ist einer der jüngeren Songs, da hatte ich eine Phase, in der es etwas stärker nach vorne ging. Ich hatte damals viel Epic Metal gehört und wollte etwas machen, das etwas mehr in diese Richtung geht. Das macht mir im Moment echt Spaß. Ansonsten ist es schwierig, einen einzelnen Song herauszupicken. Teilweise spielen wir die schon so lange, zum Beispiel „Daedalus“, das ist der älteste Song auf dem Album. Zwischendurch hatten wir sogar schon einmal überlegt, ob wir den nicht rausschmeißen sollten. Das war mir irgendwie zu lang und ich dachte mir, das wiederholt sich alles zu oft, auch der Chorus eckt ein bisschen an. Aber das ist immer eine persönlich Wahrnehmung und man muss immer gucken, wie wird das in der Band als Kollektiv wahrgenommen, wie ist da so die Stimmung in Bezug auf den Song. Selbst hat man einfach irgendwann keinen Abstand mehr zu den Sachen.

Aidan: Man kann ja nicht leugnen, dass das Feedback zur neuen Platte hervorragend ist, auch bei uns wurde sie von Ansgar sehr gut rezensiert. Wie hast du denn das Feedback wahrgenommen? Und was hattest du im Vorfeld eigentlich erwartet? Hattest du schon gedacht, dass Preserved in Time euer bestes Werk sein könnte, das auch als solches von anderen eingestuft wird?

Benjamin: Nach den letzten Alben hatte ich eigentlich wenig erwartet. Nach dem Deal mit Cruz del Sur hatte ich schon gehofft, dass sie das Album pushen. Unser altes Label Northern Silence hat ja quasi keine Werbung gemacht, da gab es bis vor kurzem noch nicht einmal eine Bandcamp-Seite, geschweige denn so was wie Spotify und Co., das gab es dort einfach nicht. Sachen wie Doom laufen bei Northern Silence auch einfach nicht, daher sind da einige Bands aus unserem Genre letztendlich weggegangen, wie zum Beispiel Apostle of Solitude. Deshalb, vor diesem Hintergrund, habe ich erst einmal nichts erwartet. Ich hatte gehofft, dass die Platte in Insiderkreisen wahrgenommen wird – dass sie so breit so gut ankommt, hat mich schon überrascht. Ein Beispiel: Wenn das Deaf Forever uns auf Platz 3 im Soundcheck setzt, dann ist das etwas ganz anderes als wenn dies beim Metal Hammer geschieht, ob man ihn nun mag oder nicht. Die Leute haben da einfach intern ganz andere Kriterien, wenn es um die Bewertung eines Albums geht. Als ich sah, dass wir in beiden Magazinen so gut ankamen, war ich schon echt stolz.

André: Wenn ich mir die Reaktionen unserer Leser auf Facebook und Instagram anschaue, fällt mir auch auf, dass viele, die eigentlich gar keine klassischen Doom-Hörer sind, total auf eure Platte abfahren. Das ist sicher ein gutes Zeichen! Jetzt hattest du gerade Spotify angesprochen, darauf komme ich gerne einmal zurück. Wie stehst du als Künstler eigentlich zu dieser Plattform?

Benjamin: Das Thema Spotify wird ja immer sehr kontrovers diskutiert. Fakt ist, dass solche Gesellschaften die Künstler nicht fair bezahlen. Allerdings denke ich, dass es heutzutage essenziell ist, auf solchen Streamingplattformen vertreten zu sein. Ich sehe das ja bei mir selbst: Ich höre eigentlich ausschließlich Vinyl und Kassette, CDs habe ich fast alle in den Keller gepackt, auch weil ich dafür hier bei mir keinen Platz mehr habe. Und ansonsten nutze ich Streaming, gerne auch unterwegs, da lerne ich immer wieder neue Sachen kennen – die kaufe ich mir dann aber auch, wenn sie geil sind. Bei den meisten Platten ist ja auch gar kein Bandcamp-Code dabei, sodass du sie unterwegs gar nicht hören kannst. Dafür ist Streaming für mich einfach ideal. Andererseits kann ich die Leute, die nur einen Streaming-Account haben und sagen, das reicht mir, nicht verstehen. Ich glaube bei uns im Metal-Bereich – andere Szenen kenne ich nicht gut genug, um das beurteilen zu können – ist es aber so, dass die meisten diese Dienste nutzen, aber am Ende auch die Musik kaufen. Von daher haben beide Parteien etwas davon – und ein paar Euro kommen bei Spotify ja auch rein, ganz anders als bei YouTube, da bekommst du als Künstler ja nichts, wenn jemand dein Album hochlädt.

