Live Report: Mead & Greed-Festival (01+02/10/2021)

Während mein geschätzter Freund und Kollege André diesen Freitag in Oberhausen war, um klassischen Stahl in dreifacher Besetzung beizuwohnen, verschlug es mich … ebenfalls nach Oberhausen. Allerdings hatte dieser musikalische Ausflug ein leicht anderes Ziel. Denn neben meiner Leidenschaft für den traditionellen Metal, bin ich als angehender Historiker auch ein Riesenfan von Folkmusik, sei es in Kombination mit harten Klängen oder in traditionell-akustischer Form. Insofern war das Mead & Greed-Festival, zwei Tage voller Pagan Metal, Folk Metal und Folk Rock, für mich eine absolute Pflichtveranstaltung.

Vorneweg muss man sagen, dass das Organisationsteam des Festivals unglaublich viel durchstehen musste. Ursprünglich sollte das Mead & Greed nämlich schon im März 2020 stattfinden, war aber eine der Veranstaltungen, die der Pandemie nicht mehr zuvorkommen konnten. Ein Alternativtermin im Oktober desselben Jahres fiel trotz aller Anstrengungen den genau dann ansteigenden Coronazahlen ebenfalls zum Opfer. Dazu kamen Ausfälle heiß ersehnter Bands, wie Black Messiah und Skiltron. Nun, ziemlich genau ein Jahr später, war es endlich so weit – unglaublich wie schnell und durch die Pandemie verschwommen die Zeit vergangen ist. Und um all dem Schweiß und all den Tränen, die in der mühseligen Planung gesteckt haben müssen, einen Sinn zu geben, sollten diese zwei Tage ein unvergessliches Fest werden!

Als ich pünktlich zum Einlass am Resonanzwerk ankam, wurde ich direkt von dem angenehmen Geruch frisch zubereiter Speisen begrüßt. Den Essensstand, der vor allem dadurch glänzen konnte, dass es neben dem typischen Festivalessen auch hochwertige vegetarische und vegane Alternativgerichte gab, sollte ich im Laufe der zwei Tage noch des Öfteren besuchen. Generell war der Schauplatz sehr angenehm, so hatte man sowohl Indoors, als auch Outdoors genug Platz, um lässig zu plaudern, sich zu stärken und die Umbauzeiten zwischen den Auftritten zu überbrücken. Merchstand, Toiletten und Gaderobe waren alle gut zugänglich und auch die Getränkebar wusste zu überzeugen. Denn der Name war Programm; in einer Kollaboration mit Metwabe stellte man nämlich eine große Bandbreite verschiedener Honigweine zur Verfügung, die meinen Beobachtungen zur Folge auf viel Anklang stießen. Der Verfasser dieser Zeilen konnte aufgrund der Einnahme von Medikamenten leider keinen Tropfen Met zu sich nehmen *schluchz*. Die Metverkostung und das anschließende Review folgt also erst Anfang April, denn da findet bereits das nächste Mead & Greed-Festival statt. Im Sinne aller Beteiligten: Diesmal hoffentlich ohne jedwedige Komplikationen.

Die Halle war ebenfalls gut gewählt, bot sie doch einerseits ausreichend Platz für alle Anwesenden, ohne dass es stickig wurde oder zu leer wirkte, und andererseits einen ziemlich guten Sound. Soundausfälle waren ebenfalls selten und konnten, wenn auftretend, schnell behoben werden. Zum Ablauf bleibt mir nichts anderes übrig, als meinen größten Respekt an alle Beteiligten auszusprechen. Was hier auf die Beine gestellt wurde, war wirklich hervorragend!

Tag 1

Nun zur Musik: Eröffnet wurde das Festival durch die Düsseldorfer Power Folk Metal-Band Fabula Rasa. Mit den heiteren Klängen gelang es recht schnell, die Halle ordentlich zu füllen. Sie stellten vor allem ihr Melodieverständnis unter Beweis, welches durch die dezent eingesetzte Violine schön untermauert wurde, ohne dabei völlig in den Kitschabgrund abzurutschen. Aufgrund einer überschaubaren Diskographie, bis jetzt nur eine EP, entschied man sich noch für ein Cover. Und wie kann man eine Meute konzertdurstiger Metalheads besser einheizen als mit Blind Guardians „Valhalla“? Alles in allem ein vielversprechender Auftakt!

