Review: Hammer King – Hammer King

Release: 11.06.2021

English version below

Die Zeit rast: Ich kann mich noch gut an das Börsencrash Festival 2015 in Wuppertal erinnern, als die Newcomer Hammer King Songs ihres Debütalbums Kingdom of the Hammer King präsentierten. In meinem Interview mit Sänger/Gitarrist Titan Fox V sprach ich im Januar unter anderem über diesen Abend, den die Band in sehr guter Erinnerung behalten hat. Nun, knapp sechs Jahre später, haben wir es bereits mit Studioalbum Nummer vier zu tun. Die selbstbetitelte Platte ist zweifellos eine besondere in der Diskografie, weil es der erste Output mit Bassist Gladius Thundersword ist, der im vergangenen Jahr Gründungsmitglied K.K. Basement ersetzt hat. Darüber hinaus ist Hammer King die erste Scheibe, die nicht bei Cruz del Sur, sondern bei Napalm Records erscheint.

Und das hört man auch… Hammer King zeichnet sich durch eine moderne, kraftvolle Produktion aus, die vor allem ein breites Metal-Publikum anspricht, das eher das Rock Hard oder den Metal Hammer als das Deaf Forever liest. Wer eher auf Rotz à la Eisenhand steht, ist hier an der falschen Adresse und sollte am besten gar nicht weiterlesen. Wer die „Royal Metal“-Band in den letzten Jahren verfolgt hat, weiß, dass sie über ein ausgezeichnetes Melodieverständnis verfügt. Hammer King sind – auch mit dem aktuellen Line-up – fähig, höchst eingängige Songs zu komponieren, die sich erfreulicherweise nicht schnell abnutzen. Die Frage, ob man das eine oder andere schon einmal bei einer anderen Truppe gehört hat, schwirrt den Rezipienten mutmaßlich ab und zu im Kopf herum. Aber seien wir einmal ehrlich: Kann man heutzutage noch einen Heavy Metal-Song schreiben, der komplett neu klingt und nicht irgendeinem anderen Track der Altvorderen ähnelt? Meines Erachtens lautet die Antwort: Nein!

Wenn wir uns das Songmaterial genauer anschauen, müssen wir zunächst einmal über die Mannschaftsleistung sprechen. Titan Fox V ist ein prima Sänger, dessen Vocals recht variabel sind und insgesamt betrachtet über einen hohen Wiedererkennungswert verfügen – kein Wunder, dass sich Ross The Boss einst die Dienste des Deutschen, der auch bei Lord Vigo aktiv ist, gesichert hatte. Sehr stark sind zudem die kernigen Backing Vocals, die mich immer wieder an Accept erinnern und einen echten Mehrwert darstellen. Dass mich die epischen Chöre ebenfalls begeistern, dürfte angesichts der Ausrichtung dieses Blogs niemanden überraschen. Hervorzuheben ist obendrein der durchgängig feine Gitarrensound, der Parallelen zu Iron Maiden aufweist und dank der sehr sauberen Produktion fantastisch zur Geltung kommt. Die Rhythmusfraktion treibt die Jungs ordentlich an – und Gladius Thundersword feiert dank des Mixes, in dem der Bass sehr präsent ist, einen hörbar gelungenen Einstand.

Die Kompositionen verfügen ausnahmslos über die Grundhärte, die ich mir auf einer klassischen Metal-Platte wünsche – kitschig wird es in meinen Ohren an keiner Stelle. Schon der passend betitelte Opener „Awaken the Thunder“ zeigt uns, – sorry, der muss sein – wo hier der Hammer hängt! Der Kernleserschaft unseres Blogs sei nicht zuletzt „Onward to Victory“ ans Herz gelegt, da mich die Nummer an mehreren Stellen an Visigoths zweiten Longplayer Conqueror’s Oath erinnert: Sehr eingängiger, episch angehauchter Heavy Metal, der insbesondere live ein Kracher sein dürfte.

