Interview: Mornir (Thorshammer Special)

Das Thorshammer Festival in Suhl steht bereits in wenigen Tagen an. Daher bekommt ihr heute gleich zwei Interviews im Rahmen unseres mehrteiligen Specials (das hiermit noch nicht beendet ist). Diesmal beschäftigen wir uns mit Mornir aus Freising. Gesprochen haben wir mit Axel (Gesang, Gitarre), Maxi (Gitarre) und Heinrich (Bass, Gesang). Wir wünschen euch viel Vergnügen beim Lesen!

André: Vielen Dank, dass ihr euch Zeit für unseren Blog nehmt. Wie geht es euch?

Axel: Fantastisch, endlich wieder Live-Konzerte und Festivals!

Maxi: Ich kann nicht klagen, danke der Nachfrage! Und natürlich habe ich Vorfreude, es stehen dieses Jahr noch 2 Konzerte an und ich hoffe, dass alles glatt läuft. 

Heinrich: Da kann ich nur zustimmen, es geht endlich wieder los! 

Welche Platten habt ihr vor der Beantwortung meiner Fragen zuletzt gehört?

Axel: Witness von Vola, klasse, die Scheibe!

Maxi: Vola habe ich nach ihrem Auftritt mitten in der Nacht auf dem Summer Breeze auch viel gehört, das letzte ganze Album am Stück war aber vermutlich Sounds from the Vortex von The Spirit. Der Musikgeschmack in der Band ist (leider oder zum Glück?) sehr divers, wir sind Freunde aller guten Musik. 

Heinrich: Das stimmt, bei uns ist alles erlaubt, was gefällt. Bei mir dürfte das Wired von Eclipse gewesen sein. Ich war bei der Entdeckung ziemlich begeistert, dass eine „normale“ Rock-Band so einen tighten Sound hat.

Welches Album, das in diesem Jahr erschienen ist, hat euch bislang ganz besonders begeistert?

Maxi: Schwierige Frage, mein Gedächtnis reicht meistens nur von 12 Uhr bis Mittag und Jahreszahlen wurden sowieso von den Druckverlagen erfunden, um mehr Kalender zu verkaufen. Positiv überrascht hat mich Alestorm mit dem Track „Magellan’s Expedition“, die Kapelle hatte ich eigentlich abgeschrieben, aber damit sind sie etwas zu ihren Anfängen zurück. Da hatte ich fast nostalgische Gedanken. 

Kommen wir zu eurer Band: Euch gibt es laut Metallum bereits seit 2011. Erzählt doch den Lesern einmal ein bisschen etwas über die Geschichte von Mornir.

Maxi: Begonnen hatte die Geschichte mit Suchanfragen in lokalen Internetforen, so haben sich damals zur Blütephase des Pagan-Metal ein paar Schüler kennengelernt. Ich bin als Gitarrist kurz danach über unseren damaligen Drummer hinzugestoßen. Axel, heutzutage an Vocals und Gitarre, haben wir in einem Supermarkt in unserer Band-Heimat Freising gefunden, als er hier studiert hat. Einige Jahre waren wir in fester Formation mit Drums, Bass, 2 Gitarren und Geige. Erst vor gar nicht allzu langer Zeit haben wir dann Wolfgang als neuen Drummer zu uns geholt. Beeindruckende Geschichten gibt es leider nicht wirklich, ich denke am ungewöhnlichsten ist, dass es uns überhaupt noch gibt. 11 Jahre später und mittlerweile über das ganze Land verteilt hält uns vor allem der Spaß am Musikmachen zusammen; solange wir uns noch darauf freuen, zu proben und aufzutreten, machen wir das wohl auch weiter! 

Was war in all diesen Jahren euer schönstes Erlebnis als Band?

Heinrich: Definitiv das Dämmerstund-Album nach all den Vorbereitungen endlich in den Händen halten zu können.

Maxi: Die vielen positiven Reaktionen auf Dämmerstund waren super, es ist fast unglaublich, wenn man CDs in weit entfernte Kontinente und Länder verschickt und weiß, dass ja jemand zuhause sitzt und unsere Musik hört. 

Welche Bands haben euch als Musiker am meisten beeinflusst?

Heinrich: Das ist gar nicht so leicht runterzubrechen. Als Bassist war ich immer ein recht großer Fan von Marco Hietala, also wäre hier Nightwish sicher eine gute Antwort. Als Songwriter für Mornir gibt es zahlreiche kleinere Einflüsse, von denen die meisten bisher übrigens nicht erraten wurden. Am offensichtlichsten ist musikalisch wohl Eluveitie.

Vor knapp zweieinhalb Jahren erschien euer erstes Studioalbum Dämmerstund, das ihr bereits angesprochen habt. Wie blickt ihr heute auf diese Scheibe zurück?

Heinrich: Wir alle lieben sie nach wie vor! Natürlich fallen einem als „Schöpfer“ im Nachhinein immer Dinge auf, die man beim nächsten Mal vielleicht anders machen würde. Ich bin aber vor allem nach wie vor sehr zufrieden damit, wie sich alles zu einem kohärenten Gesamtwerk entwickelt hat. Das Feedback war wirklich positiv, was uns natürlich sehr gefreut hat. Sowohl die eingefleischten Fans als auch uns völlig unbekannte Menschen haben ehrliche, lobende Worte für uns gehabt.

Arbeitet ihr bereits an eurem zweiten Album?

Heinrich: Das tun wir! Auch wenn es bis zur Veröffentlichung noch ein wenig dauern wird. Wir nehmen uns gerne Zeit für das Songwriting. Ein paar Lieder sind aber schon in guter Form.

