Review: Seven Sisters – Shadow of a Fallen Star Pt. I

Release: 22/10/2021

Erst kürzlich habe ich in meinem zweiten NWOTHM-Artikel einige Zeilen über die großartigen Seven Sisters verfasst, die auch zu Aidans Lieblingsbands zählen (lest euch mal sein Interview mit Sänger/Gitarrist Kyle durch). Vor diesem Hintergrund ist bereits klar: Das englische Quartett hat auf diesem Blog ein Heimspiel… Man könnte es aber auch anders formulieren: Unsere Erwartungen waren vor dem Release des Seven Sisters-Drittwerkes Shadow of a Fallen Star Pt. I ganz besonders hoch – die Gefahr, enttäuscht zu werden, ist in solch einem Fall nicht klein.

Damit ihr vor lauter Anspannung keinen Herzinfarkt bekommt, sage ich es gleich: Kyle, Graeme (Gitarre), Gaz (Bass) und Sammy (Schlagzeug) enttäuschen ihre stetig wachsende Fanschar in keinster Weise, ganz im Gegenteil! Shadow of a Fallen Star Pt. I ist ohne Wenn und Aber das bisherige Highlight in ihrer ohnehin schon ziemlich beeindruckenden Diskographie. Die Einladung zum Keep it True Rising kommt demnach genau zu rechten Zeit! Mein Platz in der ersten Reihe ist bereits reserviert…

Bevor wir näher auf die Songs schauen, zunächst ein paar Worte zum Personal: Das vorliegende Album ist fraglos eine Zäsur in der Bandgeschichte, weil mit Gaz und Sammy (ehemaliger Fahrer und Merch-Verkäufer der Band) eine rundum erneuerte Rhythmusabteilung am Start ist. Auch wenn in den Reihen von Seven Sisters immer gute Musiker gespielt haben, möchte ich dennoch ausdrücklich betonen, dass die beiden der Truppe richtig guttun. Als Musiker, aber sicherlich ebenso als Typen – Gaz ist zum Beispiel auf den Social Media-Kanälen der Jungs sehr aktiv und stets bemüht, die Anhängerschaft – nicht zuletzt im Fanclub auf Facebook – zu unterhalten. Selbiges gilt im Übrigen für Kyle, der sehr viel Zeit investiert, um Seven Sisters mit Metalfans aus aller Welt zu vernetzen und mit ihnen zu interagieren. Man denke in diesem Zusammenhang vor allem an die Gelegenheit, Shadow of a Fallen Star Pt. I bereits mehrere Monate vor dem Release im Rahmen eines Facebook-Events zweimal nacheinander zu hören. Dieses Engagement bzw. diese Fannähe ist gewiss nicht selbstverständlich.

Außergewöhnlich ist, wie oben bereits geschrieben, erfreulicherweise auch die Qualität der Musik. Wie an anderer Stelle auf diesem Blog schon einmal dargelegt, gibt es seit Jahren zwei Stärken, mit denen Seven Sisters aus der Masse an NWOTHM-Bands hervorstechen: 1) Kyle und Graeme sind das beste Gitarrenduo ihrer Generation – auch auf dem neuen Album entlocken sie ihren Sechssaitern traumhaft schöne Melodien, die mich tief berühren. Die beiden spielen mit so viel Können und Herzblut, dass man schon allein wegen ihrer Darbietung immer wieder die Repeat-Taste betätigen möchte. Wer immer noch Tipton//Downing oder Shermann/Denner hinterhertrauert, sollte einfach mal in der Gegenwart ankommen und sich für junge Künstler öffnen. 2) Des Weiteren ist Kyle ein Sänger mit einer einzigartigen Stimme, die man aus Tausenden heraushört. Ihm gelingt es stets, mich zu erreichen, insbesondere in den melancholisch-verträumten Passagen, die mein bisweilen stark ausgeprägtes Eskapismus-Bedürfnis befriedigen.

Eskapismus ist ohnehin ein gutes Stichwort: Die Band nimmt uns mit auf eine spannende Sci-Fi-Reise, die – der Albumtitel legt es bereits nahe – in der Zukunft fortgesetzt wird. Schon der wundervolle instrumentale Opener „Andromeda Rising“ öffnet die Pforten zu einer anderen, geheimnisvollen Welt, in der banale Alltagssorgen keine Rolle spielen. Das majestätische Artwork von Ryan T. Hancock tut diesbezüglich sein Übriges – man möchte es sich stundenlang anschauen, um vollständig darin zu versinken. Die sieben Songs, die in den folgenden knapp vierzig Minuten zu hören sind, bewegen sich allesamt auf einem atemberaubend hohen Niveau. „Beyond the Black Stars“ besticht mit einem harten Riffing und den bandtypischen einprägsamen Gesangslinien, welche die gesamte Scheibe auszeichnen. Glanzlichter hervorzuheben, ist im Grunde genommen unmöglich, da Shadow of a Fallen Star Pt. I ein Gesamtkunstwerk ist, welches mit einem klugen Spannungsbogen beeindruckt und somit herrlich fließt. Jeder Track hat seinen eigenen Charakter, keine Sekunde ist verzichtbar. In puncto Songwriting greifen Seven Sisters demnach wahrlich nach den Sternen.