Highlights sind für mich aber zwei andere Songs: An erster Stelle ist das erhabene und facettenreiche „Atlantis (Epilogue)“ zu nennen, das einen herrlichen Kontrast zum bereits an anderer Stelle rezensierten, sehr straighten „Hammerschlag“ (unter anderem mit Tankards Gerre) darstellt. Hier werde ich emotional zu 100% abgeholt – und könnte in der richtigen Stimmung glatt das eine oder andere Tränchen verdrücken. Grandios! Darüber hinaus ist der Quasi-Schlusstrack „King of Kings“ ein Glanzstück: Aufgrund der Positionierung muss er sich unweigerlich mit dem genialen „We Sail Cape Horn“ vom Vorgänger Poseidon Will Carry Us Home messen lassen. Hammer King servieren uns eine epische Nummer, die dank des Spoken Word-Intros gleich an Manowars „The Warriors Prayer“ denken lässt, auch der Songtitel ruft Kings of Metal in Erinnerung – mutmaßlich sehr bewusst. Obwohl auch die recht opulenten, aber keineswegs kitschigen, Chöre eine Parallele zu den True Metal-Kriegern aus den USA darstellen, klingen Hammer King hier, am Ende ihres vierten Albums, wie Hammer King. Auch sie können, unter der Beibehaltung einer eigenen Identität, alles auffahren, um den perfekten Soundtrack für eine heroische Schlacht zu inszenieren. Da Titan Fox V gleichzeitig die beste Gesangsleistung in der Bandhistorie abliefert, darf man „King of Kings“ als eines der stärksten Lieder in der Hammer King-Diskografie bezeichnen – auch wenn ich „Atlantis (Epilogue)“ noch besser finde und „We Sail Cape Horn“ – erwartungsgemäß – unerreicht bleibt. Nach dem stimmungsvollen kurzen Outro, das einen guten Kontrast zum (relativen) Bombast der direkt davor platzierten Machtdemonstration darstellt, möchte man einfach die Repeattaste drücken.

Fazit: Bis dato konnten sich Hammer King von Album zu Album steigern. Zum Teil sogar deutlich! Das ist ihnen diesmal eher nicht gelungen – aber das liegt am exzellenten Vorgänger, dessen Niveau sie jedoch wieder mühelos erreichen konnten. Wer Hammer King aufgrund des augenzwinkernden Images („Krupper than steel“) weiterhin nicht ernstnimmt, erntet hier und jetzt ganz offiziell mein Unverständnis. Titan Fox V, Dolph A. Macallan, Gino Wilde und Gladius Thundersword spielen exakt den – nicht innovativen, aber doch qualitativ hochwertigen – Heavy Metal, den ich brauche, wenn ich einfach einmal Spaß haben möchte. Spaß! Es ist Musik für eine gute, unbeschwerte Zeit, in der man mit einem guten Freund mit einem breiten Grinsen im Gesicht ein paar Kaltgetränke vernichtet. Daher: „Fear the hammer, all shall sing. Glory to the hammer king“…

Performance: 85%
Songwriting: 85% 
Creativity: 75% 
Variety: 75%
Entertainment: 100% 

OVERALL: 84% 

Time races: I can still remember the Börsencrash Festival 2015 in Wuppertal (Germany), when the newcomers Hammer King presented songs from their debut album Kingdom of the Hammer King. In my interview with singer/guitarist Titan Fox V in January, we talked about this evening, among other things, which the band had very fond memories of. Now, almost six years later, we are already dealing with studio album number four. The self-titled record is undoubtedly a special one in the discography because it is the first output with bassist Gladius Thundersword, who replaced founding member K.K. Basement last year. Moreover, Hammer King is the first record to be released not by Cruz del Sur, but by Napalm Records.

