Interview: Nemoreus (Thorshammer Special)

Am 23./24. September 2022 findet in Suhl das Thorshammer Festival statt, bei dem auch der Epic Metal Blog vor Ort sein wird. In den nächsten Wochen möchten wir euch im Rahmen eines kleinen Specials ein paar Bands vorstellen, die wir in Thüringen auf der Bühne sehen werden. Los geht es heute mit Nemoreus aus Wien. Meine Fragen hat Fabi beantwortet, der bei den Österreichern für den Gesang und allerlei Instrumente zuständig ist.

André: Fabi, vielen Dank, dass du dir Zeit für unseren Blog nimmst. Wie geht es dir?

Fabi: Sehr gut, vielen Dank für euer Interesse!

Welche Platte hast du vor der Beantwortung meiner Fragen zuletzt gehört?

Das war das Album In the Passing Light of Day von der schwedischen Prog Metal-Band Pain of Salvation.

Welches Album, das in diesem Jahr erschienen ist, hat dich bislang ganz besonders begeistert?

Um ehrlich zu antworten, bin ich mit Alben nicht immer brandaktuell. Brothers of Metal haben in diesem Jahr die Single „The Other Son of Odin“ raus gebracht, die hat mir ziemlich gut gefallen.

Kommen wir zu deiner Band: Euch gibt es laut Metallum seit 2017. Erzähle doch unseren Lesern einmal ein bisschen etwas über die bisherige Geschichte von Nemoreus

Genau, wobei das Vorläuferprojekt bis in das Jahr 2013 zurückgeht. Unter dem Namen Nemoreus gibt es uns intern seit 2015, wobei wir erst etwa 2017 unter dem Namen an die Öffentlichkeit gingen. Nachdem die beiden zu dem Zeitpunkt noch verbliebenen Gründungsmitglieder des vorigen Projektes ausgestiegen waren, formierten wir uns 2017/Anfang 2018 neu und auch unser gegenwärtiges Konzept entstand etwa in dieser Zeit. Wir waren davor mehr ein Haufen Freunde, die einfach gemeinsam jammen wollten und gar nicht daran dachten, etwas zu veröffentlichen oder ein Konzert zu geben. Aus dieser Anfangszeit sind nur noch ich und, ein wenig später, unser Drummer Adrian übrig. Ursprünglich hieß das Projekt Legenda weil uns immer das Erzählen von Geschichten wichtig war, das hat sich auch bis heute nicht verändert. Naturbezogen waren wir schon immer alle. Ich erinnere mich noch gut, dass wir damals mal eine akustische „Waldprobe“ hatten, bei der wir in einem Waldstück mit akustischen Instrumenten spielten. Das war wirklich schön und sehr stimmig. Unser Drummer trommelte auf ein paar toten Ästen. Als wir dann wenig später den keltisch-bretonischen Einfluss einführten, nannten wir uns erst Scéaloicht, was auf irisch so viel wie „Erzählung“ bedeutet. Das konnte sich aber keiner merken. Auf Umwegen kamen wir schließlich zum Namen Nemoreus, wir fanden ihn ursprünglich in einem Pilzbestimmungsbuch. Der „hygrophorus nemoreus“, zu Deutsch „Waldschneckling“ oder „Hainschneckling“, ist ein essbarer, seltener, einheimischer Pilz. Da bekannt ist, dass Bäume und verschiedene Pflanzen über das Mykhorriza-Geflecht im Boden miteinander kommunizieren, ist es nur passend, dass auch wir gerne über den Folk Metal gern viele Stile miteinander verbinden. Nachdem Maike und Stef 2018 dazu gekommen waren, fühlte ich neuen Wind unter unseren Flügeln. Ich begann damit, neue Songs zu schreiben und jeder von uns begann zu spüren, dass wir gemeinsam viel schaffen konnten. Nach einigen Shows in Wien hatten wir die Ehre, das Wacken Metal Battle in Österreich zu gewinnen. Damit hatte keiner von uns gerechnet, denn wir sahen den Contest damals einfach als Möglichkeit, live zu spielen. Wir wurden dann gefragt, ob wir bereits Studioaufnahmen hatten, was wir verneinen mussten. Man empfahl uns daraufhin ein gutes Studio in Budapest, also nahmen wir schleunigst an einem verlängerten Wochenende unsere Debüt-EP Silent Watcher auf. Die bekamen wir dann sogar noch vor unserem Auftritt bei Wacken fertig. Das Konzert selbst war echt eine für uns unglaubliche Erfahrung und in der neuen Besetzung exakt unser 10. Gig. Von kleinen Konzerten in Wiener Clubs auf eines der renommiertesten Metal-Festivals überhaupt war schon ein krasser Anstieg. Ich weiß noch, als der Vorhang aufging und ich plötzlich in die Gesichter von Tausenden Metal-Fans blickte… Das kann man, glaub‘ ich, nur nachvollziehen, wenn man das einmal erlebt hat. Ein großartiges Gefühl. Für unser erstes Album Arnea nahmen wir uns dann deutlich mehr Zeit und ich glaube, das hört man auch. Dann kam Covid und ich glaube, den Rest kennen wir alle.

Was war in diesen Jahren euer schönstes Erlebnis als Band?

Also abgesehen von Wacken war das sicher unser Auftritt beim Mead and Greed in Oberhausen. Wir lernten viele neue Leute kennen und feierten bis spät in die Nacht mit den anderen Bands. Das war ein Kater am nächsten Tag, sag‘ ich euch…

Welche Bands haben dich als Musiker am meisten beeinflusst?

