Review: Purification – The Exterminating Angel

Release: 29.06.2021

Wer behauptet, im Doom Metal dauere alles ein bisschen länger, kennt Purification noch nicht. Das Trio aus Portland, Oregon, existiert erst seit dem Jahr 2018, präsentiert uns mit The Exterminating Angel aber bereits Longplayer Nummer vier – das schaffen manche Genre-Kollegen in ihrer gesamten Karriere nicht!

Der nun vorliegende „Todesengel“ besticht zunächst einmal durch ein exzellentes, ehrfurchterregendes Cover, das vom mir bis dato unbekannten Künstler Madness aus Sevilla stammt. Es erinnert mich auf dem ersten Blick eher an ein (modernes) Black Metal-Album, was jedoch nicht als Kritik zu verstehen ist.

The Exterminating Angel zeichnet sich durch einen recht rohen Sound aus, der Darkthrone zwar keinerlei Konkurrenz auf dem Lo-Fi-Gebiet macht, aber von einer Nuclear Blast-Hochglanzproduktion so weit entfernt ist wie Armin Laschet von einem geglückten Wahlkampf. Man darf behaupten, das Album hat dadurch „Charakter“ – es wendet sich fraglos an eine Hörerschaft, die sich Zeit nimmt und auf der Suche nach echten, tiefen Emotionen ist.

Davon haben Purification einige im Angebot. Der Gesang von Field Marshall William Purify (ja, er nennt sich wirklich so…) ist ziemlich weit in den Hintergrund gemischt, wodurch sich eine entrückt-morbide Atmosphäre verbreitet. Die Vocals Lines haben mit den heldenhaften Hymnen, die wir von Epic Doom Metal-Formationen kennen, rein gar nichts zu tun. Sie verdienen an vielen Stellen das Etikett „eigenwillig“, wodurch sie erst richtig interessant werden – 08/15 hört man schließlich viel zu oft, selbiges gilt für Ozzy-Klone. Aufgrund der rohen Produktion erhält der Gesang obendrein ein mysteriöse Note, welche mir ausgesprochen gut gefällt.

Besonders packend ist die Gitarrenarbeit von Lord Donangato Resurrected – für mich ohne Wenn und Aber das Highlight auf The Exterminating Angel. In den besten Momenten erinnert mich der Saiten-Zauber qua Intensität an The Devil’s Blood, und wer mich kennt, weiß, dass es aus meinem Munde kein größeres Kompliment geben kann. Die Leads gehen (im positiven Sinne) durch Mark und Bein – Leidenschaft pur. Die harten, verzerrten Riffs, die schon im Opener „Unholy Resurrection“ alles niederwalzen, sind selbstverständlich nicht mit den Occult-Rockern aus Eindhoven zu vergleichen, diesbezüglich gibt es klassische, hochwertige Doom-Kost. Wundervolle Akustikgitarren, die zum Träumen einladen („Sublime Thrones In Kaaba“), sorgen in diesem Zusammenhang für das Sahnehäubchen.

Die Rhythmusabteilung glänzt ebenfalls – vor allem das ungemein natürlich klingende Drumming von (haltet euch fest) Count Darragh, Heathen Conjurer dürfte sogar Neudi schmecken. Während der schleppenden Passagen in unter anderem „On Earth As It Is“ oder im zweiteiligen Titeltrack kann sich der Schlagwerker, der erst im Jahr 2020 die Drumsticks von Lord Donangato Resurrected übernommen hat, ebenso unaufdringlich wie gekonnt in den Vordergrund spielen.

Ein weiterer Pluspunkt ist der Abwechslungsreichtum: Tempo-, Rhythmus- und Stimmungswechsel heben The Exterminating Angel auf die höchste Ebene. Allein die beschwörend-rockigen Passagen im bereits oben angesprochenen Opener zählen zu den besten Moment des Doom Metal-Jahres 2021. Wenn man bedenkt, dass Purification – wie eingangs erwähnt – schon drei Alben in den letzten zwei (!) Jahren veröffentlicht haben, fragt man sich, aus welcher Kreativ-Quelle die drei jungen US-Amerikaner schöpfen.

Fazit: The Exterminating Angel ist eine vielseitige, tiefgründige Scheibe voller Herzblut, welche die Seele des aufmerksamen Zuhörer berührt. Dieses Album darf man auf keinen Fall nebenbei hören, denn es erfordert ungeteilte Aufmerksamkeit. Wer sich darauf einlässt, wird reich belohnt. Daher spreche ich abschließend eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für dieses Genre-Highlight aus.

The Exterminating Angel is a versatile, profound record full of heart and blood that touches the soul of the attentive listener. This album is not to be listened to in passing, for it demands undivided attention. Whoever gets involved will be richly rewarded. Therefore, in conclusion, I give this genre highlight an unrestricted buy recommendation.

Performance: 85%
Songwriting: 90%
Creativity: 90%
Variety: 90%
Entertainment: 90%

OVERALL: 89%

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