Interview: Varus (Thorshammer Special)

Heute setzen wir unser Thorshammer Special mit einer ausgesprochen spannenden Band aus Bamberg fort: Varus. Unser Freund Markus Eck von Metalmessage schrieb anlässlich ihres zweiten Albums A New Dawn im Jahr 2020:

„Der Bandname VARUS nimmt Bezug auf die historische Schlacht am Teutoburger Wald bzw. den Anführer der römischen Legionen, der sich auf dem Schlachtfeld das Leben nahm und somit als Sinnbild des zurückgedrängten Imperiums durch die germanischen Naturstämme fungiert. Geformt in den Schmieden Oberfrankens, verschrieben sich VARUS eines langwierigen und rundum tiefgründigen Konzeptes: Die ebenso eigenständige wie epische und ästhetische Verschmelzung aus klassischer Musik, traditionellem Folk und kernigem Metal.“ (Link zum vollständigen Artikel hier)

Rede und Antwort stand uns Sänger und Keyboarder Konstantin. Viel Spaß beim Lesen!

André: Konstantin, welche Platte hast du vor der Beantwortung meiner Fragen zuletzt gehört?

Konstantin: Als Letztes lief bei mir Baldr Ok Iss von Helrunar.

Welches Album, das in diesem Jahr erschienen ist, hat dich bislang ganz besonders begeistert?

Das dürfte wohl von MånegarmYnglingaättens öde sein. Die Schweden schaffen es mit ihrem brachialen, aber trotzdem super abwechslungsreichen Sound, mich abzuholen!

Kommen wir zu deiner Band: Euch gibt es laut Metallum bereits seit 2010, zunächst unter einem anderen Namen. Erzähle doch unseren Lesern einmal ein bisschen etwas über die Geschichte von Varus

Gerne! Wir hatten zunächst als halbe Coverband namens Banjaxed mit einigen „Vorversionen“ von eigenen Songs gespielt, nur in unserer und um unsere Heimatstadt Bamberg. Zu Beginn war das eine gute Sache, aber die Ideen flossen nur so und einige Zeit später haben wir einstimmig entschieden, die Cover-Schiene zu verlassen. Nach ewiger Namenssuche kamen wir durch eine Dokumentation auf den Namen des römischen Feldherren „Varus“, der sich auf dem Schlachtfeld das Leben genommen hatte – ein wirklich tragischer Charakter. Zudem gab es keine Metal-Band namens Varus, was uns schon stark gewundert hatte, aber uns natürlich entgegenkam.

Das ist in der Tat verwunderlich… Was war in all diesen Jahren euer schönstes Erlebnis als Band?

Schwierige Frage, da es in den letzten Jahren wirklich sehr viele schöne Erlebnisse gab. Der Auftritt 2019 auf dem Wolfszeit Festival ist sicherlich ein Highlight, da wir selbst alle gern auf dem Festival waren und dort meist unsere eigenen Lieblingsbands gesehen haben. Unser letzter Auftritt auf den Mittsommernächten in Bärenstein plättet uns aber immer noch. So eine krasse Resonanz und ausschweifende Stimmung bei Konzerten hatten wir vorher nicht.

Welche Bands haben dich als Musiker am meisten beeinflusst?

Mich persönlich prägen meist die Köpfe hinter der Musik. So sind am einflussreichsten wohl Mathias Nygard von Turisas, Ian Anderson von Jethro Tull, Jon Lord von Deep Purple und John Williams. Ziemlich alle diese Elemente (Metal, Folk, Orchester, Hard Rock/Keyboards) sind in unserer Musik rauszuhören.

Genau, und das macht sie auch so spannend! Vor gut zwei Jahren erschien euer zweites Studioalbum A New Dawn. Wie blickst du heute auf diese Scheibe zurück? Und wie ist eigentlich das Feedback damals ausgefallen?

Ich bin immer noch sehr zufrieden damit und freue mich, dass es wirklich abwechslungsreich geworden ist. Soundtechnisch war es ein großer Schritt im Vergleich zum Erstlingswerk, wobei wir auch das künftig noch aufbessern wollen. Reviews, Feedback etc. waren bombastisch! Wir hätten nicht gedacht, dass die Rückmeldungen so positiv und wohlwollend ausfallen würden.

Arbeitet ihr bereits an eurem dritten Album?

Auf jeden Fall! Tatsächlich haben wir den Titelsong schon auf dem letzten Konzert gespielt und werden das vermutlich auch auf dem Thorshammer machen. Das Songwriting läuft etwas flüssiger als bei den Alben vorher, sodass ein ganzer Haufen Material schon fertig ist.

Wie wichtig sind dir die Lyrics? Meiner Meinung nach sind sie gerade im Pagan Metal ein essenzieller Bestandteil, der viel zur Atmosphäre beiträgt.

Da gebe ich dir Recht. Allerdings sind bei uns textlich kaum Pagan-Referenzen zu finden und wir würden uns auch nicht als Pagan Metal bezeichnen. Dennoch sind Lyrics für mich wichtig und nicht nur „notwendiges Übel“. In jedem Lied steckt eine Menge Persönliches drin: Ängste, Wut, Fernweh, aber auch Feiern und Lebenslust.