Wie wichtig sind euch die Lyrics? Meiner Meinung nach sind sie gerade im Pagan Metal ein essenzieller Bestandteil, der viel zur Atmosphäre beiträgt.

Heinrich: Da kann ich dir zustimmen. Genauso sehe ich Lyrics, als Träger der Atmosphäre. Bei uns entsteht immer die Musik zuerst und die Texte kommen dann als letzter Schliff dazu, um den Hörer vollständig in die Songs eintauchen zu lassen. Interessanterweise brauchen die Texte in der Entstehung oft länger als die Musik. Eine besondere Botschaft haben wir dabei nicht. 

Ende der Woche spielt ihr auf dem Thorshammer Festival. Ich nehme an, ihr freut euch bereits sehr auf diese Show…

Maxi: Auf keinen Fall, wir können es überhaupt nicht leiden, live zu spielen! Das einzig Schlimmere wäre, wenn wir vor Ort auch noch mit netten Leuten Bier trinken müssten! Wir treffen sicher ein paar alte Bekannte, das wird ein Fest. [lacht]

Zu welchen Bands, die in Suhl auf der Bühne stehen werden, habt ihr den engsten Kontakt?

Axel: Endlich mal eine leichte Frage! Das ist ganz klar Munarheim. Wolfgang spielt auch bei uns Schlagzeug und Theresa hat mit ihrem Gesang zwei Songs unseres Albums aufgewertet. Das verbindet natürlich.

Wie schätzt ihr die heutige Pagan Metal-Szene ein? Was gefällt euch – und was seht ihr kritisch?

Heinrich: Ich glaube, uns allen war in der „Hochphase“ um 2010 herum klar, dass das Phänomen nicht ewig so weitergehen wird. Ich bin aber dennoch beeindruckt, dass sich eine sehr treue Kern-Hörerschaft erhalten hat. Wenn man sich als Band nicht mit den immer gleichen, vorgegebenen Themen beschäftigen wollte, musste man irgendwann einen neuen Weg gehen. Einige haben sich dabei leider komplett von der Thematik abgewandt, während andere einen eigenen Zugang und individuellen Stil gefunden haben. Uns darf man hoffentlich zu letzterer Gruppe zählen. Manchmal muss ich aber zugeben, dass die Nostalgie an die Zeit durchschlägt, als große Line-ups von Pagan-Metal-Bands durch Europa getourt sind und es jedes Mal ein Spektakel war, egal wie oft man die Bands schon gesehen hat.

Welche Festivals in eurem Bereich mögt ihr besonders gern? Und habt ihr eventuell einen Geheimtipp für meinen Kollegen Aidan und mich? Wir sind sehr neugierig und reisefreudig…

Axel: Da würden wir euch das Dark Troll Festival in Bornstedt empfehlen. Unser Auftritt dort 2018 war großartig. Diese Kulisse einer alten Burgruine und dazu ein Publikum, das einfach richtig Bock auf Musik und Feiern hat, unbeschreiblich. Seitdem sind wir dort auch regelmäßige Gäste. Wir versuchen natürlich, unseren Teil zu geben, dass den Besuchern das Thorshammer in guter Erinnerung bleibt und sind selbst schon sehr gespannt auf dieses Festival.

Mal angenommen, ich möchte jemanden für „euer“ Genre begeistern. Welche Klassiker-Platten sollte ich eurer Meinung nach empfehlen?

Heinrich: Wenn man ganz trve ist, müsste man jetzt sicher was von Bathory nennen, aber ich muss zugeben, dass es mir vor allem Sagas von Equilibrium angetan hatte.

Seid ihr eigentlich Vinyl-Freaks – oder ist euch das Format egal?

Axel: Nein, Schallplatten kaufe ich eigentlich nicht, aber dem „sterbenden“ Format CD fühle ich mich noch verbunden.

Maxi: Tatsächlich kaufe ich gerne Vinyl, auch wenn ich nicht oft die Zeit finde, ganze Alben über die große Anlage zu hören. Meistens kaufe ich gebraucht auf Flohmärkten oder in kleinen Läden, auch gerne, ohne zu wissen, was ich da gerade in den Händen halte, solange das Cover gut aussieht. 

Heinrich: Das Schöne in der analogen Welt sind natürliche aufwendige Artwork-Konzepte, die für mich zum Metal einfach dazugehören.

Wie steht ihr zum Thema Streaming?

Axel: Ich nutze Streaming schon, bin aber eigentlich ein etwas nostalgischerer Musik-Hörer und greife lieber ab und zu zur CD und genieße gern ein Album im Gesamtkontext, wenn ich die Zeit finde.

Letzte Frage: Mal angenommen, ihr hättet ein riesiges Budget für Live-Shows zur Verfügung. Wie würde dann ein Mornir-Gig ausschauen?

Heinrich: Met für alle!

Axel: Nur übertriebene Feuershow, das kann ja jeder, der genug Geld hat. Ich würde uns gerne mal wie eine einfallende Wikinger-Flotte im Drakkar über das Publikum gleiten sehen.

Maxi: Ich frage mich ja schon, ob Axel einen sitzen hat, wir sind doch gar keine Wikinger! Ich persönlich würde genug Geld in den Sound investieren, ich hasse schlecht abgemischte Konzerte, und vom Rest kaufen wir uns alle neue Instrumente, damit wir jeden Song auf einer neuen Gitarre, Geige oder einem neuen Drumset spielen können. Das halte ich für ein sinnvolles Investment!  

Das klingt alles sehr vielversprechend! Ich bedanke mich herzlich für das Gespräch und wünsche euch am Wochenende in Suhl ganz viel Spaß. Sobald es News zum neuen Album gibt, reden wir weiter. Spätestens dann…

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