Danach ging es mit einer Band weiter, die ohne auch nur einen Ton gespielt haben zu müssen, auf mich eine große Faszination ausstrahlte. Die Rede ist von Akando, einer Melodic Death Metal-Band aus Saarbücken, die sich sowohl optisch als auch inhaltlich mit der Geschichte und den Legenden der nordamerikanischen Ureinwohner auseinandersetzt. Auch wenn die Band zu Beginn etwas Probleme hatte, die großen Massen anzulocken, was auch an dem oben bereits angesprochenen Essenstand gelegen haben könnte, steigerte der starke Auftritt meine Faszination nur noch mehr, weswegen ich mich in Zukunft definitiv mehr mit der Band beschäftigen werde!

Thorondir, eine Pagan Metal aus Bayern, stellte meine Nackenmuskulatur daraufhin auf die erste Zerreißprobe. Auch wenn ich im Vorhinein bereits in die Band hineingeschnuppert hatte und viel Gefallen an ihr gefunden hatte, legten sie auf der Bühne nochmal eine Schippe mehr drauf. Eingängige Melodien, verzaubernde Atmosphäre und barbarische Aggressivität sorgten für ein wahrlich intensives Erlebnis.

Anschließend bestieg die Pirate Metal-Band Storm Seeker, die wie ich aus Novesia kommen, die Bühne und was die Interaktion mit dem Publikum angeht, stellten sie definitiv ein Highlight da. Denn ähnlich wie die Genrevertreter Alestorm, haben auch Storm Seeker einen sehr humoristischen Ansatz in ihrem Auftreten. Allerdings unterscheidet sie, dass sie sich anders als Alestorm nicht lächerlich machen. Auch wenn ich nicht weiß, wie oft ich mir die CD der Band auflegen würde, war es ein sehr unterhaltsamer Auftritt, der zusätzlich sehr emotionale Momente in sich barg. Ein Erlebnis, das ich zukünftig gerne wiederholen werde.

Abgeschlossen wurde der Tag durch Obscurity – der Hauptgrund für mich, das Festival zu besuchen. Die Band aus dem Bergischen Land, die sowohl Pagan und Black Metal, als auch Melo Death in ihrer Musik vereinen, faszinieren mich schon lange, vor allem auf der lyrischen Ebene. Denn in vielen ihrer Lieder befassen sich Obscurity mit der Geschichte und den Mythen aus dem Bergischem Land. Die Pandemie hatte die Band genutzt, ihr neustes Album Skogamoras fertigzustellen und das Resultat lässt sich definitiv sehen: für mich zählt es zu den besten, die die Band aufgenommen hat. Insofern konnte man mit der Setlist, einer Mischung aus alten Klassikern und neuen Songs, wenig falsch machen. Meine riesigen Erwartungen konnte der Auftritt definitiv erfüllen. Nicht nur die Fans, sondern auch die Band selbst sehnten sich nach Normalität und genau das konnte der Abend bieten. Den Emotionen wurde freie Bahn gelassen, was einer ohnehin schon recht emotionalen, aggressiven Musikrichtung natürlich nur zugutekommt. Ein grandioser Abschluss für einen tollen ersten Tag.

Tag 2

Da am zweiten Tag eine Band mehr spielen sollten, ging es am Samstag bereits etwas früher los, diesmal mit Cantus Levitas, einer baden-württembergische Folk Metal-Band mit Dudelsack. Auch wenn andere, ich und vor allem mein Nacken den Vortag noch ordentlich spürten, versetzte die Musik die eine und den anderen bereits in Feierlaune und sorgte dafür, dass der Alkohol so richtig ins Fließen kam.

Die nächste Band, Crusade of Bards, war ebenfalls eine interessante Formation, eine Symphonic Metal-Band aus Madrid mit zwei Sängern und einer Sängerin. Während ich, zumindest zu Beginn, Probleme mit der Musik hatte, was daran liegen könnte, dass die Bass Drum den Gesang etwas überdeckt hat, konnten sie bei vielen Begeisterung auslösen. Wobei auch erwähnenswert ist, dass die Songs zum Teil echt interssante Strukturen sowie eingängige Passagen vorzuweisen haben. Genrefans sollten die Band im Auge behalten!

