Review: Helloween – Helloween

Release: 16.06.2021

English conclusion below

Es steht wohl außer Frage, dass Helloweens selbstbetiteltes Studioalbum im Jahr 2021 mehr Aufmerksamkeit erhalten wird als jeder andere Metal-Output – vorausgesetzt, dass Iron Maiden nicht plötzlich mit einem Doppelalbum um die Ecke kommen, auf dem neben Bruce auch noch ein Paul in Bestform zu hören ist. Über die Hintergründe, die zur Entstehung von Helloween geführt haben, könnte man nun eine Roman-Trilogie schreiben, aber ich möchte mich in diesem Review einzig und allein auf die Musik konzentrieren. Wie man meiner „Skyfall“-Huldigung auf diesem Blog entnehmen durfte, blickte ich dem vorliegenden Release mit recht großer Vorfreude entgegen – obwohl ich bei aller Wertschätzung des Frühwerks mit Sicherheit nicht zu den Diehard-Fans der Kürbisköpfe zu zählen bin.

Erfreulicherweise harmonieren die drei Sänger Michael Kiske, Andi Deris und Kai Hansen auch auf Albumdistanz sehr gut miteinander. Dass Kiske wie ein junger Gott agiert, muss man gar nicht betonen. Daher möchte ich eine Lanze für Deris brechen, der meiner Ansicht nach ein unverzichtbarer Bestandteil der „Helloween United“ ist – ein geradliniger, recht harter Song wie „Mass Pollution“, der reichlich Headbanging-Potenzial aufweist, lebt von dessen leicht rotziger Stimme, die einen herrlichen Konstrast zu Kiske darstellt. Ebenso erfreulich ist der Umstand, dass Helloween zahlreiche großartige Melodien im Angebot hat, die man nicht so schnell wieder vergisst – mit anderen Worten: Das Songwriting kann auf dieser Ebene überzeugen, allerdings ist diesbezüglich auch der Abwechslungsreichtum zu nennen, der die meisten Kompositionen auszeichnet. In den Songs stecken sehr viele Ideen, die man erst nach mehreren Durchläufen komplett verarbeiten kann.

Gibt es auch etwas zu nörgeln? Ein paar Melodien sind klassisch „Happy, Happy Helloween“ – wer das grundsätzlich nicht mag, wird mit der vorliegenden Scheibe nicht glücklich. Aber ich muss sagen, dass sich auf Helloween nicht viele Passagen finden, die hier zu nennen sind. Obendrein beinhaltet eine Nummer wie „Robot King“, die in diesem Zusammenhang exemplarisch anzuführen ist, auch härtere Momente, sodass ich zu keinem Zeitpunkt einen Zuckerschock bekomme. Das häufig gescholtene „Angels“ stufe ich im Übrigen keineswegs als Schwachstelle ein, da es vielmehr ein interessanter Track mit Gesangslinien ist, die weit vom Label 08/15 entfernt sind. Was mich manchmal stört, ist ein genretypisches Charakteristikum: Helloween ist streckenweise schon fast ein bisschen überladen – jedoch ist dies zweifellos einfach Geschmackssache. Mitunter gilt für mich im Metal die Devise, dass ab und zu weniger einfach mehr ist. Ein „zu viel“ erstickt Emotionen im Keim. Spätestens jetzt versteht ihr den letzten Satz des ersten Absatzes…

Fazit: Ich bin mir sicher, dass Helloween im Dezember viele Jahresbestenlisten anführen wird. Meiner Meinung nach wäre das durchaus nachvollziehbar, wenn man primär auf hochmelodischen Power/Heavy Metal steht, der nahezu kitschfrei ist. Mir macht die Platte trotz der soeben genannten Einschränkung ebenfalls Spaß, streckenweise ist sie dank „Skyfall“ auch zum Niederknien grandios. Ich werde jedoch nicht zu 100% abgeholt, da ich schlicht und ergreifend in stilistischer Hinsicht woanders zu Hause bin. Daher fällt mir eine abschließende Bewertung auch nicht leicht. Helloween ist ein Album, das handwerklich sehr gut gemacht ist und eine Menge hervorragender Songs im Angebot hat, manche sind meines Erachtens aber „nur“ gut, sodass ich jetzt schon weiß, dass die Hamburger es bei mir am Ende des laufenden Jahres trotz Kiske nicht leicht haben werden, einen Top-Platz in meiner Albumwertung zu erringen. Dafür ist die Konkurrenz einfach zu stark bzw. sie musiziert näher an meinem Geschmackszentrum. Nichtsdestotrotz handelt es sich hier um einen Pflichtkauf – und ich freue mich ungemein auf die Live-Premiere des neuen Songmaterials, bei „Skyfall“ dürfte es kein Halten mehr geben…

Performance: 90%
Songwriting: 87% 
Creativity: 85% 
Variety: 85%
Entertainment: 88% 

OVERALL: 87%

Conclusion: I am sure that Helloween will top many annual best lists in December. In my opinion, that would be quite understandable if you are primarily into highly melodic power/heavy metal that is almost free of kitsch. Despite the aforementioned limitation, I also enjoy the record, and thanks to “Skyfall“, it’s also grandiose in parts. However, I am not 100% taken in, because I am simply at home somewhere else in terms of style. That’s why it’s not easy for me to give a final rating. Helloween is an album that is very well made and has a lot of excellent songs on offer, but in my opinion some of them are “only“ good, so I already know that at the end of the current year, despite Kiske, it won’t be easy for the Hamburg band to achieve a top place in my album rankings. The competitors are simply too strong for that, and they play music closer to my taste centre. Nevertheless, this is a must-buy – and I am looking forward to the live premiere of the new song material, with “Skyfall“ there should be no stopping me…

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