Ende September spielt ihr auf dem Thorshammer Festival. Ich nehme an, ihr freut euch auch bereits sehr auf diese Show…

Na, aber sicher doch! Unsere Proben laufen auf Hochtouren und wir hoffen, eine extralange Setlist spielen zu können.

Na, das hört sich vielversprechend an! Zu welchen Bands, die in Suhl auf der Bühne stehen werden, habt ihr den engsten Kontakt? 

Da fallen mir vor allem Thorondir und Munarheim ein. Mit letzteren hatten wir in den vergangenen Jahren viele gemeinsame Shows und wir spielen am Thorshammer Festival auch direkt nach ihnen. Das verspricht jetzt schon außerordentlich lustig und durstig zu werden.

Wie schätzt du die heutige Pagan Metal-Szene ein? Was gefällt dir – und was siehst du kritisch?

Ich denke, dass es nicht die eine Pagan Metal-Szene gibt, sondern sich das eher mit Viking, Folk und Black Metal vermischt. Wir fühlen uns da insgesamt sehr wohl, da die Stimmung ausgelassen und familiär ist. Das liegt wohl auch daran, dass die Szene nicht riesig ist und man oft die gleichen Gesichter sieht. Kritisch oder eher traurig finde ich, dass der ganze Pagan/Viking/Folk-Metal-Bereich nicht mehr so groß und breitgefächert ist, wie er es einmal war. Einige Bands ändern ihr Genre und kehren dem erdigen, bodenständigen Klang den Rücken zu.

Welche Festivals in eurem Bereich magst du besonders gern? Und hast du eventuell einen Geheimtipp für meinen Kollegen und mich? Wir sind sehr neugierig und reisefreudig…

Die Festivals, die wir besuchen, sind in der Regel Ragnarök (gleich um’s Eck bei uns) und Wolfszeit. Beide sind sehr zu empfehlen, da sie vor allem nicht mega groß sind und dadurch überschaubar sowie angenehm. Ansonsten fallen mir noch Mead & Greed und das Dark Troll ein, welche noch ein Stück kleiner und familiärer sind.

Mal angenommen, ich möchte jemanden für „euer“ Genre begeistern? Welche Klassiker-Platten sollte ich deiner Meinung nach empfehlen?

Echt schwierig, da eine Auswahl zu treffen, aber am ehesten die folgenden:

Turisas The Varangian Way

EnsiferumFrom Afar

Thyrfing – Valdr Galga

MånegarmVargestenen

Equilibirum Turis Fratyr

Bist du eigentlich ein Vinyl-Freak – oder ist dir das Format egal?

Auf Vinyl lege ich persönlich keinen Wert, aber wenn schon digital, dann doch zumindest in der höchsten Qualität, sprich MP3 320kbps oder lieber noch WAV. Ich kaufe mir die Alben von Bands, die ich gerne höre, meistens einmal als physische CD und einmal als Download (iTunes etc.).

Wie stehst du zum Thema Streaming?

Nun, wir streamen eigentlich auch auf allen bekannten Plattformen. Um bestehende oder potenzielle Fans zu erreichen, halte ich es für sinnvoll und würde auch nicht davon absehen. Das ist jetzt der künstlerische bzw. marketingtechnische Aspekt, einfach um seine Musik „unter die Leute“ zu bringen. Wie wir alle wissen, ist es aber schwierig, damit wirklich Geld zu verdienen. Für Künstler, die auf die Einnahmen angewiesen sind, könnte Streaming auch ein Stück weit kontraproduktiv sein. Da wir aber von der Musik nicht leben müssen, erübrigt sich der Punkt bei uns und wir versuchen eher, möglichst viele Leute damit zu erreichen. Streaming wird bei uns also bleiben.

Letzte Frage: Mal angenommen, du hättest ein riesiges Budget für Live-Shows zur Verfügung. Wie würde dann ein Varus-Gig ausschauen?

Oh, bei so was spinnen wir in der Band gerne einen ganzen Abend herum! Das kann jetzt etwas ausführlicher werden.

Perfekt!

Unsere Musik ist ja von Haus aus orchestral und episch ausgelegt. Die beiden offensichtlichen Ergänzungen wären ein spätromantisches Sinfonie-Orchester mit immenser Blechblas-Sektion und ein gewaltiger Chor. Da sich unser Schlagzeuger immer wieder Rohrglocken, Gongs und Pauken wünscht, soll er das auch bekommen. Ich würde mir eine Hammond-Orgel inklusive zwei Leslie-Lautsprechern wünschen, eine echte Kirchenorgel, einen Bösendorfer Konzertflügel und eine teure Holz-Querflöte. Vermutlich wird das Budget auch für zusätzliche Solo-Musiker investiert, die diverse Folk-Instrumente spielen. Am wichtigsten ist dann aber ein Techniker, der es schafft, alles ordentlich abzumischen. Zur Untermalung gibt’s noch eine riesige Pyroshow und seitlich auf der Bühne wird eine Schänke mit alter Holztheke aufgebaut. Man muss sich ja zwischen den Liedern auch mit Kaltgetränken erfrischen können.

Da sagst du was. Eine Theke auf der Bühne habe ich zuletzt bei Udo Lindenberg gesehen. Dort gab es natürlich vor allem Eierlikör… Konstantin, ich danke dir für das sehr interessante Interview – das hat Spaß gemacht!

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