André: Kommen wir zu einem anderen Punkt: Das Artwork von Preserved in Time. Das hat mich gleich sehr angesprochen. Kannst du uns darüber ein bisschen etwas erzählen?

Benjamin: Der Titel des Albums war zuerst da, der kam – wie der Bandname – von Cazy. Er hatte auch gleich das Bild einer alten Mumie dabei. In diese Richtung wollten wir auch erst gehen – nicht nur, weil Powerslave ein geiles Album ist, sondern weil das auch noch nicht so viele verwendet haben. Wir dachten da nicht an etwas Horrormäßiges, sondern es sollte eher still und düster sein. Wir haben aber irgendwie nichts Passendes gefunden, d.h. wir hätten etwas anfertigen lassen müssen. Das ging aber nicht, weil wir damals keine Kohle in der Bandkasse hatten, auch Cruz del Sur wollte da nicht so viel reinstecken – so eine Auftragsarbeit kostet ja schließlich ein paar Hundert Euro. Daher dachten wir, wir spannen den Bogen zum ersten Album – auch weil es schön ist, ein wiederkehrendes Thema bei den Artworks zu haben. Deshalb schauten wir noch einmal im Jugendstilbereich – bei meiner Google-Suche bin ich dann auf Koloman Moser gestoßen. Das ist ein österreichischer Künstler, der dieses Bild im Zuge einer Kalenderillustration veröffentlicht hatte. Das hat mich auch sofort angesprochen. Da der Künstler schon über hundert Jahre tot ist, gibt es darauf kein Copyright mehr, man kann das Bild also für seine Zwecke nutzen. Das ist immer ganz dankbar, was die finanzielle Seite angeht. So ist das also entstanden – es passt zudem zum Titel, mit dieser Sanduhr dabei und der Ouroboros-Schlange drumherum. Das hat alles eine epische Tragweite, man kann da unheimlich viel hineininterpretieren.

Aidan: Damit tangierst du bereits unsere nächste Frage. Das Album-Cover strahlt natürlich etwas Mystisches aus, das Gleiche findet man auch in den Lyrics wider. Da berührt ihr ja auch mythologische Themen, wie zum Beispiel Daedalus, was ja dann auch wiederum mit Icarus zusammenhängt. Wie ist denn eure Herangehensweise bei den Lyrics? Wie entscheidet ihr, welche Themen für euch passend sind?

Benjamin: Das entscheidet Arkadius für sich allein, mehr oder weniger. Er schreibt die Texte selbstständig, dasselbe gilt für seine Gesangslinien. Wenn wir vom Songwriting sprechen: Das meiste bereite ich zu Hause vor, mit programmierten Drums auf Demos. Dann wird das Ganze im Proberaum zerpflückt und wieder neu zusammengesetzt. Da ist dann jeder im Grunde genommen für sein eigenes Instrument selbst verantwortlich. Ich sage unserem Basser Markus zum Beispiel auch nicht, dass er das und das spielen soll. Er kommt dann meist mit eigenen Ideen, ebenso ist es bei Cazy am Schlagzeug und eben Arkadius beim Gesang. Ich finde, das macht auch eine Band aus. Wenn ich alles vorgeben würde, wäre das ein Solo-Projekt, und das möchte ich nicht. Eine Band lebt davon, dass sich vier Typen treffen und gemeinsam kreativ etwas machen. Um auf die Lyrics zurückzukommen: Arkadius schreibt immer recht persönliche Texte, keine typischen Fantasy-Sachen – die kommen bei uns nicht vor. Ich stehe auch auf Bands, die solche Texte haben, aber ich finde es auch ganz erfrischend, wenn man es mal nicht hat und sich mit anderen Themen befasst, zum Beispiel aus dem alltäglichen Leben. Es geht bei uns ja auch um Tod und Verlust. Es muss ja generell zur Art des Gesangs passen, Arkadius muss fühlen, was er singt. Und dann macht es keinen Sinn, Themen heraufzubeschwören, bei denen er gar nichts empfindet.

