Review: Night Cobra – Dawn of the Serpent

Release: 11/02/2022 

Und schon wieder wartet hier eine Debüt-Scheibe darauf, den Weg in unsere Abspielgeräte zu finden, und dieses Mal würde wohl jeder Slytherin-Fan seine helle Freude haben. Night Cobra schieben nach einer EP nun die erste Langrille in die Welt hinaus: Dawn of the Serpent heißt das gute Stück. Obwohl, Moment, gut? Das bliebe ja erst mal nachzuhören. Im Presseinfo steht vollmundig, dass die Band aus dem texanischen Houston („Wir haben ein Problem“) keinen Titel der zuvor veröffentlichten EP Praise of the Shadow neu vertont hätte, ich persönlich finde das ja durchaus begrüßenswert. Jeder Song hat seine Zeit und seinen Kontext, Neuaufnahmen sind eigentlich immer überflüssig. Und was hätte eine neue Band denn überhaupt künstlerisch zu sagen, wenn sie auf ihrem ersten Album bereits veröffentlichte Tracks wiederkäuen würde? Nuff said.

Los geht die Scheibe mit einem ganz kurzen Synth-Intro so zwischen „Silvester Anfang“ und italienischem Giallo à la Lucio Fulci, in etwa so, wie es unter anderem auch die Bielefelder Vulture auf ihren Alben eingebaut haben… ich mag sowas ja, ich find’s atmosphärisch. Aber ich mag ja auch 80er-Jahre-Horrorstreifen aus Italien und verbinde mit dem Sound etwas. Night Cobra werden den Synthesizer noch ein paar Mal auf der Scheibe hervorholen, aber keine Sorge, in der Regel nur für Intros, nie als Plastik-Untermalung der Titel. 

Dann setzt der Gesang ein, und ich stutze. Hey, das klingt ja schon etwas nach Musik aus der schwarzen Szene, etwas gotisch-rockig-melodisch also, das ist ja auch mal ganz nett, so als Abwechslung, aber auf der anderen Seite wissen wir ja auch alle um die Bedeutung des Wortes nett. Ich muss persönlich sagen, ich mag meine Goten ja am liebsten als Westgoten, also Visigoth. Einen Tusch, bitte.

Aber, das Leben ist weder ein Ponyhof noch ein Wunschkonzert, und hier geht‘s um Night Cobra.  Die ersten beiden Songs des Albums packen mich kaum, plätschern auch beim wiederholten Hören an mir vorbei, zu schief ist der Gesang, zu uninspiriert und generisch das Riffing. Die Titel kommen für meinen Geschmack zu wenig auf den Punkt, sind nicht zwingend genug. Okay, im Fahrstuhl würde ich sie mir anhören, aber das sollte ja nicht der Maßstab sein, denn im Fahrstuhl kann ich zumindest zwischen den Stockwerken nicht weglaufen. Vielleicht liegt es auch am Gesang, der kaum Kraft, kaum Energie vermittelt, und die Songs so eher ausbremst. Tatsächlich interessant für meine Ohren wird die Scheibe dann so ab Track 3, „Lost in Time“. Auf einmal tut sich da kompositorisch etwas, die Songs werden tighter, griffiger, kommen mehr zur Sache und werden dadurch auch hörbarer, sodass es auch endlich vergnüglicher wird, sich das „Schlangen-Morgengrauen“ der Nacht Kobra in den Gehörgang zu dübeln. Klar, die Scheibe wird nicht von einem Song auf den anderen zum Volltreffer, aber immerhin besser.  

Zum Glück bleibt das dann auch so bis zum sehr schnell erreichten Ende von Dawn of the Serpent, denn das Teil läuft nur knapp 32einhalb Minuten, ist also ziemlich kurz. Insbesondere wenn man das Ganze mal ausrechnet und von dieser spärlichen Laufzeit noch die atmosphärischen Synthesizer und die beiden lahmen Titel zu Beginn der Scheibe abzieht. Unterm Strich bleiben also 20 Minuten eher durchschnittliche Musik, die nicht so richtig schlecht ist, aber eben auch nicht so richtig gut, und somit wenige Chancen hat, nach dem Schreiben dieses Textes nochmal in meinen Ohren zu erklingen.  

Performance: 50%
Songwriting: 50%
Creativity: 50%
Variety: 50%
Entertainment: 50%
OVERALL: 50%

And again a debut record is waiting here to find its way into our players, and this time every Slytherin fan would be delighted. After an EP, Night Cobra are now releasing their first full-length: Dawn of the Serpent. Although, wait, good? That remains to be heard first. The press info says that the band from Houston, Texas (“We have a problem“) did not re-record any of the songs from the previously released EP Praise of the Shadow, which I personally find quite welcome. Every song has its time and its context, new recordings are actually always needless. And what would a new band have to say artistically at all if they recycled already released tracks on their first album? Nuff said.

The album starts with a very short synth intro somewhere between “Silvester Anfang“ and Italian Giallo à la Lucio Fulci, something like Vulture from Bielefeld have done on their albums… I like that kind of thing, I find it atmospheric. But I also like 80s horror flicks from Italy and associate something with the sound. Night Cobra will bring out the synthesizer a few more times on the disc, but don’t worry, usually only for intros, never as a plastic background for the tracks.

Then the vocals kick in and I stumble. Hey, it sounds a bit like music from the black scene, something gothic-rocky-melodic, that’s quite nice for a change, but on the other hand we all know the meaning of the word nice. Personally, I have to say that I like my Goths best as Visigoths. A flourish, please.

But, life is neither a pony court nor a wishful thinking concert, and this is Night Cobra. The first two songs of the album hardly grab me, even on repeated listens they pass me by, the vocals are too crooked, the riffing too uninspired and generic. The tracks don’t get to the point enough for my taste, aren’t compelling enough. Okay, I would listen to them in the lift, but that shouldn’t be the standard, because in the lift I can’t run away, at least between the floors. Maybe it’s also the vocals, which convey hardly any power, hardly any energy, and thus rather slow down the songs. The record becomes really interesting for my ears from track 3, “Lost in Time“. Suddenly there is something going on compositionally, the songs become tighter, more gripping, more to the point and thus more listenable, so that it finally becomes more pleasurable to dowel the Dawn of the Serpent of Night Cobra into the auditory canal. Sure, the record doesn’t become a hit from one song to the next, but at least it’s better.

Fortunately, it stays that way until the very quickly reached end of Dawn of the Serpent, because the part only runs just under 32 and a half minutes, so it’s pretty short. Especially if you calculate the whole thing and subtract the atmospheric synthesizers and the two lame tracks at the beginning of the record from this sparse running time. The bottom line is 20 minutes of rather average music, which is not really bad, but not really good either, and thus has little chance of ringing in my ears again after writing this text.

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