Review: Theandric – Flight Among the Tombs

Release: 11/02/2022

English version below

Frontmann Paul Tiseo gründete Theandric als Solo-Projekt, und gab 2011 die EP Up the Irons (An Epic Hymn to Iron Maiden) heraus. Inzwischen ist das Projekt zu einer Band bestehend aus Tiseo (Gesang, Bass, Tasteninstrumente, Gitarre), Bill Bogue (Gitarre), Aaron Wienczak (Gitarre) und Matt Voss (Schlagzeug) gewachsen. Dieses Jahr haben sie die EP Flight Among the Tombs herausgegeben, die wie Up the Irons auch von Tim Palatan aufgenommen und abgemischt wurde.

Als Tastenenthusiastin bin ich schon beim Intro zum Titellied „Flight Among the Tombs“ völlig dabei. Wow, was für ein Orgelklang! Die Basstöne haben einen Donnerhall, wie man ihn selten bei digitalen Instrumenten emulieren kann, ich bin beeindruckt. Mir gefällt auch, dass die Orgelmelodie nahtlos von den Gitarren übernommen wird, so ist das Intro ein organischer Teil des Songs anstatt eines Teils, der einsam für sich dasteht und nicht recht weiss, wo er eigentlich hingehört. Der treibende Rhythmus erinnert ein bisschen an Black Sabbath mit Tony Martin oder Dio, oder an spätere Rainbow-Alben. Auch gesangmässig kommt mir Tony Martin in den Sinn. Rhythmen, Taktwechsel und der getragene, kraftvolle Gesang ziehen einen sofort in ihren Bann. Es ist ein bisschen ungewöhnlich, und deshalb durchaus willkommen, dass das erste Gitarrensolo vor der ersten Strophe kommt, der Gesang beginnt erst nach beinahe 3 Minuten. Erfreulicherweise taucht die Orgel auch später im Lied nochmals auf, und auch das Mellotron gibt eine zusätzliche Klangnuance, die gut passt. Bei ganzen drei Gitarristen in einer Viererband ist es kein Wunder, dass wir mehr als ein Gitarrensolo pro Lied geboten kriegen. Sowohl Gitarrenton und Spieltechnik als auch die Produktion sind ausgezeichnet, deswegen könnte ich mit grosser Freude noch weiteren Soli zuhören.

Sowohl musikalisch als auch textmässig ist jedes Lied eine Geschichte für sich, die jedoch bestens ins Ganze der EP reinpasst. Beim zweiten Lied geht es um die Schlacht von Sherramuir in Schottland. Durchaus ein traditionelles Thema im Metal-Kontext, doch bei Theandric ist es so, dass Paul Tiseo schottische Ahnen hat. Deswegen ist die Themenwahlt vielleicht nicht ganz zufällig. Wenn man sich musikalisch mit Schottland befasst, muss auch ein Dudelsack dabei sein. Persönlich kriege ich immer viele wütende Gedanken, wenn ich einen Dudelsack höre. Im Falle von „The Battle von Sherramuir“ scheint ein Mellotron-Dudelsack gespielt zu werden, was meine Ohren nicht gleich stark quält wie das akustische Äquivalent. Doch ehrlich gesagt finde ich, dass bei Theandric meine persönliche Dudelsack-Aversion der Band nicht in die Quere kommen sollte: die Intro-Melodie ist wie auch bei „Flight Among the Tombs“ perfekt in den Song eingewoben, sie ist weder ein Klischee, noch sonstwie unpassend, und gibt dem Lied eine zusätzliche, wertvolle Nuance. Auch textmässig werden Klischees vermieden, was eine willkommene Überraschung sowohl beim Thema Schlacht wie auch beim Thema Schottland ist. Sehr gelungen!

„Condemned to Death“ ist ein episches Meisterwerk. Die Gitarren komplementieren einander perfekt, u.a. beim treibenden Rhythmus im Hintergrund des Gitarrensolos. Tiseos Stimme kommt zur vollen Geltung, mit vielen verschiedenen Timbres und grosser Emotionalität. Das Lied handelt um niemanden anderen als Jesus – der Name wird nicht erwähnt, doch in einem Interview wird die Bibel als Inspirationsquelle angegeben. Eine Wahl, die nicht sehr herkömmlich ist ausserhalb der spezifischen Christian Metal-Subgenres. So wie es lese, werden die Gegebenheiten mit einem sozialkritischen eher als einem religiösen Blick beschrieben. Abhängig davon, in welchem Teil von welcher Gesellschaft man lebt, ist heutzutage vielleicht tatsächlich der Protest gegen Religion(en) nicht mehr der relevanteste Startpunkt für Rebellion und soziale Kritik. „Condemned to Death“ hat klare Doom-Einschläge, doch verliert deswegen nicht den treibenden Grundrhythmus, der die ganze EP charakterisiert. Die Orgel im Hintergrund des zweiten Gitarrensolos passt ausgezeichnet und ist äusserst stimmungsvoll.

Das letzte Lied, „Ozymandias“, zeichnet sich durch einen progressiven Rhythmus aus, der wirklich begeistert. Obwohl ich zu Hause auf dem Sofa sitze, beginne ich automatisch zum Rhythmus zu nicken und kriege ein bisschen das Gefühl, an einem Live-Konzert zu sein. Die Gitarrensoli sind wirklich crème de la crème. Weil sie miteinander sprechen, klingen sie wie Teil eines Orchesterstücks, was ich im Metal immer grossartig finde. Das akustisch dominierte Outro ist vielleicht von der Zeit inspiriert, in der Paul Tiseo meist Stücke für akustische Gitarre schrieb. Es rundet die EP gekonnt und würdig ab. Ich will sie gleich nochmals hören! Und die CD werde ich garantiert kaufen.