Kultasiipi aus der südlichsten Stadt Finnlands … , Berlin, singen nicht nur auf Finnisch, sondern behandeln inhaltlich auch finnische Mythen und Gedichte, die größtenteils eine enge Naturverbundenheit aufweisen, was die Band durch ihr Auftreten durchaus widerspiegelte. Musikalisch variieren sie zwischen dunklem Folk Metal und klassischer Folkmusik mit akkustischen Instrumenten, wie einer Hafe oder Flöte. Ersteres gefiel mir zwar etwas besser, allerdings sorgte die Mischung für einen sehr unterhaltsamen Auftritt, der die Stimmung in der Halle weiter lockerte.

Darauf folgte eine eher traurige Nachricht: Ein Mitglied der Band Brachmond war krank geworden, weswegen, die Band nicht auftreten konnte. Erfreulicherweise schaltete die „Folk You Crew“ des Mead & Greed schnell und sorgte für ein spaßiges Ersatzprogramm. Wie es der Zufall nämlich wollte, war die Mittelalter Rock-Band Mythemia mit ihrem vollen Line-Up in der Crew vertreten, welche daraufhin spontan einsprang und für Aufheiterung sorgten. Gute Laune und Tanz waren ein ausreichender Trost.

Finsterforst – nein Aidan, nicht Finsterfrost – aus dem Schwarzwald sind für Black Messiah in das Billing nachgerückt und die Vorfreude war spürbar groß. Das liegt zum Teil auch daran, dass Finsterforst keine gewöhnliche Folk- oder Pagan Metal-Band ist. Einerseits zeichnen sie sich durch intelligente anthropologisch-philosophische Lyrics, andererseits durch komplexe, fast schon progressive Songstrukturen in Überlänge aus, man siehe „Ecce Homo“ mit über 35 Minuten Laufzeit. Was einen vor der Bühne erwartete, war eine mitreißende Wucht, von der ich mir nicht vortstellen kann, dass sie irgendeine anwesende Person an dem Abend kalt gelassen hat. Dies zu überbieten, schien unvorstellbar, aber die Gedanken an den nachfolgenden Auftritt lösen immer noch Gänsehaut bei mir aus…

An Bekannheit konnte keine anwesende Band Heidevolk auch nur ansatzweise das Wasser reichen. Dementsprechend waren die Erwartungen exorbitant. Als ein großer Fan ihrer recht episch klingenden Alben freute ich mich sehr auf den Auftritt, aber all meine Erwartungen und auch nur Vorstellungen wurden gesprengt! Was ich erleben durfte, war ein Auftritt der an Intensität, Leidenschaft und Emotion seinesgleichen sucht. Sich mit wildfremden Menschen in den Armen zu liegen, Personen fassunglos die Bühne anstarren zu sehen und wie elektrisiert jeden Ton durch seinen Körper schießen zu fühlen, kreiert eine Erinnerung, die einen nicht mehr loslässt!

Fazit: Der Auftritt von Heidevolk markierte einen perfekten Abschluss zu einem unvergesslichen Festival. Viel ist wahrscheinlich der Pandemie geschuldet, aber solch eine Stimmung habe ich schon lang nicht mehr erlebt. Die Begeisterung hat man nicht nur den Zuschauenden, sondern auch der tollen Crew und vor allem den spielenden Bands angemerkt. Hierbei gebührt der Crew ganz besonderer Respekt und Dank. So etwas nach all den Hindernissen durchzusetzen, sich nicht durch unerwartete Ausfälle aus der Fassung bringen zu lassen und dabei völlige (natürlich coronakonforme) Normalität aufleben zu lassen, ist immer noch unglaublich. Insofern: Für jeden Fan folkiger Klänge ist das Mead & Greed Festival eine Pflichtveranstaltung! Eines steht fest: 2022 bin ich wieder dabei!

PS: Ehre gebührt dem DJ der Crew, der/die in einer Pause Fer De Lance abgespielt hat!

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