Review: Celtic Hills – Mystai Keltoy

Release: 30.04.2021

Wenn man den Bandnamen Celtic Hills liest, denkt man natürlich sofort an … Italien, das Land des amtierenden Fußball-Europameisters, logo! Doch im Ernst: Mit einer dudeligen irischen oder schottischen Folk-Truppe haben wir es hier zum Glück nicht zu tun. Und genau genommen sind Celtic Hills auch nur zu 2/3 Italiener, da Sänger/Gitarrist Jonathan Vanderbilt – im Gegensatz zu seinen beiden Mitstreitern Simone „Zigo“ Cescutti (Schlagzeug) und Jacopo Novello (Bass) – Kanadier ist. Die Band, die bislang komplett unter meinem Radar musiziert hat, gibt es bereits seit dem Jahr 2008 und hat bis dato ein Demo, eine EP und zwei Studioalben herausgebracht, zuletzt im April 2021 das wundervoll betitelte Mystai Keltoy.

In stilistischer Hinsicht haben wir es mit einer der spannendsten Platten zu tun, die ich in den letzten Monaten gehört habe. Das weise Metallum ordnet das in Udine ansässige Trio unter „Melodic Death/Thrash/Power Metal“ ein. Auch wenn das auf den ersten Blick ein bisschen wirr klingt, passt es letztendlich doch ganz gut, da man auf Mystai Keltoy Charakteristika aller drei Genres heraushören kann.

In erster Linie sind Celtic Hills jedoch einfach nur eines: mächtig, verdammt mächtig! Das energische, facettenreiche Drumming sorgt im Zusammenspiel mit dem erfreulicherweise sehr präsenten Bassspiel und dem harten Riffing, das sowohl US Power als auch Extreme Metal-Fans ansprechen wird, für eine gewaltige Adrenalinzufuhr, mit der man prima durch den Tag kommt. Ein echtes Power-Trio! Die (wenigen) Gitarrensoli erinnern mich in der Tat an schwedischen Melodeath der alten Schule (geht immer!) – und ich muss zugeben, dass ich davon gerne noch mehr gehört hätte.

Die kraftvoll-rauhen, äußerst variablen Vocals von Jonathan Vanderbilt sind besonders beeindruckend, auch aufgrund eines hohen Wiedererkennungswertes. Unfassbar, dass er mit seinen 48 Jahren in unserer Szene immer noch ein Geheimtipp ist, von dem die meisten Fans mit Sicherheit noch nie einen Ton gehört haben. Allein seine Darbietung rechtfertigt einen ersten Probedurchlauf, selbst wenn man im oben genannten Bereich „Melodic Death/Thrash/Power Metal“ überhaupt nicht zu Hause ist.

Aber hören wir mit diesen Etikettierungen nun endgültig auf. Celtic Hills zelebrieren sehr eigenständigen Metal, der in einem eigenen Universum stattfindet und sich 0,0 um Schubladen oder Trends schert. In „Eden“ sind wir plötzlich sogar im (nicht kitschigen) Symphonic Metal mit Female Vocals angelangt – ihr seht, auf diesem Release ist trotz einer alles andere als ausufernden Spielzeit von 41:32 Minuten nahezu alles möglich! Auf dem Epic Metal Blog suchen wir bekanntermaßen nach genau solchen Formationen, die – wie zum Beispiel auch die kürzlich interviewten Eisenhauer – Musik aus Liebe zur Kunst machen. Letzteres ist auf dem ausgesprochen vielseitigen Mystai Keltoy offensichtlich. Eine große Leistung ist es, die zahlreichen unterschiedlichen Zutaten so zusammenzufügen, dass das Allerlei aus dem Nordosten Italiens vorzüglich schmeckt. Wer demnach nach Bands mit Charakter sucht, ist bei Celtic Hills an der richigen Adresse!

Nicht unerwähnt bleiben sollen überdies die Lyrics, über die auf dem Promo-Zettel das Folgende zu lesen ist: „The lyrics of the album are still inspired by the history of the populations that inhabited the area of present-day Carnia and Friuli, but seen with a different perspective, giving voice to the legends (or reality?) that imagine colonization by ancient alien populations.“ Ihr merkt, es lohnt sich auf jeden Fall, auch mal das Booklet zu studieren, um ganz tief ins bunte Celtic Hills-Universum abzutauchen.

Fazit: Da die Band in stilistischer Hinsicht recht weit außerhalb unseres üblichen Beuteschemas agiert, verzichte ich ausnahmsweise auf eine Wertung. Ich möchte euch Celtic Hills jedoch auch abschließend noch einmal wärmstens ans Herz legen und für alle aufgeschlossenen Geister – in alter Epic Metal Blog-Tradition – eine Kaufempfehlung aussprechen. Als Anspieltipp gebe ich euch „The Tomorrow of our Sons“ mit auf den Weg. Danach solltet ihr angefixt sein…

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