André: Jetzt sind wir ja schon beim Gesang angelangt. Aidan und ich wurden von Arkadius komplett umgehauen.

Aidan: Ja, absolut! Du hast ja bereits gesagt, wie wichtig es ist, dass diese Themen einen auch berühren. Die Emotionalität, mit der Arkadius singt, sticht auf jeden Fall heraus. Ich musste irgendwie sofort an Warrel Dane denken.

Benjamin: Wir haben diesmal tatsächlich deutlich mehr Zeit und Mühe in die Gesangsaufnahmen gesteckt. Beim ersten Album habe ich das ja mit ihm komplett allein gemacht. Das haben wir relativ schnell abgehandelt. Und weil wir noch nicht so erfahren waren, hätte man rückblickend betrachtet einige Sachen gesangstechnisch besser machen können. Beim zweiten Album sind wir dann tatsächlich nur für den Gesang ins Studio gegangen. Da war ich nicht immer dabei, das hat jemand anderes mit Arkadius aufgenommen. Das ist schon ganz okay. Nur jetzt haben wir es doch wieder selbst gemacht, wir sind wirklich alles Stück für Stück durchgegangen, wir haben alles Satz für Satz aufgenommen, damit es zu 100% passt. Wir haben auch vorher nie so konkret mit einer zweiten Stimme gearbeitet, das hat noch einmal sehr lange gedauert, bis wir die passende zweite Stimme für die jeweiligen Parts gefunden hatten. Das war viel Mühe, hat sich letztendlich aber auch bezahlt gemacht.

André: Auf jeden Fall! Wenn man sich eure gesamte Diskografie anhört, hat Arkadius auf Preserved in Time in meinen Ohren seine beste Leistung abgeliefert. Wobei man natürlich sagen muss, dass das gerade beim Thema Gesang immer sehr subjektiv ist.

Benjamin: Genau! Für mich ist das auch immer total schwierig, ich bin ja nun mal Gitarrist und kein Sänger. Es fällt mir immer schwer, wenn man ein Take fünfmal gehört hat, zu sagen, welches davon das beste ist. Es ist wirklich manchmal nicht mehr zu beurteilen.

André: Würdest du euch generell als perfektionistisch im Studio bezeichnen?

Benjamin: Überhaupt nicht! Wenn man einmal einen guten Sound gefunden hat, muss man nicht noch 1.000 andere Sachen ausprobieren. Ich schiebe gerne ein paar Mikros hin und wenn es dann gut klingt, super. Ich bin keiner, der dann noch stundenlang den Winkel oder so verändern muss. Beim Verstäker ist es genauso: Wenn ich da einmal eine gute Einstellung gefunden habe, dann bleibt das so. Das ist manchmal fatal: Da setzt sich nämlich immer Staub an. Wenn man dann den Fehler macht und den Knopf noch einmal dreht, dann knarzt es – kennt man vielleicht von der heimischen Stereoanlage. Dann ist der Ton weg, weil sich die Kontakte zugesetzt haben. Was den Sound von Preserved in Time angeht, hatte ich übrigens schon sehr konkrete Vorstellungen. Es sollte ein Spagat sein zwischen einer modernen Produktion und einer Produktion mit Oldschool-Charme, es sollte also nicht total glattgebügelt sein und sich künstlich anhören.

Aidan: Ja, die Platte hat definitiv Charakter.

Benjnamin: Ja, wir haben dem Mischer auch Vorlagen gegeben, die letzten Platten von Smoulder und Cirith Ungol dienten da als Referenz. Letztendlich konnte Dennis das umsetzen – andere Mischer meinten, die Scheiben klingen doch nicht gut. Da habe ich nur gedacht, ja, gut, dann hast du es nicht verstanden, denn genau so möchte ich das haben. Entweder spürt man, dass es so geil ist oder eben nicht.

André: Jetzt hast du gerade schon ein paar Bands angesprochen. Welche Künstler sind für euch eigentlich ganz wichtige Inspirationsquellen? Solitude Aeturnus kommt ja in fast jedem Review als Referenz vor. Hat diese Band dich sehr geprägt?

