Live Report: Storm Crusher Birthday Party (11/09/2021)

English version below

Als Aidan mir vor einigen Wochen das Billing der Storm Crusher Birthday Party im oberpfälzischen Weiden schickte, zögerte ich keine Sekunde und antwortete: Da müssen wir hin! Mit Megaton Sword, Wheel und Lord Vigo erwarteten uns schließlich drei großartige Bands, die zu 100% Epic Metal Blog-kompatibel sind. Darüber hinaus ist jedes Festival, bei dem Chapel of Disease als Headliner fungieren, für jeden Metalfan mit Geschmack eine Pflichtveranstaltung. Und Geschmack wird bei uns selbstverständlich ganz groß geschrieben…

Das Billing (noch mit Torpedo, die letztendlich von ihrer Nachfolgeband Mechanic Tyrants ersetzt wurden)

Nachdem wir uns bereits einige Tage in Nürnberg und vor Ort in Weiden bei allerbestem Wetter in Stimmung gebracht hatten, betraten Aidan und ich am 11. September erwartungsfroh das Gelände des Salute Clubs. Für meinen Kollegen war es das erste Festival seit dem Hammer and Iron in Essen (18.01.2020), ich wartete auch immerhin seit dem Hell over Hammaburg (06./07.03.2020) auf mein „Comeback“. Da Blind Guardian uns in der Vorwoche in Krefeld schon mit exzellenter Live-Atmosphäre verwöhnt hatten (s. Bericht), kehrte daher nach anderthalb Jahren Pandemie allmählich wieder Normalität in unsere Metal-Leben ein.

Letzteres wurde auch durch den Umstand verstärkt, dass ich nach langer Zeit einige altbekannte Gesichter aus dem Deaf Forever Forum wiedersehen durfte. Ich habe mich über jedes einzelne Gespräch, egal ob kurz oder lang, enorm gefreut! Highlights für Aidan und mich waren zweifellos die ersten Offline-Treffen mit unseren Stammlesern Kevin Portz (Gravety) und Ulrich Greupel sowie dem „King of Epic Metal Nerds“ Raphael Päbst (Rafchild Records), der uns gleich mit einigen exquisiten Perlen, die kürzlich auf seinem feinen Label erschienen waren, versorgte – den jüngsten Scheiben von Mortajas und Olórin, die in unsere Einkaufsbeutel wanderten, werden wir uns auf diesem Blog demnächst noch ausführlich widmen.

Die Herren Stein, Portz und Krause in Festival-Stimmung.

Doch kommen wir zu den Bands, die uns in Weiden auf der Bühne beglückten: Pünktlich um 13 Uhr legten die Mechanic Tyrants aus Nürnberg los, die wie Band Nummer 2, White Mantis aus München, auf speedige/thrashige Töne setzten, mit denen die Meute vor der Bühne schon einmal auf Betriebstemperatur gebracht wurde. Mit Venator spielte um 15 Uhr die erste Formation auf, die in stilistischer Hinsicht auch für den Epic Metal Blog von Interesse ist – für engagiert dargebotenen, frisch klingenden Heavy Metal können wir uns immer begeistern. Das Quintett aus Linz werden wir daher in der Zukunft mit Sicherheit im Auge behalten!

Direkt nach den Österreichern folgte der erste Höhepunkt des Festivals: Megaton Sword hatten den langen Weg aus Niralet auf sich genommen, um die Oberpfalz mit epischem Heavy Metal zu überziehen. Leider waren die Schweizer die großen Pechvögel der Storm Crusher Birthday Party, weil lediglich bei ihnen die Technik zeitweilig streikte. Davon ließen sich die Jungs allerdings überhaupt nicht aus dem Konzept bringen – stattdessen dürften sie mit ihrem kauzig-kernigen Auftritt viele neue Fans hinzugewonnen haben. Ich habe im Anschluss auf jeden Fall einige offensichtlich kürzlich erworbene Megaton Sword-Shirts im Publikum entdeckt.

