Review: Wanton Attack – Wanton Attack

Release: 24/09/2021

Bands, die bei No Remorse unter Vertrag stehen, verdienen prinzipiell unsere Aufmerksamkeit. Die Griechen sind schließlich ein Garant für Qualität im Underground. Um eines vorwegzunehmen: Bei Wanton Attack sieht das erwartungsgemäß nicht anders aus.

Besagtes Duo stammt aus Schweden und besteht aus den erfahrenen Recken Niklas Holm (Gitarre, Bass) und Micael Zetterberg (Schlagzeug, Gesang; u.a. Dautha), die in zahllosen Bands aktiv sind. Das selbstbetitelte Debüt ist das erste Lebenszeichen der Band auf Platte – ob man bei einer Spielzeit von 28:35 Minuten wirklich von einer Full-Length sprechen kann, sei dahingestellt.

Wenn man sich Promo-Texte durchliest, fällt in Bezug auf Wanton Attack ständig der Name Mercyful Fate als Referenz. Das führt ein wenig in die Irre: Auch mein Kollege Aidan merkte erst gestern völlig zurecht an, dass der Gesang von Zetterberg demjenigen von King Diamond überhaupt nicht ähnelt. Falsett-Freunde dürften daher mutmaßlich enttäuscht sein, wenn sie Wanton Attack lauschen. Auch die charakteristischen wilden Gitarrenabfahrten der dänischen Legende finden sich hier nicht. Eine Parallele sehe ich jedoch im Bereich Atmosphäre: Bei den beiden Schweden geht es ähnlich okkult und düster angehaucht zu wie zum Beispiel auf den beiden Jahrhundertwerken Melissa und Don’t Break The Oath. Insofern ist der eingangs erwähnte Vergleich nicht gänzlich aus der Luft gegriffen. Es stellt sich nur die Frage, ob man damit nicht doch insgesamt betrachtet falsche Erwartungen weckt.

Wanton Attack ist zum Beispiel viel roher und schmutziger als die beiden genannten Mercyful Fate-Alben. Zetterberg singt nicht nur tiefer, sondern auch rotziger als der King, verfügt aber ebenfalls über eine ausdrucksstarke Stimme, der man einen hohen Wiedererkennungswert bescheinigen darf. Geboten wird uns klassischer Metal, der wie so oft nichts neu erfindet, aber fraglos als ideenreich durchgeht. Im Hinblick auf das Songwriting ist zu erwähnen, dass Wanton Attack ein Händchen für Hooks haben, die man schon nach wenigen Durchgängen nicht mehr aus dem Ohr bekommt. Hier ist allen voran an den Opener „Demonic Forces Prevail“ und die direkt darauf folgende Bandhymne „Wanton Attack“ zu denken. Allerdings muss sich auch die Singleauskopplung „His Master’s Voice“ keineswegs vor diesen beiden starken Nummern verstecken. Abwechslungsreichtum ist ebenfalls geboten – der verspielte instrumentale Schlusstrack „Arrogant Humanity“ mag bereits auf künftige Releases hindeuten, auf denen auch mal Synths dominant zum Einsatz kommen.

Fazit: Wanton Attack liefern ein gutes, kompaktes Debüt ab, das Appetit auf mehr macht. Zwei Songs mehr wären allerdings durchaus wünschenswert gewesen, um mehr als eine längere EP abzuliefern und vor allem noch mehr Facetten zu zeigen. Wir haben es angesichts der okkulten Atmosphäre, die im Übrigen vom traumhaft schönen Bandlogo perfekt eingefangen wird, eher mit Rotwein- als mit Bier-Metal zu tun. Wenn man abends das Licht ausschaltet und ein paar Kerzen anzündet, kommen die sieben Kompositionen am besten zur Geltung. Nehmt euch für einen ersten Durchgang also ruhig ein bisschen Zeit.

Conclusion: Wanton Attack deliver a good, compact debut that whets the appetite for more. However, two more songs would have been desirable to deliver more than a longer EP and to show even more facets. In view of the occult atmosphere, which by the way is perfectly captured by the fantastically beautiful band logo, we are dealing with red wine metal rather than beer metal. When you switch off the lights in the evening and light a few candles, the seven compositions come into their own best. So take a little time for a first listen.

Performance: 80%
Songwriting: 85%
Creativity: 75%
Variety: 80%
Entertainment: 85%

OVERALL: 81%

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