Ich will die EP als eine äusserst erfreuliche Sammlung genau ausgewählter und liebevoll angeordneter Schatzstücke bezeichnen. Ein Muss für jeden Fan von Epic Metal, traditionellem Heavy Metal und auch progressiven, Doom- oder Folk-inspirierten Genres. Das Einzige, an was ich meckern kann, ist, dass für meinen Geschmack durchaus mehr dieser fantastischen Orgelklänge zum Einsatz kommen könnten, und überhaupt Tasteninstrumente. Ich bringe das hier mal als Wunsch an ;-). Ich freue mich schon, und bin gespannt, was als nächstes kommt. Es wurde ein Konzeptalbum über ein geschichtliches Thema angedeutet. Mit den starken Texten und der noch stärkeren Musik auf der EP kann man wirklich gespannt, und auch optimistisch sein! Ein riesiges Dankeschön an Theandric für die wundervolle Musik!

Performance: 80%
Songwriting: 95%
Creativity: 90%
Variety: 95%
Entertainment: 85%
OVERALL: 89%

Frontman Paul Tiseo founded Theandric as a solo project, releasing the EP Up the Irons (An Epic Hymn to Iron Maiden) in 2011. The project has since grown into a band consisting of Tiseo (vocals, bass, keyboards, guitar), Bill Bogue (guitar), Aaron Wienczak (guitar) and Matt Voss (drums). This year they released the EP Flight Among the Tombs, which like Up the Irons was also recorded and mixed by Tim Palatan.

As a keyboard enthusiast, I’m already completely on board with the intro to the title song “Flight Among the Tombs“. Wow, what an organ sound! The bass notes have a thunderous reverberation rarely emulated on digital instruments, I’m impressed. I also like that the organ melody is seamlessly taken over by the guitars, so the intro is an organic part of the song instead of a part that stands alone and doesn’t quite know where it actually belongs. The driving rhythm reminds me a bit of Black Sabbath with Tony Martin or Dio, or of later Rainbow albums. Tony Martin also comes to mind vocally. Rhythms, beat changes and the carried, powerful vocals immediately draw you in. It is a bit unusual, and therefore quite welcome, that the first guitar solo comes before the first verse, the singing starts after almost 3 minutes. Fortunately, the organ also appears again later in the song, and the mellotron also gives an additional nuance of sound that fits well. With three guitarists in a four-piece band, it’s no wonder that we get more than one guitar solo per song. The guitar tone and playing technique as well as the production are excellent, so I could listen to more solos with great pleasure.

Both musically and lyrically, each song is a story in itself, but fits perfectly into the whole of the EP. The second song is about the battle of Sherramuir in Scotland. Quite a traditional theme in a metal context, but in Theandric’s case, Paul Tiseo has Scottish ancestors. Therefore, the choice of theme is perhaps not entirely coincidental. If you deal with Scotland musically, there has to be bagpipes involved. Personally, I always get a lot of angry thoughts when I hear bagpipes. In the case of “The Battle of Sherramuir“, there seems to be a mellotron bagpipe being played, which doesn’t torment my ears as much as the acoustic equivalent. But honestly, with Theandric, I don’t think my personal bagpipe aversion should get in the way of the band: the intro melody, as with “Flight Among the Tombs“, is perfectly woven into the song, it’s neither a cliché nor otherwise inappropriate, and gives the song an extra, valuable nuance. Lyrically, clichés are also avoided, which is a welcome surprise on both the battle and Scottish themes. Very well done!

“Condemned to Death“ is an epic masterpiece. The guitars complement each other perfectly, including the driving rhythm in the background of the guitar solo. Tiseo’s voice comes into its own, with many different timbres and great emotionality. The song is about none other than Jesus – the name is not mentioned, but in an interview the Bible is given as the source of inspiration. A choice that is not very conventional outside the specific Christian metal subgenres. As it reads, the circumstances are described with a socially critical rather than a religious view. Depending on what part of what society you live in, perhaps protesting against religion(s) is actually not the most relevant starting point for rebellion and social criticism nowadays. “Condemned to Death“ has clear doom influences, but doesn’t lose the driving basic rhythm that characterises the whole EP. The organ in the background of the second guitar solo fits perfectly and is extremely atmospheric.

The last song, “Ozymandias“, features a progressive rhythm that really inspires. Even though I’m sitting on the sofa at home, I automatically start nodding to the rhythm and get a bit of a feeling of being at a live concert. The guitar solos are really crème de la crème. Because they talk to each other, they sound like part of an orchestral piece, which I always find great in metal. The acoustic-dominated outro is perhaps inspired by the time when Paul Tiseo mostly wrote pieces for acoustic guitar. It rounds off the EP skilfully and worthily. I want to hear it again right away! And I will definitely buy the CD.

I will call the EP an extremely enjoyable collection of precisely selected and lovingly arranged treasures. A must for every fan of epic metal, traditional heavy metal and also progressive, doom or folk-inspired genres. The only thing I can complain about is that for my taste more of these fantastic organ sounds could be used, and keyboard instruments in general. I’ll put that here as a wish ;-). I’m looking forward to it, and I’m curious to see what comes next. A concept album about a historical theme has been hinted at. With the strong lyrics and even stronger music on the EP, one can be really excited, and also optimistic! A huge thank you to Theandric for the wonderful music!

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