Megaton Sword

Nach diesem Auftritt gönnten wir uns eine kleine Essens- und Trinkpause, bei der wir erfreulicherweise auch die Gelegenheit hatten, mit unserem Powermetal-Kollegen Jonathan Walzer zu plaudern, der nicht nur über einen fantastischen Musikgeschmack verfügt, sondern obendrein ein äußerst sympathischer Zeitgenosse ist. Vom Auftritt der Black/Death Metal-Kombo Goath aus Nürnberg bekamen wir deshalb nicht alles mit – es steht jedoch außer Frage, dass sie wie die anderen Lokalmatadoren Mechanic Tyrants und White Mantis über einige Fans im Publikum verfügten, die sich prächtig amüsierten. Dies galt nicht zuletzt für den Gentleman, der bei fast jeder Band die Bühne erstürmte und so im Laufe des Tages zu einer Art Storm Crusher-Maskottchen mutierte. Nach der langen festivallosen Zeit hatte sich nicht nur bei ihm sehr viel Energie angestaut, die einfach mal raus musste. Wir fanden seinen Aktivismus zumindest recht amüsant…

Um 18.20 Uhr stand unser heimlicher Headliner auf dem Programm: Wheel aus meiner Heimatstadt Dortmund. Am Merchstand hatten wir einige Stunden zuvor unter anderem mit Gitarrist Benjamin Homberger reden können, der uns im Juni im Rahmen eines langen Zoom-Interviews Rede und Antworten gestanden hatte. Dass sowohl Aidan und ich Preserved in Time als heißen Kandidaten für den Titel „Album des Jahres“ einstufen, weiß jeder, der diesen Beitrag kennt und uns auch mal auf Instagram oder Facebook besucht. Um es kurz zu machen: Wheel spielten einen grandiosen Gig, obwohl Doom im Sonnenschein nicht optimal zur Geltung kommen kann. Für zahlreiche Gänsehautmomente sorgte allen voran Sänger Arkadius Kurek, der live ebenso phänomenal klingt wie auf Platte. Seine ausdrucksstarke Interpretation der Songs hat uns nachhaltig beeindruckt – allein Wheel waren im Ganzen gesehen die Anreise aus NRW wert. Wir freuen uns schon auf einen intimen Club-Gig, bei dem die Band noch viel mehr Spielzeit bekommt. Dass sie auch in Weiden alle drei Studioalben mit mindestens einer Nummer berücksichtigten, fanden wir im Übrigen sehr gut, da die Doomer aus dem Pott in ihrer Karriere bislang stets hohe Qualität abgeliefert haben.

Wheel

Viel Zeit zur Erholung gab es nach dieser Sternstunde nicht: Die Sonne verabschiedete sich, als um 19.30 Uhr Lord Vigo Weiden mit einer feurig-nerdigen Show beehrten. Meines Erachtens gehören die Jungs dank ihrer vollkommen makellosen Diskografie zu den fünf spannendsten deutschen Metalbands der Gegenwart. Weil ich es bis dato noch nie geschafft hatte, dem Lord angemessen zu huldigen, war ich besonders gespannt. Auch wenn Aidan und ich in der Setlist den epischen Longtrack „Six Must Die“ vermissten, kamen wir wie alle anderen Anwesenden voll auf unsere Kosten. Musikalisch über jeden Zweifel erhaben („Eternal Saviour“ – Alter Schwede!) – und dazu saucool im Auftreten, es ist schon ein ganz mieser Witz, dass Lord Vigo immer noch ein Geheimtipp jenseits des Undergrounds sind. Wie bei Wheel vergingen die 50 Minuten Spielzeit wie im Fluge… spätestens um 20.20 Uhr stand fest: Die Storm Crusher Birthday Party konnte all unsere Erwartungen erfüllen. Sogar der Wettergott hatte rückblickend betrachtet ein Einsehen gehabt: Obwohl fast für den gesamten Tag Schauer und Gewitter vorhergesagt waren, gab es nur am Nachmittag bei Goath ein paar vereinzelte Tropfen, die sich aber bereits nach wenigen Minuten wieder ganz unspektakulär verabschiedeten.

