Review: BlackSword – Alive Again

Release: 30.07.2021

Einmal mehr No Remorse – demnächst dürfen wir hier auf dem Epic Metal Blog dauerhaft die griechische Flagge hissen. Das Quintett BlackSword stammt jedoch (mehrheitlich) nicht aus Hellas, sondern aus Nowokusnezk, einer Großstadt im Südwesten Sibiriens. Auf Facebook ordnen sich die Russen, die seit 2009 unter dem aktuellen Namen in Erscheinung treten, als „Epic Heavy Metal-Band“ ein – unser Interesse ist somit natürlich erst recht geweckt.

Um eines vorwegzunehmen: Auf Alive Again, der zweiten Full-Length nach dem Debüt The Sword Accurst (2010) – unfassbar scheußliches Cover! -, gibt es einige Songs mit epischen Elementen (zum Beispiel „Long Lost Days“), allerdings haben wir es hier eher mit kernigem, durchaus hymnischem Power Metal ohne Zuckerwatte zu tun. Wer auf eierlosen Keyboard-Kitsch à la (aktuelle) Sabaton steht, sollte lieber die Biege machen…

Zugegeben: Ich kenne die sibirische Metal-Szene nicht sonderlich gut. Aber ich glaube kaum, dass es dort einen Sänger gibt, der dem BlackSword-Frontmann das Wasser reichen kann. Ein schöner Satz, oder? Inhaltlich nur sinnfrei, da Michális „Mike“ Lívas Grieche ist und nicht zuletzt bei Silent Winter bereits auf sich aufmerksam gemacht hat. Mit ihm haben BlackSword zweifellos einen Glückstreffer gelandet, der die neun Kompositionen auf Alive Again im Alleingang auf ein ganz anderes, höheres Level hievt. Seine variablen Vocals sind kraftvoll und eine Freude für alle, die es nicht zu hoch mögen, aber gelegentlich eingestreuten Screams etwas abgewinnen können. Die Gesangslinien sind weitgehend einprägsam – ihr oftmals hymnischer Charakter führt zum eingangs erwähnten Label „Epic Heavy Metal“ zurück, das auf dieser Ebene gut passt.

Die Songs sind insgesamt betrachtet recht abwechslungsreich – bereits der atmosphärische Mittelteil im starken Opener „Iron Will“ sorgt diesbezüglich für die ersten Überraschungsmomente, das abschließende, beinahe folkig-angehauchte Instrumental The Crown of All für die letzten. Das Riffing ist hart und mitunter etwas generisch, allerdings werden auch hier einige Ausrufezeichen gesetzt, sodass Alive Again eine spannende Angelegenheit bleibt. Tolle, melodische Leads wie zum Beispiel im fantastischen Titeltrack unterhalten Iron Maiden-Fanatiker wie mich selbstverständlich prächtig.

Stören dürften sich manche Stammleser unseres Blogs an der ziemlich modernen Produktion, die schon ordentlich ballert und nicht als organisch bezeichnet werden kann. Allerdings ist dies im zeitgenössischen Power Metal keine Seltenheit, sodass sich Genre-Fans daran wohl kaum stören werden. Die Oldschool-Fraktion ist hiermit allerdings vorgewarnt, dort dürften vor allem die Drums auf wenig Gegenliebe stoßen.

Fazit: Alles in allem ist Alive Again eine richtig starke Scheibe, die eine weitere Perle im No Remorse-Katalog ist. Wer auf Power Metal mit zum Teil erhabenen Hymnen und einer Menge Durchschlagskraft steht, kann hier bedenkenlos zugreifen. BlackSword setzen Sibirien somit nachdrücklich auf die Metal-Landkarte. Ob sich dort noch mehr Talente verbergen, von denen wir hier im Westen nichts wissen? Wir halten für euch die Augen offen!

Performance: 84%
Songwriting: 83%
Creativity: 80%
Variety: 80%
Entertainment: 86%

OVERALL: 83%

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