And you can hear that… Hammer King is characterised by a modern, powerful production that appeals mainly to a broad metal audience that reads Rock Hard or Metal Hammer rather than Deaf Forever. Those who prefer snot à la Eisenhand are at the wrong address here and should best not read on at all. Anyone who has followed the “Royal Metal“ band in recent years knows that they have an excellent understanding of melody. Hammer King are – even with the current line-up – capable of composing highly catchy songs that fortunately don’t wear out quickly. The question of whether one has heard one or the other of these songs before with another band is presumably buzzing around in the recipients‘ heads from time to time. But let’s be honest: Is it still possible to write a heavy metal track nowadays that sounds completely new and doesn’t resemble any other tune by the veterans? In my opinion, the answer is: No!

If we take a closer look at the song material, we first have to talk about the team performance. Titan Fox V is a great singer, whose vocals are quite variable and, all in all, have a high recognition value – no wonder that Ross The Boss once secured the services of the German, who is also active with Lord Vigo. Very strong are furthermore the powerful backing vocals, which remind me again and again of Accept and represent a real added value. The fact that the epic choruses also excite me should come as no surprise to anyone, given the focus of this blog. On top of that, the consistently fine guitar sound, which has parallels to Iron Maiden and is fantastically effective thanks to the very clean production, should be emphasised. The rhythm section drives the band on – and Gladius Thundersword celebrates an audibly successful debut thanks to the mix, in which the bass is very present.

Without exception, the compositions have the basic hardness that I wish for on a classic metal record – it doesn’t get cheesy to my ears at any point. Already the appropriately titled opener “Awaken the Thunder“ shows us – sorry, it has to be – where the hammer is hanging! Last but not least, I would like to recommend “Onward to Victory“ to the core readers of our blog, as it reminds me in several places of Visigoth’s second longplayer Conqueror’s Oath: very catchy, epic-tinged heavy metal, which should be a hit especially live.

But the highlights for me are two other songs: First of all, the sublime and multi-faceted “Atlantis (Epilogue)“, which is a wonderful contrast to the already reviewed, very straight “Hammerschlag“ (with Tankard’s Gerre, among others). Here, I am emotionally picked up 100% – and in the right mood, I could even shed a tear or two. Grandiose! Moreover, the quasi-final track “King of Kings“ is a gem: Due to its positioning, it inevitably has to compete with the ingenious “We Sail Cape Horn“ from the predecessor Poseidon Will Carry Us Home. Hammer King serve us an epic number, which, thanks to the spoken word intro, immediately makes us think of Manowar’s “The Warriors Prayer“, also the song title calls Kings of Metal to mind – presumably very consciously. Although the rather opulent, but by no means kitschy, choruses are a parallel to the true metal warriors from the USA, Hammer King sound like Hammer King here, at the end of their fourth album. They too, while maintaining an identity of their own, can serve up anything to stage the perfect soundtrack for a heroic battle. Since Titan Fox V also delivers the best vocal performance in the band’s history, “King of Kings“ may be called one of the strongest songs in the Hammer King discography – even if I find “Atlantis (Epilogue)“ even better and “We Sail Cape Horn“ – as expected – remains unmatched. After the atmospheric short outro, which is a good contrast to the (relative) bombast of the demonstration of power placed directly before it, you just want to press the repeat button.

Conclusion: Up to now Hammer King have been able to improve from album to album. Sometimes even significantly! This time they didn’t manage to do that – but that’s because of the excellent predecessor, whose level they could easily reach again. Whoever continues not to take Hammer King seriously because of their tongue-in-cheek image (“Krupper than steel“) officially earns my incomprehension here and now. Titan Fox V, Dolph A. Macallan, Gino Wilde and Gladius Thundersword play exactly the – not innovative, but still high-quality – heavy metal that I need when I just want to have fun for once. Fun! It’s music for a good, light-hearted time, when you’re killing a few cold drinks with a good friend with a big grin on your face. Hence: “Fear the hammer, all shall sing. Glory to the hammer king“…

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