Lord Vigo

Aber für ein Fazit war es zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch zu früh: Weil ich Chapel of Disease seit 2018 dreimal live erlebt hatte, wusste ich, dass uns noch einmal Großes bevorstand. Ob Aidan das Kölner Death Metal-Quartett schätzen würde, war mir im Vorfeld offen gestanden nicht ganz klar. Aber mein Kollege und Reisebegleiter hat zum Glück zwei recht gut funktionierende Ohren, die offenkundig früh im Set dem kritischen Metal-Hirn meldeten: „Geil! Mehr davon!“ Insofern hatte die gesamte Epic Metal Blog-Chefredaktion sehr viel Spaß beim nominellen Headliner, der dem Weidener Publikum eine bemerkenswerte Mischung aus Brachialität, Filigranität und Erhabenheit kredenzte. Auch wenn die Band qua Stilistik nicht zu 100% zu dieser Plattform passt, werden wir uns sicherlich immer wieder mal mit den Rheinländern beschäftigen. Die Integration von klassischen Metalelementen in ihren letzten Release sowie intelligente Lyrics mit Tiefgang bieten für uns zweifellos genügend Anknüpfungspunkte.

Als kurz vor 22 Uhr die letzten Töne von Chapel of Disease verklungen waren, sah man auf dem Gelände des Salute Clubs ausschließlich glückliche Gesichter. Aidan und ich bildeten da selbstverständlich keine Ausnahme: Wir haben schließlich allesamt viel zu lange auf ein solches unbeschwertes Festival warten müssen. Die Pandemie ist noch nicht überstanden, aber es gibt Wege, um mit ihr zu leben. Wenn sich noch mehr Menschen impfen lassen, ist noch viel, viel mehr möglich! Tut es also…

Last but not least möchten wir uns ausdrücklich beim mutigen Veranstalter, der freundlichen und fleißigen Crew vor Ort sowie allen Bands für einen wunderbaren Tag bedanken! Das Storm Crusher wird ab sofort einen festen Platz in unserem Kalender einnehmen.

Weiden ist fraglos eine Reise wert.

When Aidan sent me the billing of the Storm Crusher Birthday Party in Weiden, Upper Palatinate, a few weeks ago, I didn’t hesitate for a second and answered: We have to go there! With Megaton Sword, Wheel and Lord Vigo, three great bands that are 100% Epic Metal Blog compatible were waiting for us. Moreover, any festival where Chapel of Disease are headliners is a must-see event for any metal fan with taste. And, of course, taste is written in capital letters for us…

After we had already spent a few days in Nuremberg and on site in Weiden getting in the mood in the very best weather, Aidan and I entered the grounds of the Salute Club on 11 September full of expectation. For my colleague it was the first festival since Hammer and Iron in Essen (18.01.2020), I was also waiting for my „comeback“ since Hell over Hammaburg (06./07.03.2020). Since Blind Guardian had already treated us to an excellent live atmosphere in Krefeld the previous week, normality gradually returned to our metal lives after a year and a half of pandemic.

The latter was also reinforced by the fact that I was able to see some old familiar faces from the Deaf Forever Forum again after a long time. I was enormously pleased with every single conversation, whether short or long! Highlights for Aidan and me were undoubtedly the first offline meetings with our regular readers Kevin Portz (Gravety) and Ulrich Greupel as well as the “King of Epic Metal Nerds“ Raphael Päbst (Rafchild Records), who immediately provided us with some exquisite gems that had recently been released on his fine label – the latest records by Mortajas and Olórin, which found their way into our shopping bags, will be dealt with in detail on this blog soon.

But let’s get to the bands that delighted us on stage in Weiden: Mechanic Tyrants from Nuremberg started punctually at 1 pm. Like band number 2, White Mantis from Munich, they played speedy/thrashy tunes, which got the crowd in front of the stage up to operating temperature. Venator was the first band to play at 3 p.m., which is also of interest to the Epic Metal Blog in terms of style – we are always enthusiastic about fresh-sounding heavy metal. So we will definitely keep an eye on the quintet from Linz in the future!