Ich spiele seit meiner Kindheit irische, schottische und bretonische Tanzmusik. Sehr beeinflusst haben mich Alan Stivell, Brian Finnegan, Michael McGoldrick oder auch die Bands Lúnasa und Solas. Aus der Metal-Richtung waren das ganz klar Eluveitie, Ensiferum oder Korpiklaani, aber neuerdings auch Orden Ogan. Dream Theater habe ich auch eine Zeit lang viel gehört.

Vor exakt anderthalb Jahren erschien euer erstes Studioalbum Arnea, das du gerade bereits angesprochen hast. Wie blickst du heute auf diese Scheibe zurück? Und wie ist eigentlich das Feedback damals ausgefallen?

Stimmt! Wahnsinn, wie die Zeit momentan vergeht. Ich finde Arnea als erstes Album absolut gelungen. Das sagen auch die Reviews, die wir bekommen haben, wir wurden durch die Bank sehr positiv bewertet. Die Legacy hat uns in ihrer Ausgabe 132 sogar als „Tipp!“ empfohlen. Also ich glaube, wir können durchaus zufrieden sein. Natürlich gibt es das eine oder andere, das wir beim nächsten Mal anders machen möchten, aber ich glaube, das die meisten Bands mit jedem Album etwas dazulernen.

Arbeitet ihr bereits an eurem zweiten Album?

Ja, daran arbeiten wir bereits intensiv. [zwinkert]

Wie wichtig sind dir die Lyrics? Meiner Meinung nach sind sie gerade im Pagan/Folk Metal ein essenzieller Bestandteil, der viel zur Atmosphäre beiträgt.

Kurz gesagt: Sehr wichtig. Natürlich gibt es viele Dinge, die zusammenkommen müssen, damit daraus ein guter Song entsteht. Die Message muss zwar nicht stark sein für einen guten Song, aber ich finde, wenn sie es ist, dann kann man sich noch besser mit dem Song identifizieren. Dann bedeutet der einem vielleicht mehr als nur einen Eintrag auf der persönlichen Spotify-Playlist. Für mich als Künstler sind Songs außerdem meine Chance, gehört zu werden. Und auch mal meine Meinung zu sagen zu dem, was da draußen so abgeht.

Mein Kollege Aidan und ich werden Ende September das Thorshammer Festival besuchen – ich bin mir sicher, dass euer Auftritt zu unseren Highlights zählen wird. Ich nehme an, ihr freut euch auch bereits sehr auf diese Show…

Darauf freuen wir uns auf jeden Fall. Dann werden wir uns gleich noch mehr ins Zeug legen, um euch eine gute Show zu bieten! Es ist immer besonders schön, wenn man so gut in ein Line-up passt wie beim Thorshammer.

Zu welchen Bands, die in Suhl auf der Bühne stehen werden, habt ihr den engsten Kontakt? 

Noch zu keiner, aber vielleicht ändert sich das ja danach.

Wie schätzt du die heutige Pagan/Folk Metal-Szene ein? Was gefällt dir – und was siehst du kritisch?

Also, aus meiner Bubble bekomme ich mit, dass viel Neugier herrscht. Neue Acts werden sehr gerne geteilt und auch für junge Bands besteht eine gewisse Offenheit. Das gefällt mir sehr gut. Schade finde ich auf der anderen Seite, dass viele vor allem Folk Metal als Sauf- und Partymusik abtun. Ja, das kann das Genre gut, aber da gibt es noch so viel mehr.

Welche Festivals in eurem Bereich magst du besonders gern? Und hast du eventuell einen Geheimtipp für meinen Kollegen und mich? Evtl. auch in Österreich. Wir sind sehr neugierig und reisefreudig…

Also, Festivals in unserem Bereich gibt es ja nicht gerade viele, vor allem in Österreich. Wer gerne die österreichische Folk/Pagan-Metal-Szene wirklich kennen lernen möchte, dem kann ich aber nur wärmstens die Veranstaltungsreihe des Heathen Gathering empfehlen.

Mal angenommen, ich möchte jemanden für „euer“ Genre begeistern? Welche Klassiker-Platten sollte ich deiner Meinung nach empfehlen?

  • EluveitieEvocation I – The Arcane Dominion
  • EnsiferumUnsung Heroes
  • Korpiklaani Noita

Bist du eigentlich ein Vinyl-Freak – oder ist dir das Format egal?

Ich selbst habe keinen Plattenspieler. Aber ich höre auch eher, wenn ich im Auto bin, Musik. Ich glaube aber, dass es mir schon gefallen könnte. Immerhin hat es doch etwas fast schon Rituelles, eine Schalplatte aus der Hülle zu nehmen, vorsichtig auf den Drehteller zu legen und die Nadel drauf sinken zu lassen.

Wie stehst du zum Thema Streaming?

Also, es hat auf jeden Fall das Musik-Business für immer verändert. Früher haben viele Menschen vom CD-Verkauf gelebt. Aus eigener Erfahrung ist das nur noch schwer bis nicht möglich. Jetzt muss man anders seine Brötchen verdienen. Ein großes Potenzial ist sicher, dass man jetzt auch als kleine Band viel mehr Leute erreicht, als das jemals möglich war. Aber man muss jetzt viel mehr sein als nur „Musiker“, damit das funktioniert.

Letzte Frage: Mal angenommen, du hättest ein riesiges Budget für Live-Shows zur Verfügung. Wie würde dann ein Nemoreus-Gig ausschauen?

Auf jeden Fall sehr atmosphärisch. Große brennende Feuerschalen, Deko, eine eigene Lichtshow mit eigenem Lichttechniker. An Ideen würde es uns nicht mangeln.

Das klingt vielversprechend – vielleicht könnt ihr das ja mal in einem kleineren Maßstab umsetzen. Fabi, danke dir einmal mehr für dieses Interview. Wir sehen uns beim Thorshammer Festival. Grüß‘ deine Band herzlich vom Epic Metal Blog!

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