Dennoch gibt es Kompositionen, die ich ins Rampenlicht rücken muss: „Horizon’s Eye“ ist einer der besten Songs des Jahres – hier passt einfach alles, der Chorus bereitet mir jedes Mal eine fette Gänsehaut. Auch dank des wie immer starken Riffings, welches nicht zuletzt vom nicht minder fantastischen Drumming von Sammy perfekt untermalt wird, komme ich nach mehreren Durchgängen zu der Schlussfolgerung: Wenn mich demnächst jemand fragt, wie Metal im Jahr 2021 (und darüber hinaus) klingen sollte, spiele ich ihm diese Nummer vor. An guten Tagen würde ich noch eine zweite Granate, die keinen Deut schwächer ist, hinterherschieben: „Shadow of a Fallen Star“, das Titelstück, ist ebenfalls ein unwiderstehlicher Hit und heißer Kandidat für den Titel „Song des Jahres 2021“.

Die größte Überraschung auf Seven Sisters-Album Nr. 3 ist zweifellos „Wounds of Design“. Bereits bei der oben erwähnten Listening Session war ich im positiven Sinne geplättet: Darf man hier von einer Metal-Halbballade sprechen? Ich kenne mich mit ruhigen Sachen offen gestanden nicht so gut aus, insofern mag man mich korrigieren. Was ich aber mit Gewissheit sagen kann, ist, dass die Nummer an Emotionalität nicht zu überbieten ist. Man hat das Gefühl, dass die Musiker ihren Zuhörern einen Blick in ihr Innerstes gestatten. Das ist Musik mit offenem Visier, ohne doppelten Boden – verletzlich, ehrlich, erhaben. „Wounds of Design“ ist die ebenso überragende wie ergreifende Antwort auf all den generischen, blutleeren Plastikschrott, der auch unsere Szene tagtäglich überschwemmt. DAS ist Kunst!

Fazit: Seven Sisters gehören zu den wenigen Bands, denen es gelingt, sich von Release zu Release erheblich zu steigern. Der Vorgänger The Cauldron and the Cross war bereits ein nahezu perfektes Heavy Metal-Album. Shadow of a Fallen Star Pt. I ist aber noch mehr als das, viel mehr sogar: Die Briten schaffen im Jahr 2021 ein hochemotionales, anspruchsvolles und komplett (!) eigenständig klingendes Kunstwerk, das seinesgleichen sucht – und nicht findet. Seven Sisters sind nicht nur die beste NWOTHM-Band auf diesem Planeten, sondern qualitativ die legitimen Nachfolger all der Genregrößen, die in den nächsten Jahren unweigerlich abtreten werden. Kyle, Graeme, Gaz und Sammy haben es nicht nur verdient, auf den wichtigsten Metal-Festivals wie dem Keep it True zu spielen. Sie haben es verdient, Headlinerpositionen zu übernehmen, weil sie die perfekte Symbiose aus Fleiß, Talent und Seele darstellen. Wenn die Welt ein halbwegs gerechter Ort ist, werden uns Nachwuchs-Metalfans in ein paar Jahrzehnten mit leuchtenden Augen und voller Neid fragen, welch ein großartiger Moment es gewesen sein muss, erstmals das frisch veröffentlichte, legendäre Shadow of a Fallen Star Pt. I zu hören. Ich würde in solch einem Fall wohl glückselig lächeln und sagen: Lest euch einfach meinen ersten 100%-Review auf dem Epic Metal Blog durch. Der Titel „Album des Jahres 2021“ war bereits im Oktober vergeben. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, Seven Sisters! Danke für die schönen, aufregenden Stunden, die ihr mir bereits mit eurer neuen Scheibe geschenkt habt.

Performance: 100%
Songwriting: 100%
Creativity: 100%
Variety: 100%
Entertainment: 100%

OVERALL: 100% (Album of the Year)

Seven Sisters on Bandcamp.

Just recently, I wrote a few lines about the great Seven Sisters, who are also one of Aidan’s favourite bands (read his interview with singer/guitarist Kyle), in my second NWOTHM article. With this in mind, it’s already clear that the English quartet has a home match on this blog… But you could also put it another way: Our expectations were particularly high before the release of Seven Sisters‘ third full-length Shadow of a Fallen Star Pt. I – the danger of becoming disappointed is not small in such a case.

So that you don’t get a heart attack from all the tension, I’ll say it straight away: Kyle, Graeme (guitar), Gaz (bass) and Sammy (drums) do not disappoint their constantly growing fan base in any way, quite the opposite! Shadow of a Fallen Star Pt. I is without a doubt the highlight of their already impressive discography. The invitation to the Keep it True Rising festival comes just at the right time! My spot in the front row is already reserved….

