Review: Witch Cross – Angel of Death

Release: 11.06.2021

Witch Cross haben eine typische Keep it True-Karriere hingelegt: In den 1980ern veröffentlichten die Dänen mit Fit for Fight (1984) ein Kultalbum, das von vielen Heavy Metal-Fans bis zum heutigen Tage heiß und innig geliebt wird. In meiner Facebook-Timeline tauchte vor einigen Wochen ein Foto auf, auf dem die Scheibe in ungefähr zehn unterschiedlichen Versionen zu sehen war. Nach Fit for Fight kam allerdings nicht mehr viel – einen Wendepunkt stellte das Jahr 2012 dar, in dem Witch Cross auf dem eingangs erwähnten Festival in Lauda-Königshofen gehörig abgefeiert wurden. Ein Jahr später stand mit Axe to Grind Longplayer Nummer zwei in den Läden, mit Angel of Death gibt es jetzt, „nur“ acht Jahre nach dem letzten Studiowerk, die nächste Platte aus der dänischen (Klischee, Klischee!) Stahlschmiede.

Eines vorweg: In letzter Zeit haben mich klassische Metal-Platten schnell gelangweilt. Vielen Bands fehlt es einfach an Eigenständigkeit und zündenden Ideen – die Songs rauschen in diesen Fällen förmlich an einem vorbei. In der Regel landen solche Promos bei uns schnell im Papierkorb. Witch Cross fallen zum Glück nicht in diese Kategorie, denn Angel of Death hat einiges zu bieten, das mich über einen längeren Zeitraum prima unterhält.

Als erstes muss ich den Engländer Kevin Moore nennen, der seit dem Comeback vor neun Jahren der Frontmann der Skandinavier ist – Fit for Fight-Sänger Alex Savage ist bereits seit 1985 nicht mehr an Bord. Moores Stimme verfügt über einen hohen Wiedererkennungswert, ab und zu erinnert sie mich dezent an Ozzy Osbourne in dessen früherer und mittlerer Solo-Phase. Seine Gesangslinien sind mitunter ein bisschen sperrig, aber zu jeder Zeit einfallsreich und meilenweit von 08/15-Kost entfernt. Was mir an Angel of Death des weiteren gefällt, ist die düstere, leicht mystische Note, die im exzellenten „Tempus Mori Est“ voll zur Geltung kommt. Sollten wir in ein paar Monaten auf dem Epic Metal Blog auch das „Intro des Jahres“ wählen, hätten Witch Cross bei mir eine ganz große Chance auf den Sieg.

Die Scheibe ist insgesamt betrachtet ziemlich heavy, das kernige und einprägsame Riffing lässt die meisten jüngeren Mitbewerber ausgesprochen alt aussehen. Nur zur Erinnerung: Witch Cross fanden bereits im Jahr 1979 unter dem Namen Blood Eagle zusammen. Die Soli sind ebenfalls zeitlos-spritzig und in jedem Song die nötige Sahne auf der Torte. Witch Cross klingen in meinen Ohren alles in allem sogar besser als auf ihrem Referenzalbum Fit for Fight – und das sage ich nicht, weil ich für modernere Töne, die es anno 2021 durchaus zu bestaunen gibt, sonderlich empfänglich wäre.

Gibt es auch etwas zu Meckern? Eigentlich nicht – für meinen Geschmack könnte der eine oder andere Chorus noch etwas griffiger sein, allerdings ist das lediglich mein subjektives Empfinden. Allerdings fällt es mir tatsächlich schwer, einen Anspieltipp zu nennen, weil der Überhit fehlt, „Eye of the Storm“ ist mutmaßlich am eingängigsten. Das auch im letzten KIT TV-Stream gezeigte „Phoenix Fire“ ist sicherlich ein guter Einstieg, um sich einen ersten Eindruck von der Band anno 2021 zu machen. Da kann man im Refrain auch mal mitgrölen – obwohl ich sogar hier die Strophen deutlich stärker bzw. spannender finde. Ich denke aber abgesehen davon, Angel of Death entfaltet nur als Gesamtwerk seine volle Wirkung. Nehmt euch also besser einfach mal eine knappe Dreiviertelstunde Zeit und entscheidet danach, ob ihr das Album braucht.

Fazit: Witch Cross präsentieren uns meiner Meinung nach zwar kein alles überstrahlendes Jahreshighlight, aber zweifellos eine hochprofessionell eingespielte, reife Heavy Metal-Platte, die jedem Fan traditioneller Töne, die auch mal von Schema F abweichen, ans Herz gelegt sei. Ich kann mir vorstellen, dass Angel of Death im Laufe der nächsten Monate sogar noch ein wenig wachsen wird, da es immer wieder einige Details zu entdecken gibt, die das Hörvergnügen vergrößern. Und Kevin Moore zuzuhören, macht einfach Spaß!

Performance: 85%
Songwriting: 80% 
Creativity: 80% 
Variety: 80%
Entertainment: 80% 

OVERALL: 81%

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