Benjamin: Eigentlich eher weniger. Das ist aber bei uns in der Band eh sehr unterschiedlich. Markus, der Basser, und ich, wir hören sehr viele aktuelle Bands, auch aus dem Doom-Bereich. Cazy ist da schon ein bisschen selektiver, er hört auch gerne mal schwedischen Death Metal, so richtiges Geballer. Arkadius hört von uns allen schon am wenigsten aktuelle Musik. Solitude Aeturnus ist eine gute Schnittmenge, die Band finden wir alle gut. Ich höre immer so viele neue Sachen – und das beeinflusst mich dann auch immer gleich. Daher ist Solitude Aeturnus sicher ein Einfluss, aber man setzt sich nicht hin und probiert, einen Song in der und der Art zu schreiben. Das kommt dann so aus einem raus, aus dem Unterbewussten, Dinge, die man gerade verarbeitet – und das spiegelt sich dann in den Songs wider.

André: Wir verlassen mal das Studio. Am 4. Juni gab es bei euch ja etwas Erfreuliches: Endlich standet ihr mal wieder auf einer Bühne! Wie war das für euch? Wart ihr ein bisschen eingerostet nach der langen Live-Pause? Viele Bekannte, die in Hilbeck vor Ort waren, waren richtig begeistert von eurem Auftritt.

Benjamin: Unter dem Strich war ich echt begeistert. Wir waren wirklich etwas eingerostet, ein paar Songs waren etwas frei interpretiert, da guckten wir uns auf der Bühne schon mal an, das hat aber keiner gemerkt. Wir können so was immer ganz gut überbrücken. Aber das ist dann eben live, da muss man auch mal ein Pokerface haben. Insgesamt hat an dem Abend aber alles gepasst. Das Wetter war geil – es sollte ja erst noch Unwetter geben, die kamen aber alle im Umland runter. Es war klein und gemütlich, aber auch nicht zu klein, es war gut organisiert vom Dirk Niggemann. Man muss bedenken: Wir hatten nur zwei Wochen Vorlaufszeit. Wir haben nur zweimal geprobt. Aber es war super, auch dass so viele gekommen sind, 150 waren letztendlich da. Und man muss auch sehen: Das war ja auf dem Dorf, es gab keine Vorankündigungszeit, man konnte kaum Werbung machen. Es hatten alle Spaß, man hat viele Leute getroffen, auch aus dem Deaf Forever Forum – es war sehr schön, davon wieder einige zu sehen. Ich hatte leider zu wenig Merch eingepackt, weil ich dachte, ach, auf dem Dorf reichen von jeder Größe fünf bis zehn Shirts. Naja, am Ende war alles ratzfatz weg, ich war total überrascht. Wir hatten zum Glück zum ersten Mal einen Freund mitgenommen, der für uns das Merch machte. Der war dann zwischendurch schon fast überfordert, weil da so ein Andrang war. Alles in allem war der Abend ein gutes Zeichen für die Szene: Man sieht, dass so was funktioniert. Es gibt Live-Konzerte, es kommen Leute. Viele Veranstalter trauen sich heutzutage einfach nicht, etwas zu machen, weil alles so unberechenbar ist. Das Ding kann immer bis kurz vorher abgesagt werden – und so ein Konzept beim Ordnungsamt vorzulegen und durchzudrücken, ist wirklich Arbeit und auch echt nervig. Nichtsdestotrotz: Die Leute sind heiß! Und wir haben auf jeden Fall Bock live zu spielen: Wenn es am Wochenende ist, man uns eine Unterkunft bieten kann und es kostenmäßig so ist, dass es nicht negativ für uns wird, sind wir dabei!

Im Anschluss fragten wir nach weiteren Live-Plänen. Da hier aber das meiste noch nicht spruchreif ist, müssen wir uns diesbezüglich noch ein wenig gedulden. Benjamins Andeutungen klangen jedoch bereits sehr vielversprechend. Zu Beginn des zweiten Teils unseres großen Wheel-Interviews wird Aidan ihn nach seinen Lieblingsfestivals befragen. Wir werden aber auch noch ausführlich über die deutsche (Epic) Doom-Szene, Entwicklungen im Underground und aktuelle Lieblingsplatten sowie einiges mehr sprechen.

Ein Kommentar zu „Interview: Wheel (Teil 1)

Kommentar verfassen