Before we take a closer look at the songs, a few words about the personnel: This album is undoubtedly a caesura in the band’s history, because with Gaz and Sammy (former driver and merch guy of the band), a completely renewed rhythm section is at the start. Even though there have always been good musicians in the ranks of Seven Sisters, I would like to emphasise that the two of them really do the band good. As musicians, but certainly also as characters – Gaz, for example, is very active on the lads‘ social media channels and always tries to entertain his followers, not least in the fan club on Facebook. The same goes for Kyle, by the way, who invests a lot of time in connecting Seven Sisters with metal fans from all over the world and interacting with them. In this context, think of the opportunity to listen to Shadow of a Fallen Star Pt. I twice in a row at a Facebook event several months before the release. This commitment or this accessibility is certainly not a matter of course.

As already written above, the quality of the music is also exceptional. As explained elsewhere on this blog, there have been two strengths for years with which Seven Sisters stand out from the mass of NWOTHM bands: 1) Kyle and Graeme are the best guitar duo of their generation – also on the new album they elicit dreamlike melodies from their six-stringers that touch me deeply. The two of them play with so much skill and heart and soul that you want to press the repeat button again and again just because of their performance. Those who still mourn Tipton//Downing or Shermann/Denner should simply arrive in the present and open up to young artists. 2) In addition, Kyle is a singer with a unique voice that you can hear out of thousands. He always manages to reach me, especially in the melancholic, dreamy passages that satisfy my sometimes strong need for escapism.

Escapism is a good keyword anyway: the band takes us on an exciting sci-fi journey that – the album title already suggests it – continues in the future. Already the wonderful instrumental opener “Andromeda Rising“ opens the gates to another, mysterious world in which banal everyday worries play no role. The majestic artwork by Ryan T. Hancock does the rest in this respect – you want to look at it for hours to completely sink into it. The seven songs that can be heard in the following forty minutes are all on a breathtakingly high level. “Beyond the Black Stars“ captivates with its hard riffing and the band-typical catchy vocal lines that characterise the entire record. To point out highlights is basically impossible, because Shadow of a Fallen Star Pt. I is a total work of art, which impresses with a clever arc of tension and thus flows wonderfully. Each track has its own character, no second is dispensable. In terms of songwriting, Seven Sisters are truly reaching for the stars.

Nevertheless, there are compositions that I have to put in the spotlight: “Horizon’s Eye“ is one of the best songs of the year – everything just fits here, the chorus gives me fat goosebumps every time. Also thanks to the as always strong riffing, which is not least perfectly underlined by Sammy’s no less fantastic drumming, I come to the following conclusion after several playthroughs: If someone asks me in the future how metal should sound in the year 2021 (and beyond), I’ll spin this number for them. On a good day, I would follow it up with a second cracker that is not a bit weaker: “Shadow of a Fallen Star“, the title track, is also an irresistible hit and a hot candidate for the title “Song of the Year 2021″.

The biggest surprise on Seven Sisters album no. 3 is undoubtedly “Wounds of Design“. Already at the above-mentioned listening session I was positively floored: Can one speak of a metal half-ballad here? Frankly, I don’t know much about quiet stuff, so you may correct me. But what I can say with certainty is that the number cannot be surpassed in emotionality. You get the feeling that the musicians allow their listeners a glimpse into their innermost being. This is music with an open visor, without a false bottom – vulnerable, honest, sublime. “Wounds of Design“ is the equally outstanding and moving answer to all the generic, bloodless plastic junk that also floods our scene every day. THIS is art!

Conclusion: Seven Sisters are one of the few bands who manage to improve considerably from release to release. The predecessor The Cauldron and the Cross was already an almost perfect heavy metal album, but Shadow of a Fallen Star Pt. I is more than that, much more even: In the year 2021, the Brits create a highly emotional, sophisticated and completely (!) independent-sounding work of art that seeks its equal – and does not find it. Seven Sisters are not only the best NWOTHM band on this planet, but qualitatively the legitimate successors of all the genre giants who will inevitably retire in the next few years. Kyle, Graeme, Gaz and Sammy not only deserve to play major metal festivals like Keep it True. They deserve to take headlining positions because they are the perfect symbiosis of hard work, talent and soul. If the world is a halfway fair place, in a few decades‘ time, new generation metal fans will ask us with shining eyes and full of envy what a great moment it must have been to hear the freshly released, legendary Shadow of a Fallen Star Pt. I for the first time. In such a case, I would probably smile blissfully and say: Just read my first 100% review on the Epic Metal Blog. The title “Album of the Year 2021″ was already taken in October. In this sense: Congratulations, Seven Sisters! Thank you for the wonderful, exciting hours you have already given me with your new record.

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