Directly after the Austrians, the first highlight of the festival followed: Megaton Sword had taken the long way from Niralet to cover the Upper Palatinate with epic heavy metal. Unfortunately, the Swiss were the unlucky ones of the Storm Crusher Birthday Party, because only they had a temporary technical breakdown. However, the guys didn’t let this upset them at all – instead, they must have won many new fans with their performance. In any case, I discovered some obviously recently acquired Megaton Sword shirts in the audience afterwards.

After this gig, we enjoyed a little break for food and drink, during which we also had the opportunity to chat with our Powermetal colleague Jonathan Walzer, who not only has fantastic taste in music, but is also a very nice guy. So we didn’t get to hear everything of the Black/Death Metal combo Goath from Nuremberg – but there’s no question that, like the other local heroes Mechanic Tyrants and White Mantis, they had some fans in the audience who were having a great time. This was not least true for the gentleman, who stormed the stage with almost every band and thus mutated into a kind of Storm Crusher mascot in the course of the day. After the long festival-less time, he was not the only one with a lot of pent-up energy that just had to come out. We found his activism at least quite amusing…

At 6.20 pm our secret headliner was on the programme: Wheel from my hometown Dortmund. At the merch stand, we had been able to talk to guitarist Benjamin Homberger, among others, a few hours earlier, who had given us a long Zoom interview in June. Everyone who knows this article and visits us on Instagram or Facebook knows that both Aidan and I consider Preserved in Time to be a hot candidate for the title “Album of the Year“. To cut a long story short: Wheel played a terrific gig, even though doom can’t be shown to its best advantage in the sunshine. Above all, singer Arkadius Kurek, who sounds just as phenomenal live as on record, provided numerous goosebump moments. His expressive interpretation of the songs made a lasting impression on us – all in all, Wheel alone were worth the journey from NRW. We are already looking forward to an intimate club gig where the band will get a lot more playing time. By the way, we liked the fact that they played at least one song from each of their three studio albums in Weiden, as the doomers from the Ruhr area have always delivered high quality in their career so far.

There was not much time to recover after this highlight: the sun said goodbye when Lord Vigo graced Weiden with a fiery, nerdy show at 7.30 pm. In my opinion, the guys are one of the five most exciting German metal bands of the moment, thanks to their completely flawless discography. Because I had never managed to pay proper homage to the Lord before, I was particularly excited. Even though Aidan and I missed the epic long track “Six Must Die“ in the setlist, we got our money’s worth, just like everyone else present. Musically beyond all doubt (“Eternal Saviour“ – incredible!) – and in addition super cool in appearance, it’s quite a bad joke that Lord Vigo are still an insider tip beyond the underground. As with Wheel, the 50 minutes of playing time flew by… by 8.20 pm at the latest, it was clear that the Storm Crusher Birthday Party had fulfilled all our expectations. In retrospect, even the weather gods had been kind: although showers and thunderstorms were forecast for almost the entire day, there were only a few isolated drops in the afternoon at Goath, but they disappeared again quite unspectacularly after a few minutes.

But at this point it was actually too early to draw a conclusion: because I had seen Chapel of Disease live three times since 2018, I knew that great things were in store for us once again. Whether Aidan would appreciate the Cologne death metal quartet was, frankly, not entirely clear to me beforehand. But my colleague and travelling companion fortunately has two rather well-functioning ears, which obviously told the critical metal brain early in the set, “Awesome! More of that!“ In this respect, the entire Epic Metal Blog staff had a lot of fun with the nominal headliner, who served the Weiden audience a remarkable mixture of brute force, filigree and sublimity. Even if the band qua stylistics does not fit 100% to this platform, we will certainly deal with the Rhinelanders again and again. The integration of classical metal elements in their last release as well as intelligent lyrics with depth undoubtedly offer enough points of contact for us.

When the last notes of Chapel of Disease faded away shortly before 10 pm, the Salute Club was filled with happy faces. Aidan and I were of course no exception: after all, we have all had to wait far too long for such a carefree festival. The pandemic is not over yet, but there are ways to live with it. If more people get vaccinated, much, much more is possible! So do it…

Last but not least, we would like to say a big thank you to the brave organiser, the friendly and hardworking crew on site and all the bands for a wonderful day! The Storm Crusher will have a permanent place in our calendar from now on.

Venator

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