Review: Trouble – One for the Road / Unplugged

Release: 01/10/2021

Wer im Jahr 1994 das große Glück hatte, die US-amerikanischen Doom-Heroen Trouble auf ihrer Europa-Tournee zu sehen, hatte die Gelegenheit, die auf 1.500 Exemplare limitierte EP One for the Road zu erwerben. Dass es sich bei diesem 5 Tracks umfassenden Release seit einigen Jahren um ein ziemlich beliebtes Sammlerstück handelt, offenbart eine kurze Discogs-Recherche: Dort ist die CD nämlich schon für über 50 Euro über die virtuelle Ladentheke gewandert, der Durchschnitt liegt bei gut 34 Euro. Vor diesem Hintergrund dürften sich manche Fans über die nun mühelos erhältliche Neuauflage freuen, die sogar für diejenigen interessant ist, die bereits das Original besitzen und sich eigentlich gar nicht um einen Remaster scheren.

One for the Road gibt es nämlich erstmals auch auf Vinyl. Noch interessanter ist aus meiner Perspektive jedoch die Doppel-CD-Auflage: Neben der angesprochenen EP gibt es als sehr umfangreichen Bonus eine Extended Version der EP Unplugged, die Ende 2007 einige Monate nach Simple Mind Condition, dem letzten Studioalbum mit Eric Wagner, erschienen war. Ursprünglich enthielt die auf 1.000 Exemplare limitierte CD sechs Stücke, allerdings konnten Trouble-Fans bereits im Jahr 2009 eine Ausgabe erwerben, auf der vier zusätzliche Nummern (mit Strom!) zu hören waren. Diese 10-Song-Edition liegt bildet nun mit der oben vorgestellten 1994er-EP das Duo One for the Road / Unplugged.

Vor diesem Hintergrund steht es wohl außer Frage, dass Anhänger der Doom-Formation aus Chicago bei diesem Reissue begeistert zugreifen dürften. Für Gelegenheitshörer oder Neueinsteiger ist das Ganze vermutlich weniger interessant. Allen voran die ursprünglichen sechs Unplugged-Songs sind nicht jedermanns Sache: CD2 ist eine entspannte Angelegenheit, bei welcher nicht zuletzt Eric Wagner glänzen kann, aber für zahlreiche Metal-Jünger ist dies mutmaßlich etwas zu entspannt. Ich muss zugeben, dass mir Unplugged gefällt: Am Ende eines stressigen Tages kann man hier wirklich abschalten und sich woanders hinträumen. In der richtigen Stimmung ist dieser Bonus tatsächlich ein großer Mehrwert. Wer sich für das Dargebotene absolut nicht erwärmen mag, wird wohl zur Vinyl-Ausgabe greifen, auf der man sich auf das Herzstück One for the Road konzentrieren kann. Diese EP zeigt Trouble in Bestform: „Goin‘ Home“ ist ein echter Hit, der 13 Jahre nach der Erstveröffentlichung als Opener der bereits genannten Scheibe Simple Mind Condition fungierte. Aber auch alle anderen, sehr kompakten Kompositionen gehen dank eines grandiosen Riffings, einer formidablen Rhythmusabteilung und ausgezeichneter Doom-Hooks sofort ins Ohr: „Window Pain“ und „Doom Box“ sind Tracks, die im Grunde genommen keine Band auf diesem Planeten dauerhaft von ihrer Setlist streichen dürfte. Bei Trouble spielten sie in der Vergangenheit leider keine nennenswerte Rolle, lediglich an „Goin‘ Home“ durften sich die Fans ab und zu erfreuen.

Fazit: One for the Road / Unplugged zeigt einmal mehr eindrucksvoll, welch einen großen Künstler die Welt mit Eric Wagner unter ganz besonders tragischen Umständen verloren hat. Wer ihn und seine herausragende Ex-Band Trouble ehren möchte, sollte einfach beim Händler senes Vertrauens zuschlagen – ihr bekommt viel für euer Geld und werdet einige Gänsehautmomente erleben!

Conclusion: One for the Road / Unplugged once again impressively shows what a great artist the world has lost in Eric Wagner under particularly tragic circumstances. If you want to honour him and his outstanding ex-band Trouble, you should simply go to your local dealer – you’ll get a lot for your money and experience some goosebump moments!

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